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ATHEN - Museum für Griechische Volkskunst

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2020-07-12 2020-07-12 12.07.2020

Die reiche Sammlung des Museums besteht aus Objekten aus der Zeit der Wiederbelebung der künstlerischen Empfindsamkeit des versklavten griechischen Volkes, als die Herrschaft des im Niedergang begriffenen Osmanischen Reichs milder zu werden begann. Es handelt sich um Objekte einer bodenständigen Kunst lokalen Charakters, die sich vor allem im privaten Bereich entwickelte, da die Zeiten für nach außen gerichteten Aktivitäten nicht günstig waren. Die überwiegende Zahl der Exponate stammt aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert.
Die Kunst des Stickens, der das Erdgeschoss des Museums gewidmet ist, ist einer der glanzvollsten Zweige der griechischen Volkskunst. Man sieht kunstvolle Stickereien mit vielfarbigem Seidengarn für den Schmuck des Brautbetts mit Ornamenten und erzählerischen Motiven, bei denen die Farben Blau, Rot, und Grün vorherrschen, und zahlreiche Stickereien mit pflanzlichen Motiven und Vögeln, wobei die Stickerinnen häufig verschiedene magisch-religiöse Symbole einflechten, wie den Hahn oder den doppelköpfigen Adler, ferner vielfarbige Bettumrandungen und Kissenbezüge sowie Brautdecken mit überwiegend pflanzlichem Dekor von der Insel Skyros. Eindrucksvoll ist das Sperveri von der Dodekanes, ein ganz mit bunten Blumentöpfen bestickter Vorhang, mit dem das Ehebett innerhalb des einräumigen Hauses vor Blicken geschützt wurde.
Im Halbgeschoss ist nur eine kleine Sammlung von Keramiken von Syros und aus Cannakkale (Stiftung Michelis) zu sehen, da die Hauptkeramiksammlung des Museums in der ehemaligen Moschee gegenüber der U-Bahn-Station Monastiraki ausgestellt ist (Sammlung Vassilis Kyriazopoulos).
Die folgende Vitrine rechts ist dem Metallhandwerk und der Holzschnitzerei gewidmet. Ausgestellt sind vor allem Gebrauchsgeräte, die aufgrund ihres Dekors auch zur Ausschmückung verwendet wurden; sie stammen aus Nordgriechenland, wo dieser Handwerkszweig eine besondere Blüte erlebte. Daneben sieht man einige religiöse Objekte. Die Holzschnitzerei, von der man außerdem einige Beispiele in der Nähe der Treppe zum Halbgeschoss sieht, blühte um die Mitte des 18. Jhs. vor allem im Epirus, auf Kreta, der Peloponnes und auf Chios. Man sieht Brotstempel, Löffel, Becher, Kannen, Webgerätschaften und besonders reich verzierte Spinnrocken, wie der der Sarakatsanen mit einer Darstellung der Muttergottes mit dem Kind und des heiligen Georg.
Die den traditionellen Volksfesten gewidmete Vitrine enthält fünf vollständige Kostüme von Festen in Nikisiani bei Kavala, Kali Vrysi bei Drama, Socho bei Thessaloniki, aus Naoussa und von Skyros.
In der Vitrine gegenüber ist eine Kulisse mit den Protagonisten des Karagiozis-Schattenspiels aufgebaut, ein volkstümliches Puppenspiel orientalischen Ursprungs, das bis in die 70er Jahre des 20. Jhs. zahlreiche Generationen unterhalten hat.
Der Wechselausstellungen vorbehaltene Saal nimmt den größten Teil des ersten Stocks ein; der übrige Raum beherbergt Arbeiten des Malers Theophilos. Besonders eindrucksvoll ist der Raum, in dem aus einem Haus auf Lesbos abgenommene, von seiner Hand stammende Deckenmalereien ausgestellt sind, die alle Charakteristika der volkstümlichen Malerei aufweisen: die Betonung des Typischen, die Sprengung der Einheit von Zeit und Raum – Alexander d. Gr. erscheint neben den Kämpfern von 1821 – und der erzählerische Charakter, der durch die erklärenden Kommentare des Malers unterstrichen wird.
Das gesamte zweite Obergeschoss ist der Silberschmiedekunst gewidmet, die in Griechenland seit der Antike gepflegt worden ist. Man sieht Beispiele aus dem kirchlichen Bereich, wie Einbände von Evangeliarien, Kreuze, Leuchter, Weihtäfelchen und Hochzeitskränze. Besonders eindrucksvoll sind die Waffen und der Schmuck.
Die Waffensammlung enthält langläufige Steinschlossgewehre, Pistolen, Behälter für Schießpulver, kretische Dolche und Krummsäbel, alle geschmückt mit Darstellungen von Vögeln, Vierbeinern, Fahnen, Blumen und anderen volkstümlichen Motiven, wie christlichen Symbolen und Darstellungen von Heiligen.
Unter den weiblichen Schmuckstücken überwiegend von Hochzeitstrachten sieht man Diademe, Halsschmuck, Ohrringe, Kopfschmuck, Broschen, Nadeln und Gürtel vor allem aus den Silberschmiedezentren Kalaryte, Syrrako und Metsovo im Epirus sowie Trikala und Larisa in Thessalien. Die Exponate werden von Erläuterungen zu allen bekannten Silberschmiedetechniken begleitet.
Das dritte Obergeschoss ist den traditionellen Trachten gewidmet. Die Ausstellung enthält Alltags-, Braut- und Festtrachten aus fast allen Landschaften Griechenlands. Die Männertrachten sind überwiegend schwarz und dunkelrot und nur wenig geschmückt, während die weiblichen sehr farbig und reich geschmückt sind; allen Trachten sind erläuternde Tafeln beigegeben.
Das Museum besitzt eine reiche Bibliothek zu volkskundlichen Themen und ein umfangreiches Fotoarchiv; im Untergeschoss gibt es einen Vortragssaal. Der Museumsladen bietet Keramik, Silberarbeiten, Karagiozis-Figuren, Webereien, Schmuck und ausgewählte Bücher zur Volkskunst an.
Das Museum für Griechische Volkskunst organisiert zahlreiche pädagogische Programme für alle Schulstufen und außerdem Werkstätten für Kinder von sechs bis zwölf Jahren, Töpferkurse und Schattenspiele. An Lehrer, die einen Besuch des Museums mit ihren Klassen vorbereiten, wird Informations- und audiovisuelles Unterrichtsmaterial ausgeliehen. Außerdem gibt das Museum ein monatlich erscheinendes Informationsblatt für die jungen Besucher heraus, das im Jahresabonnement bezogen werden kann.

Museum für Griechische Volkskunst
Kydathineon 17, Plaka, 105 58 Athen

Copyright: Museen Griechenlands
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GR.OK.F.B.
M. Str.

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