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ZACHARO - Individueller Urlaub in Zacharo auf der Peloponnes

  1.395 Wörter 5 Minuten
2018-08-20 2018-08-20 20.08.2018 102 × gelesen

Denkt man an Griechenland, so denken viele an Mykonos und Santorini, an Rhodos und Kreta oder an die Akropolis in Athen. Aber Griechenland hat mehr zu bieten. Eine der schönsten und geschichtsträchtigsten Gegenden in Griechenland ist die Peloponnes. Auf unserer Fahrt von Patras nach Gythio in der Mani sind wir in diesem Jahr an der Westküste in Zacharo hängengeblieben. Und wir haben es nicht bereut. Kilometerlanger feiner Sandstrand, gebirgiges Hinterland, wilde Flüsse, rustikale Bergdörfer und natürlich die vielen antiken Sehenswürdigkeiten waren ein Erlebnis. Und vor allem sind die Menschen hier sehr gastfreundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. So hat uns ein Grieche, den wir erst am Tag zuvor kennengelernt haben, zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen. Bei der Verabschiedung am späten Abend hat er uns dann noch einen 5-Liter-Kanister mit bestem Olivenöl aus seiner Ernte geschenkt. So eine Gastfreundlichkeit wäre bei uns in Deutschland kaum denkbar.

Zacharo ist eine griechische, von Olivenbäumen umgebene Kleinstadt an der Westküste der Peloponnes und liegt am Ionischen Meer. Auf unserer Fahrt nach Methoni, Finikounda oder Koroni (Messenien) haben wir hier nicht einmal angehalten. Es ist auch weniger dieses typische, kaum aufregende und provinzielle Küstenstädtchen mit seinem dienstäglichen Wochenmarkt, was einen Aufenthalt lohnenswert macht, sondern vielmehr der herrliche, kilometerlange Sandstrand und vor allem die Berge und Dörfer im Hinterland. Von hier aus kann man bequem mehrere archäologische Stätten der Peloponnes wie Olympia oder den Apollon-Tempel von Bassae besichtigen. Im Sommer machen hier überwiegend Griechen Urlaub und im Mai/Juni waren wir dort fast die einzigen Urlaubsgäste. Dies macht sich auch an den sehr moderaten Preisen in den Tavernen bemerkbar. Touristische Bausünden mit vielstöckigen „Bettenburgen“ sucht man vergebens. Bekannt wurde der Ort auch durch den 2006 gedrehten Film „Sugar Town“ des Regisseurs Kimon Tsakiris.

5 km vom Ort entfernt befindet sich die Lagune von Kaiaphas, die von hohem Schilf und alten Pinien umgeben ist und zu einer kleinen Rundwanderung einlädt. Hier stoßen wir auf Schwefelquellen, die bereits in der Antike unter anderem zur Behandlung von Hautkrankheiten und Arthritis aufgesucht wurden. Heute hat das Thermalbad nur in der Hauptsaison im Juli und August geöffnet. Auf der anderen Seite der Lagune Richtung Meer erstrecken sich abgeschirmt von einem Pinienwald die dünenartigen Strände von Zacharo. Diese machen auch heute den touristischen Schwerpunkt von Zacharo aus.

Wer einen längeren Aufenthalt einplant, sollte unbedingt einen Abstecher in das malerische und beschauliche Bergdorf Andritsena machen. Auf unserer Fahrt nach Andritsena kamen uns vor dem Ort Artemida wieder die verheerenden Waldbrände im August 2007 ins Bewusstsein, als einige Dörfer in der Umgebung von Zacharo vollständig zerstört wurden und viele Menschen ums Leben kamen. Kurz vor dem Ort kamen wir nämlich an einer ganzen Reihe von nebeneinanderstehenden kleinen Kirchlein (Proskinitária) vorbei, die zum Gedenken der Toten am Straßenrand erbaut worden sind. Als die Flammen im August 2007 immer näher an Artemida herankamen und die erhoffte Hilfe ausblieb, hatten mehrere Familien wohl beschlossen, durch den brennenden Wald hinunter nach Zacharo ans rettende Meer zu fahren. 23 Personen bestiegen fünf Autos. Nach wenigen Kilometern stieß der Konvoi wegen des starken Rauches mit einem entgegenkommenden Feuerwehrauto zusammen. Für neun Menschen wurde die Stelle zur Todesfalle. Einige verbrannten in ihren Autos, andere wurden auf ihrer Flucht vor den Flammen überwältigt. Der Landschaft in den Bergen um Zacharo kann man heute kaum noch die Folgen der Brände ansehen, weil nach über 9 Jahren das nachgewachsene Grün die verbrannte Natur weitgehend überdeckt hat.

In dem rund 750 Meter hoch gelegenen Bergdorf Andritsena geht es noch beschaulich zu. Vom Dorfplatz hat man einen schönen Rundblick auf die umgebenden Berge. Wanderer, welche die Einsamkeit der Bergwelt suchen, sollten hier 2-3 Tage übernachten. In jedem Fall lohnt sich ein Spaziergang durch das Dorf mit seinen vielen kleinen, engen Gassen. Auf dem Dorfplatz mit seinen Handwerksläden und den traditionellen Cafés steht ein riesiger Platanenbaum, in dessen Stamm ein Rohr steckt, das einen Brunnen mit Wasser füllt. Im Kafenion treffen sich die älteren Männer des Dorfes und jeder Fremde wird freundlich und neugierig beobachtet. Wer will, kann dem Museum der Volkskunde Andritsenas oder der berühmten Nikolopoulos Bibliothek mit ihren seltenen Schriftstücken aus dem 16. Jahrhundert und dem Archiv des Freiheitskampfes einen Besuch abstatten.

Wer früh losgefahren ist, kann auch noch die wunderschönen Orte Dimitsana und Stemnitsa oder den etwa 14 km südlich von Andritsena liegenden beeindruckenden Apollon-Tempel bei Bassae besuchen. Der in einer imposanten Landschaft versteckte Tempel gilt als einer der besterhaltenen klassischen Denkmäler Griechenlands und nimmt auf der Peloponnes sicherlich den ersten Platz für seine harmonische Schönheit ein. Der Tempel ist gut erhalten und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wegen des rauen Klimas ist der Tempel für die Dauer der Restaurierung „eingepackt“ und die moderne Zeltkonstruktion erinnert eher an den Verpackungskünstler Christo als an ein überdimensionales Zelt.

Ein Ausflug in die Schlucht der Neda mit ihren Wasserfällen und ihrer unberührten Landschaft ist ebenfalls lohnenswert und kann mit dem Besuch von Andritsena und dem Apollon-Tempels verbunden werden. Der Fluss Neda verdankt seinen Namen der Nymphe Neda, Gottheit der Gewässer, und ist daher der einzige Fluss mit weiblichem Namen in Griechenland. Der Fluss führt durch eine schmale Schlucht und schafft eine unvorstellbar schöne, mystische Landschaft mit Wasserfällen und natürlichen Wasserbecken zwischen Hängen und schattenspendenden Platanen, Eichen- und Feigenbäumen.

Unser gastfreundlicher Grieche hatte uns einen Ausflug in die Berge direkt hinter Zacharo empfohlen. Wir sollten uns die Kirche bei Smerna ansehen, die direkt in den Fels gebaut ist. Und so fuhren wir am Friedhof von Zacharo und am Ort Xirohori vorbei Richtung Smerna. Vor dem Ort, der 680 m hoch liegt, haben wir an einem kleinen Platz geparkt und sind dann zu Fuß ca. 1,5 km über eine befestigte, schmale und recht steile Straße mit zwei Kehren bis zur Felswand mit dem Glockenturm und dem Tor zum Kirchengelände gelaufen. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht. Man blickt nicht nur in Richtung Zacharo zurück, sondern auch über Krestena nach Pyrgos und bei guter Sicht bis Andritsena. Hinter dem Tor führt ein kurzer Weg zur Kirche. Außen vor der Kirche, die an einem steilen Abhang liegt, führen Treppen hinauf zum Altarraum in einer Felsnische. Die Bilder und Ikonen hängen an den Felsen. Man kann auch über eine Treppe hinauf zu einer Empore in der Kirche gelangen. Durch eine kleine Luke kann man dort hinaus auf den Fels klettern und die Kuppel der Kirche von hinten bestaunen. Am 15. August (Mariä Himmelfahrt) findet bei der Kirche ein großes Fest statt. Ein kleiner Trampelpfad führt zum Feuerkontrollturm auf dem Gipfel über der Kirche. Von dort aus hat man eine herrliche Aussicht in alle Richtungen.

Nur 39 km von Zacharo entfernt liegt das antike Olympia. Über die antike Wettkampfstätte mit ihren Tempeln und Stadien wurde schon viel geschrieben, sodass ich an dieser Stelle nur mitteilen will, dass der olympische Hain nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Die sanft hügelige Landschaft wirkt so idyllisch, dass kaum ein geeigneterer Ort hätte gefunden werden können, um die Idee friedlicher Spiele in die Tat umzusetzen. Für die alten Griechen bedeutete Olympia allerdings nicht nur Sport. In den Wettkämpfen fand sich die ansonsten heillos zerstrittene und in zahllosen Kriegen zersplitterte Nation zusammen. Der kleine Ort Archea Olympia ist wegen der nahe gelegenen antiken Stätten weitgehend vom Tourismus geprägt und besitzt zahlreiche Restaurants, Cafés, Hotels, Reisebüros und Souvenirläden.

Wer die Anfahrt nicht scheut, kann auch einen Ausflug in die 43 km nördlich von Pyrgos gelegene Frankenfestung Chlemutsi über dem Dorf Kastro machen. Die Burg- und Festungsanlage ist hervorragend erhalten und zählt sicherlich zu den Attraktionen dieser Gegend. Im Verlauf der vielen Kreuzzüge errichteten französische Ritter zur Verteidigung der Hafenanlagen von Kyllini, von dem die Schiffe nach Zakynthos und Kefalonia übersetzten, auf dem Gipfel eines Hügels 250 Meter über dem Meer diese mächtige Burganlage. Von ihr aus konnten das gesamte Umland und auch weite Teile des Meeres überwacht werden. Entsprechend hat man auch heute einen wunderschönen Blick auf das Ionische Meer und die Insel Zakynthos. Eine mächtige Ringmauer umschließt die eigentliche Kernburg, die mit Geldern der Europäischen Union umfassend restauriert werden konnte. In einem Museumsraum, der sich in einer Burghalle befindet, kann man sich Ausgrabungsgegenstände ansehen und die Burggeschichte nachlesen. In den Sommermonaten finden in der Burg zahlreiche Veranstaltungen wie Ritterspiele, Konzerte und Theaterstücke statt. 

Am eindrucksvollsten aber waren für uns die Wanderungen in die Bergdörfer der Umgebung von Zacharos. Wir sind in die Berge gefahren, haben das Auto abgestellt und uns in der warmen Mailuft an der wunderschönen Natur mit blühenden Ginstern und Zistrosen erfreut.

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