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RHODOS – Wunderschöne Flecken abseits vom Massentourismus

  1.257 Wörter 4 Minuten
2018-08-20 2018-08-20 20.08.2018 173 × gelesen

„Nur törichte Menschen suchen im Urlaub das große Erlebnis; ein geglückter Urlaub besteht aus lauter netten Kleinigkeiten!“

Dieses Zitat von Jennifer Ward – gefunden in den Weiten des Internets - spiegelt genau das wieder, was für mich einen schönen und erlebnisreichen Urlaub ausmacht. Nicht unbedingt das große Spektakuläre, sondern die vielen kleinen Erlebnisse und Momente unterwegs – die dann am Ende doch wieder ein wundervolles Gesamtbild ergeben – das ist es.

Im achten Jahr bin ich nun in Griechenland unterwegs, und seit sechs Jahren komme ich jedes Jahr auf die große Dodekanes-Insel Rhodos. Viele andere Griechenland-Reisende fragen mich immer wieder, was es denn um Himmels willen dort so Tolles gäbe, dass ich mich da so festbeiße. Alles zu touristisch und außerdem wären andere Inseln doch viel authentischer ..., nun ja, was jeder so drunter versteht. Für mich hat Rhodos viele wunderschöne Flecken abseits vom Massentourismus, man muss sie nur finden (wollen) und sich auf Land und Leute einlassen.

Natürlich gibt es ein bis zwei Handvoll Touristenorte und -ziele, die der Pauschaltourist gern mit ein bis zwei Bustouren „abhakt“. Somit sind diese logischerweise tagsüber hoffnungslos überlaufen und auch ganz auf Touristen eingerichtet, ich denke da etwa an die Altstadt von Rhodos oder Lindos, das „schönste Dorf der Insel“, oder solche Orte wie bspw. die Ausgrabungen von Kamiro, die sieben Quellen, das Surfer-Paradies Prassonisi oder die Thermen von Kalithea – davon soll hier weniger die Rede sein.

In der Altstadt habe ich während meines ersten Urlaubs einige Tage in einer kleinen Pension in einer der engen Gassen übernachtet. Mit langem Hals konnte ich vom Badezimmerfenster aus den Anleger der Kreuzfahrtschiffe sehen und deren Passagiere sind es auch, die tagsüber die Altstadt und den Hafen bevölkern. Aber kaum blasen spätnachmittags die Schiffshörner zum Einchecken, fällt die Hektik von der Altstadt ab, und eine gewisse Ruhe breitet sich aus. Ebenso kann man auch tagsüber wunderschöne, ruhige Ecken finden, wenn man sich von den Hauptwegen in die kleinen Nebengassen aufmacht, je enger, desto schöner. Und je kleiner und einfacher die Taverne, desto intensiver das Erlebnis.

Ähnlich geht es an den übrigen Hotspots der Insel zu. Dank Mietwagen habe ich die Freiheit, hier außerhalb der Stoßzeiten meine Erkundungen zu machen. Lindos am Abend ist schon fast kein Geheimtipp mehr, zu schön ist es, am Abend in einem Restaurant mit „roof garden“ zu sitzen und in der aufziehenden Dunkelheit zu beobachten, wie die Akropolis über dem Ort beleuchtet wird. Ein Gang durch die nicht zu vollen Gassen und Shops rundet den Abend ab und wer mag, findet zahlreiche Bars für den Absacker.

Viel interessanter ist es aber, sich selber die netten Kleinigkeiten zusammenzusuchen, die auch nicht unbedingt im Reiseführer stehen. Eine ordentliche Landkarte (möglichst nicht die vom Autoverleiher) tut gute Dienste und fast jeder kleine Ort ist einen Besuch wert.

Schon vor Jahren erforschte ich in Eleousa die alten italienischen Ruinen – ein sogenannter „Lost Place“ - auch dies schon fast kein Geheimtipp mehr unter interessierten Rhodos-Reisenden. Aus den 1930er Jahren stammen die langsam dahinrottenden Ruinen, die sich um einen länglichen Platz reihen, an der Stirnseite durch eine große, gut erhaltene Kirche beherrscht. Nach dem Abzug der Italiener dienten die Gebäude noch bis 1970 als Klinikum für Tuberkulosekranke, danach begann der Verfall. Da die Gebäude offen sind, kann man sich ein Bild von den Räumlichkeiten machen, und meist ist man auch fast allein dort unterwegs. In den letzten Jahren habe ich die Gebäude immer wieder aufgesucht und den Verfall so bewusst miterlebt – war hier nicht noch ein Fensterflügel letztes Jahr? Und bröselt dort nicht der Putz immer weiter herunter? Nicht zu vergessen die Verschmutzung durch Müllecken und Graffitis. Dennoch ist dies immer wieder ein spannender und geheimnisvoller Ort, wo die Fantasie keine Grenzen findet.

Der Süden der Insel zieht mich besonders an, das mag auch daran liegen, dass hier „unten“ die Touristenunterkünfte eher selten und fast nur Individualtouristen unterwegs sind. Und auch nicht jeder ist bereit, bei einer Ortsdurchfahrt anzuhalten und die kleinen, unscheinbaren Gassen zu erkunden. So ist einer meiner Lieblingsorte dort Lachania. Man muss schon wissen, dass man einfach unten an der Kirche ein uraltes und doch überwiegend gepflegtes Dorf vorfinden kann. Soweit ich erfahren habe, sind gerade jüngere Menschen dabei, sich hier anzusiedeln. 

Blumenkübel schmücken die Hauseingänge, die Mauern sind weiß getüncht, die Türen blau, und die Bougainvilleas leuchten üppig dazu. Es gibt auch verlassene Häuser, ein Trampelpfad durch den verwilderten Garten macht neugierig und führt zu einem halb verfallenen Haus, wo doch einige Utensilien auf mögliche Bewohner schließen lassen. Unheimlich und traurig-schön zugleich. 

Zurück an der Hauptstraße in Lachania ist dann ein Stopp zum Mittagessen schon Pflicht für mich. Hier betreibt der alte Dorfpriester Papa Georgou mit seiner Frau Chrissy und seinen Söhnen eine kleine Taverne am Straßenrand, und wenn man nicht schnell genug vorbeifährt, wird man vom rührigen Papa „eingefangen“.

Die Begrüßung durch den mittlerweile über 80jährigen Priester ist mehr als herzlich, und wer zum wiederholten Male kommt, wird mit Kratzebart-Kuss und Umarmung willkommen geheißen. Das Essen ist einfach, aber sehr schmackhaft und durchaus eine Pause wert. Der geschäftstüchtige Papa Georgou, mittlerweile auch stolzer Papou eines kleinen George, ist immer für einen Schwatz bereit. Ich wünsche ihm noch viele Jahre voller Gesundheit und Freude.

Die weiterführende Straße über Mesanagros (ebenfalls ein winziges Dorf mit engen Gassen, kleinem Kafenion und einer alten Kirche aus byzantinischer Zeit) führt durch eine wunderschöne Landschaft, und nur wenige Autos trifft man hier – Busse schon mal gar nicht. Nach längerer Fahrt landet man schließlich im „Hinterhof“ des Klosters Skiadi, und entlang der Mauer erreicht man den Parkplatz. Das Kloster liegt an exponierter Stelle am Berg mit Blick aufs Meer, und die Mönche begrüßen ihre Gäste freundlich mit Kaffee, Keks und Wasser. Schattige Plätze laden im Innenhof zum Verweilen ein. Die Klosterkatzen um meinen Lieblingskater „Kefala“ gehören zu meinen Favoriten auf der Insel, und über den Sack Katzenfutter, den ich mitbringe, freuen sich auch die Mönche. Sie haben schon vor einigen Jahren mit Hilfe der Tierschützer auf der Insel dafür gesorgt, dass die Gruppe kastriert wurde. Die Katzen sind für griechische Verhältnisse gut versorgt.

So gibt es noch zahlreiche Orte auf der Insel, die einen Besuch lohnen, wenn man das Auto am Ortsrand abstellt und sich auf die Dörfer und ihre gastfreundlichen Menschen einlässt: Fanes, das Dorf der Farben, oder Koskinou in der Nähe von Rhodos-Stadt mit dem kleinen Dorfmuseum (der Hausherr lädt zur kostenlosen Besichtigung ein) oder, was ich noch erwähnen möchte, die Taverne „Paradise“ an der Nordküste zwischen Siana und Kritinia. Nur ein Schild weist an der Hauptstraße darauf hin, und auf einer schmalen Straße geht es dann weit hinunter ans Meer, wo drei Häuser und ein Bootsanleger ein verträumtes Dasein führen. Eines der unscheinbaren Gebäude ist die Taverne, ein paar Tische auf der Terrasse, einige vorn unter Bäumen an der Meeresfront, ein paar Meter überm steinigen Strand. Die Wirtsleute kommen zusammen geschätzt auf mindestens 160 Jahre, der Papou bewirtet die Gäste, ein rühriger alter Herr mit geknotetem Taschentuch auf dem Kopf und freundlichem Lachen durch seine Zahnlücken. Die Speisekarte ist klein: Auf den Tisch kommt, was nebenan im Garten wächst und gedeiht. Wir bestellen ein einfaches Omelett, Patates, Tsatsiki, dazu Wasser und eine kleine Flasche Wein, und es schmeckt himmlisch in dieser Umgebung. Hier kann man die Seele baumeln lassen. So klein wie die Karte ist dann auch die Rechnung. 

Nach jedem Rhodos-Urlaub resümiere ich für mich, dass diese eher unbekannten Ziele auf der Insel für mich den Urlaub erst richtig schön machen, und das wird auch beim siebten Urlaub in ein oder zwei Jahren nicht anders sein. Es gibt noch viel zu entdecken.