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ATHEN - Nationalgalerie, Museum Alexandrou Soutzou

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2020-07-12 2020-07-12 12.07.2020

Der erste Direktor der im Jahre 1900 gegründeten Nationalgalerie war der Maler Georgios Iakovidis. Den ursprünglichen Kern der Sammlung bildeten 117 Werke, die 1878 in der Technischen Universität zusammengetragen worden waren; zu diesen kamen durch eine Schenkung des Juristen Alexandros Soutzos 107 weitere hinzu, der darüber hinaus seinen gesamten Besitz dem Staat mit der Auflage vermachte, aus diesen Mitteln ein Museum für Malerei zu errichten.
Nach jahrelanger vergeblicher Suche nach einem geeigneten Gebäude begannen im Jahre 1964 die Architekten Pavlos Mylonas und Dimitris Phatouros mit der Errichtung des heutigen Museums, das zwölf Jahre später vollständig übergeben werden konnte.
Aufgrund des starken Anwachsens der Sammlung durch Schenkungen und Neuerwerbungen sowie durch die Übernahme der großen Sammlung der Stiftung Evripidi Koutlidi ist vor einigen Jahren beschlossen worden, denselben beiden Architekten den Auftrag für eine Erweiterung zu erteilen.
Die Renovierungen nach modernsten Gesichtspunkten und Anbauten wurden im Jahre 2015 fertiggestellt. Das Gebäude besitzt jetzt eine Betriebsfläche von insgesamt 20.760 qm, ein Auditorium für 450 Personen, einen Bildungsort, eine Rezeption und einen 910 qm großen Museumsshop sowie ein Restaurant im dritten Obergeschoss mit Panoramablick auf die Akropolis und ganz Athen. Ein Café befindet sich im Erdgeschoss und Garten des Museums.
Das Museum verfügt über 20.000 Kunstwerke, Gemälde, Skulpturen und Grafiken, welche die griechische und europäische Kunst von der postbyzantinischen bis zur heutigen Zeit zeigen.
Die Galerie besitzt bedeutende Werke der Malerschule der Ionischen Inseln, die von den Türken 1669 aus Kreta geflüchteten Malern gegründet worden ist und Einflüsse der westlichen Malerei zeigt. Zu diesen gehören die Werke von Nikolaos und Panagiotis Doxaras, Nikolaos Koutzis, Nikolaos Kantounis, Charalambos Pachis und Georgios Avlichos.
Eine Einheit ist der Zeit König Ottos gewidmet (1832-1862), während der der neu gegründete griechische Staat die Voraussetzungen für künstlerische Produktivität bot. In dieser Zeit kamen die ersten ausländischen Lehrer nach Griechenland, und die ersten griechischen Maler werden mit Stipendien nach München geschickt.
Die erste thematische Einheit dieser Periode bildet das Porträt, das der Repräsentation der neuen Oberschicht diente. Hierzu zählen Arbeiten der Maler Frantseskos Pitze, Andreas Kriezis, Ludwig Thierse, Nikolaos Kounelakis, Aristidis Ikonomou und Spyridon Prosalentis.
Die zweite Einheit dieser Periode ist der Landschaftsmalerei gewidmet, die das starke Interesse des damaligen Europa an den griechischen Antiken wiederspiegelt; unter den ausgestellten Bildern befinden sich solche ausländischer Künstler, wie Raffaelo Ceccoli, der an der Kunstakademie gelehrt hat, der Italiener Vicenze und Stefano Lanza, und griechische Maler, wie Emilios Prosalentis und Angelos Giallinas.
In der dritten thematischen Einheit dieser Phase sieht man historische Gemälde, die u.a. die heroischen Kämpfer des Freiheitskrieges von 1821 verherrlichen. Die Gemälde stammen von Theodoros Vryzakis, Georgios und Philippos Margaritis und Dionysos Tsokos.
In der vierten Einheit mit dem Titel „Das Bürgertum und seine Maler“ betrifft die Zeit von der Absetzung König Ottos (1862) bis zum Beginn des 20. Jhs. Es ist die Zeit der akademischen Malerei und der Vorherrschaft der großen Vertreter der Münchner Schule: Nikiphoros Lytras, Nikolaos Gyzis, Georgios Iakovidis und Konstantinos Volanakis.
In dieser Zeit herrschen die Sittengemälde vor, die den Bedürfnissen einer im Wandel befindlichen städtischen Bürgerschicht entgegenkommen, die ihre Wurzeln nicht vergessen will. In den Salons der Athener Großbürger hängen nun Bilder mit geschönten Szenen des ländlichen Lebens, mit denen die ersten bedeutenden griechischen Maler ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Zu den bekanntesten Gemälden der Nationalgalerie zählen Die kindlichen Verlobten und Die Kartenlegerin von Nikolaos Gyzis, Die Heimkehr vom Fest, Der ausruhende Milchmann und Der Kuss von Nikiphoros Lytras. Vier Gemälde des ersten Direktors der Galerie, Georgios Iakovidis, sind zusammen mit anderen Sittengemälden von Ioanis Ikonomou, Polychronis Lembessis und Nikolaos Vokos ausgestellt.
Neben den thematischen und stilistischen Einflüssen aus dem Westen sind auch östliche in der griechischen Malerei erkennbar. Nahezu alle bedeutenden griechischen Maler wenden sich dem Exotischen und Absonderlichen zu, womit sie einer allgemeinen Tendenz der Romantik folgen. Als wichtiger Vertreter des „Orientalismus“ gelten Theodoros Rallis, dessen Prise zusammen mit Bildern von Symeon Savvidis sowie den Gemälden Der Orientale mit den Früchten und Der Sklavenmarkt von Nikolaos Gyzis ausgestellt sind.
Der Symbolismus, der sich in dieser Zeit in Europa auszubreiten beginnt, ist in der Nationalgalerie durch drei Werke von Nikolaos Gyzis vertreten. In einer kleinen Vitrine sieht man fünf kleine Skulpturen desselben Künstlers aus vergoldetem und bemaltem Gips und eine Bronze.
Zum ersten Mal erscheinen nun in der griechischen Malerei Themen wie der Akt – vertreten durch Bilder von Polychronis Lembesis und Nikiphoros Lytras – und das Stilleben, wofür Beispiele von Polychronis Lembessis, Nikolaos Gyzis und Periklis Pantazis ausgestellt sind.
Die Werke der reifen bürgerlichen Porträtkunst, die während des letzten Viertels des 19. Jhs. ihre Blüte erlebte, werden von den großbürgerlichen Athenern nun bei den führenden Malern der Zeit in Auftrag gegeben und schmücken die prächtigen neoklassizistischen Patrizierhäuser.
Es gibt Porträts aus dieser Zeit, wie Lyssandros Kaftanzoglou von Nikiphoros Lytras und Der zeitunglesende Herr von Aristidis Varouchas.
Gegen Ende des 19. Jhs. erscheint der Impressionismus, der der akademischen Malerei den Momenteindruck der Natur entgegensetzt; er wird in Griechenland von Malern wie Konstantinos Volanakis, Vassilios Chatzis, Ioannis Altamouras, Iakovos Rizos, Georgios Iakovidis, Symeon Savvidis, Georgios Roilos, Odysseas Phokas und Malerinnen wie Thalia Phlora-Karavia und den ersten Absolventinnen der Kunst und gibt die Landschaftsmalerei zugunsten allegorischer Themen , mit starkem religiösen Gehalt auf. Bilder wie Die Apotheose des Athanassios Diakos zählen zu seinen Meisterwerken. Zur selben Zeit malt Spyros Papaloukas einige seiner bekanntesten Bilder, wie Der Knabe mit den Hosenträgern und Das Archontariki des Lavra-Klosters auf dem Athos.
Aus derselben Zeit stammen auch die Bilder der sog. „Generation der 30er“, die einen großen Teil des Saals füllen, unter ihnen etwa 30 Werke des Nikos Chatzikyriakos-Gikas.
Die Maler der „Generation der 30er“ lassen sich u.a. von der modernen Malerei der 20er Jahre inspirieren. In den 30er Jahren treten vom Kubismus beeinflusste Künstler wie Nikos Chatzikyriakos-Gikas und Photis Kontoglou auf, die sich auf die byzantinische Malerei zurück besinnen, ferner Giorgos Gounaropoulos mit seinen Traumgestalten, Nikos Engonopoulos mit seinen hyperrealistischen Arbeiten und Giannis Tsarouchis, der u.a. Motive aus der Volkskunst in sein Werk aufnimmt.
Neben den Werken der Maler der 30er sieht man Bilder des naiven Malers Theophilos Chatzimichail, von Aginoras Steris und von in dieser Zeit neu in Erscheinung tretenden Künstlern wie Giannis Moralis, Spyros Vassiliou und Diamantis Diamantopoulos sowie von Malern, die sich vom westlichen Expressionismus beeinflussen lassen, wie z.B. Georgios Bousiantis, von dem vier Bilder ausgestellt sind.
In einer Einheit werden die Bilder aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg ausgestellt.
Unmittelbar nach Kriegsende entstehen die großen Werke der inzwischen gereiften Generation der 30er. Nikos Chatzikyriakos-Gikas hat der Nationalgalerie eine erhebliche Zahl seiner vom Kubismus beeinflussten Werke geschenkt, darunter die Erinnerungen an Hydra. Giannis Tsachouris, der mit der italienischen Renaissance und den Mumienporträts aus dem Fayum experimentiert, malt weiter seine von der Volkskunst beeinflussten Bilder jugendlicher Gestalten. Giannis Moralis schafft in dieser Zeit einige für die griechische Malerei sehr bedeutende Gemälde, wie Die beiden Freundinnen und eine Serie von Bildern zu Liebe und Tod mit dem allgemeinen Titel „Epitymbia“.
Zur selben Zeit malen auch der stark von den antiken Vasenbildern beeinflusste Nikos Nikolaou, der Bewunderer des (damals) schönen Athen Spyros Vassiliou, der schlichte Giorgos Sikeliotis und Kostas Malamos.
Ein Saal ist für langzeitige Wechselausstellungen zeitgenössischer griechischer Maler vorbehalten.
Skulptur
Von den rund 1.400 Skulpturen im Besitz der Gemäldegalerie sind rund 50 für die Bildhauer des 19. und 20. Jhs. charakteristische in die neue Ausstellung integriert worden, die allerdings nicht die Geschichte der griechischen Bildhauerkunst insgesamt repräsentieren.
Bei den Werken aus dem 19. Jh. sieht man die 1815 entstandene Platon-Büste des Kerkyräers Pavlos Prosalentis d.Ä., das älteste Bildwerk des neuzeitlichen Griechenland; die bemalte Holzskulptur von Konstantinos Papadimitriou, die Georgios Karaiskakis darstellt und 1829 entstanden ist, gehört eher in den Bereich der naiven Volkskunst.
Zu den ersten Skulpturen des Klassizismus zählen die beiden weiblichen Brüste Adelais Ristori und Nacht von Ioannis Kossos, der Hirte mit dem Zicklein von Georgios Phytalis und die Penelope von Leonidas Drossis.
Der Geist des Kopernikus von Georgios Vroutos ist ebenfalls ausgestellt. Aus der ersten Schaffensperiode des Giannoulis Chalepas stammt der mit Eros spielende Sartyr (1877).
Skulpturen aus der Zeit nach 1900: sieben Sockel mit Arbeiten von Giannoulis Chalepas, darunter die Medea und der heilige Charalambos und Marmaras. Außerdem sieht man den Blitz von Kostas Koulentianos und den hölzernen Rhythmus von Michalis Lekakis.
Ausgestellt sind die Komposition von Achilleas Apartis, die Ausruhende Gestalt von Giannis Pappas, die Mutterschaft von Christos Kapralos und die Letzte Darstellung von Gerassimos Sklavos.
Neben den Werken von Theophilos sieht man die Holzplastik Widerstand von Antonios Sochos und bei den Bildern von Chatzikyriakos-Gikas die Zwei Freundinnen von Michalis Tombros.
Ebenfalls zu sehen sind die Plastiken Bildhauerei von Bella Raphtopoulou und die Träumende von Giannoulis Chalepas.

Nationalgalerie, Museum Alexandrou Soutzou
Ecke Michalakopoulou-Straße 1 und Vassiliou-Konstantinou 50, 115 28 Athen

Copyright: Museen Griechenlands
Erevnites Edition
GR.OK.F.B.
M. Str.

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