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INOUSSES - Kloster Evangelismou in Inousses

  867 Wörter 3 Minuten
2017-04-16 2017-04-16 16.04.2017 815 × gelesen

Eine erwartungsfrohe Schar Schweizer Wanderer wartete an einem frühen September-morgen im Hafen von Chios aufs Ausflugsschiff das uns auf die Hauptinsel von Inousses bringen sollte. Es sind etwa 17 Kilometer vom Schiff zu bewältigen bis zum Hafen von Dorf und Insel. Nur diese eine Insel ist von ca. 750 – 800 Einwohnern bewohnt, vorwiegend reiche Reederfamilien. Sie ist etwa 7,5 Kilometer lang und bis zu 2,8 Kilometer breit und recht dicht bewaldet. Der Tourismus beschränkt sich vorwiegend auf Tagesausflügler. Viele davon wollen das Frauenkloster besuchen, das auch unser Ziel ist.
Zuerst geniessen wir die Schifffahrt. Ruhig pflügt das Schiff durch die von der Sonne silbrig gefärbten Wellen seine Bahn, Möven begleiten uns, hin und wieder kreuzt ein Fischerboot unseren Weg. Eine wunderbare Ruhe liegt über dem Meer. Nach einer guten Stunde sind wir am vorläufigen Ziel, dem Hafen von Montraki das sich mit seinen wohlhabenden Häusern den Berg hinauf zieht.

Hier trennt sich unsere Gruppe, drei gesund-heitlich etwas angeschlagene Wanderer, darunter ich, ziehen es vor mit dem Taxi zum Kloster zu fahren, die andern nehmen den Weg unter die Füsse. Unser Taxi fährt mit atembe-raubender Geschwindigkeit den Berg hoch. Wir kommen kaum dazu die wunderbare Aussicht zu geniessen. Schon sind wir vor dem Gartentor des Klosters. Es wurde erst vor ca.40 Jahren gegründet . Ein reicher Reeder erkrankte damals an Krebs, seine Tochter betete für ihn und er wurde wieder gesund. Allerdings erkrankte dann seine Tochter auch an Krebs und starb. Sie wurde wie üblich, nur mit einem Leintuch beerdigt. Nach ein paar Jahren wollte man ihre Gebeine ins Beinhaus bringen aber ein Wunder war geschehen. Sie war mumifiziert und ruht nun im Kloster, in einer kleinen Kapelle. Ihre Mutter gründete darauf hin das Kloster und war auch die erste Aebtissin.

Das grosse Klostertor ist verschlossen, ein Türklopfer muss schwungvoll betätigt werden und nach ein paar Minuten erscheint in einem Guckloch der Kopf einer Nonne. „Ähhm, eimaste apo tin i Marianna“ hasple ich herunter. Das Guckloch geht zu und nach ein paar weiteren Minuten geht die ganze Tür einen Spalt weit auf und wir bekommen eine Auswahl „Klosterkleider“ herausgereicht. Vier bunte Kopftücher und vier Jupes die uns vom Hals bis zu den Knöcheln reichen. Mit viel Improvisation sind wir schliesslich ,,klostertauglich“. Also,nochmals Türklopfer betätigen und nun werden wir, nach gründlicher Musterung, auch eingelassen. Das Kloster ist sehr gepflegt. Im Zentrum steht die orthodoxe Kirche, darum herum sind die Zellen der Klosterfrauen angeordnet und etwas im Hintergrund befindet sich die Kapelle, wo die Tochter ihre letzte Ruhe gefunden hat.

Überall blühen üppige Bougainvilleas und Hibiskus. Wir begeben uns in die Kirche und gerade als ich mich ein wenig setzen und die Ruhe geniessen will flüstert es hinter mir ,,ich muss DRINGEND aufs WC! Also ist WC Suchen angesagt. Ich melde das Bedürfnis der Pförtnerin die uns umgehend aus dem Kloster schickt, offenbar ist das WC ausserhalb der Klostermauern. Wir rennen ums halbe Kloster herum, belächelt von ein paar Touristen, was ich ihnen nicht verübeln kann, wir sehen wirklich etwas komisch aus, oben ein Kopftuch unter dem Kinn gebunden, dann ein Schweizer T-Shirt , ein laaanger Jupe und untendran ein paar Jeanshosenstösse und zuunterst hohe solide Wanderschuhe.

Endlich finden wir das Gesuchte und die Welt ist wieder in Ordnung, nur leider nicht lange. Nachdem die Pförtnerin das Klostertor wieder für uns geöffnet hat, ist es schon wieder vorbei mit meiner Seelenruhe. Die andere Kollegin, die wir im Kloster zurückgelassen hatten sass vor der Kirche und hatte auf der Treppe ihr Picknick ausgebreitet und war genüsslich am essen. Ich versuchte ihr klar zu machen dass das nicht unbedingt der richtige Ort sei für ein Picknick, was sie zwar nicht begriff, aber zu meiner Erleichterung räumte sie schlussendlich doch die Kirchentreppe.

Endlich konnte ich die Stille geniessen. Nur das leise Summen der Bienen, die von Blüte zu Blüte flogen, konnte man hören. Hin und wieder huschte eine Klosterfrau vorbei. Eine kleine Katze spielte mit einer Hibiskusblüte, eine andächtige Stille umgab uns.

„Gopfried Schtutz“ trompetete es plötzlich in die Klosterruhe. „Gopfried Schtutz, mir ist es langweilig. Wann kommen endlich die andern? Aber die hocken dänk noch in der Beiz und saufen Ouzo“.

Eine Nonne die neben uns friedlich am Handarbeiten war, liess vor Schreck gleich ihre Häkelei fallen und zwei andere kamen herbei geeilt um zu sehen was schreckliches passiert sein könnte.

Ich beschwichtigte zuerst einmal die Klosterbewohnerinnen dann erklärte ich meiner Kollegin, dass die andern sicher nicht Ouzo saufen da es gar keine Taverne gebe unterwegs, sondern dass sie mindestens 1 1/2 Std. wandern müssten zum Kloster. Sie glaubte mir nur halb und stampfte wütend im Kloster herum, leider auch dort wo Besucher nicht hin durften. Nur mit Mühe brachte ich sie wieder auf ,,Besucherpfade“., Kollegin Nr. 2 machte unterdessen eifrig Fotos, obschon ich sie vor 10 Minuten darauf aufmerk-sam gemacht hatte, dass Fotografieren im Kloster nicht erwünscht sei. „Aber im Garten doch nicht“, rechtfertigte sie sich. Die Antwort gab eine Nonne mit den entsprechenden Gesten.

Nun sassen wir wieder auf den ,,Besucher-bänkli“, ich wie auf Nadeln, aber es geschah tatsächlich nichts mehr. Nach einer Viertelstunde klopfte es wieder ans grosse Tor, die Wanderer mit Marianna waren da. Noch so gerne gab ich mein Amt als „Hilfsreiseleiterin“, wieder an unsere bewährte Reiseleitung zurück!

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