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ATHEN - Ein winterlicher Kykladenspaziergang

  802 Wörter 3 Minuten
2018-07-16 2018-07-16 16.07.2018 77 × gelesen

Kurz bevor ich mich Mitte Dezember auf den Weg nach Athen mache, fällt mir beim Aufräumen der wundervolle Bildband „Anafi“ von Karsta Lipp in die Hände*. Die zauberhaften Bilder des Ägäis-Inselidylls laden zum Träumen ein, und schon erinnere ich mich an das kleine Athener Viertel ‚Anafiotika‘. Das Wohnquartier wurde im 19. Jahrhundert ohne Baugenehmigungen von Handwerkern errichtet, die aus Anafi und anderen Kykladeninseln in die damals noch junge Hauptstadt Athen übergesiedelt waren. Anafiotika ist mit seinen engen Gässchen, den zahlreichen Treppen und den verwinkelten Sackgassen einmalig. Spontan entschließe ich mich, einen Bummel durch diesen malerischen Stadtteil am Fuße der Akropolis in mein Weihnachts-Shopping-Programm einzubauen.

Wenige Tage darauf lande ich spät am Abend müde in Athen und freue mich auf mein Hotelbett.

Am nächsten Morgen weckt mich eine gleißende Wintersonne, die aus einem tiefdunklen, wolkenlosen Himmel auf Athen hinablacht und mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Bestens ausgeruht mache ich mich auf den Weg nach „Downtown-Athens“. Ich entscheide mich – aus nostalgischen Gründen – mit der U-Bahn zu fahren. Von Kifissia rattert seit 1904 die altehrwürdige „Ilektrikós“, die „Elektrische“ ins Stadtzentrum. Die Linie 1 ist die älteste U-Bahnlinie Athens und verläuft zu einem großen Teil oberirdisch, so dass ich die wärmende Sonne auf meiner Fahrt durch die Vororte ins Zentrum vollauf genießen kann. Von Kifissia gelangt man in einer Viertelstunde ins Herz von Athen. Am Fuße der Akropolis setze ich mich in ein gemütliches Straßencafé in der „Plaka“, der Altstadt, und bestelle einen Frappé. Die Winterjacke muss ich jetzt ausziehen. Schon am Vormittag erwärmt die Wintersonne die engen Gassen, wie sie es in Deutschland oftmals nicht einmal im Sommer schafft. Ich nippe am Eiskaffee und überlegt mir dabei mit einem Blick auf den Stadtplan, von wo aus ich meinen Anafiotika-Spaziergang beginnen werde.

Vom Platz am Lysikratesmonument aus nehme ich den Fußweg der kleinen Ragkava-Straße, im Schatten der Akropolis. Über eine Treppe gelange ich auf die Stratonos-Straße, von wo aus sich eine nun deutlich kleinere Treppe den Berg hinauf schlängelt. Google Maps nennt diese Gasse ‚Anafiotika‘. Straßenschilder findet man hier jedoch nicht, denn das gesamte sich anschließende labyrinthartige Geflecht aus Gässchen und Treppen bildet das ehemalige Bauhandwerker-Wohnviertel. Jetzt im Winter bin ich fast alleine unterwegs. Nur selten begegnet mir ein Tourist, häufiger stoße ich auf Bewohner, die ihre Wäsche vor, neben oder auf ihren Wohnungen zum Trocknen aufhängen, ihre Blumen gießen oder auf einem Korbstuhl in der Sonne vor ihren Häusern sitzen und an einem kleinen griechischen Mokkatässchen nippen. Die teilweise winzigen Häuschen mit ihren weiß gekalkten Mauern, den blühenden Gärtchen und bunt gestrichenen Blumenkübeln und Türen erzeugen einen Eindruck, als würde man sich inmitten eines Kykladendorfes bewegen. Von der trubeligen Hektik der tiefer gelegenen Athener Hauptstraßen ist man nach den wenigen Stufen nun gefühlte hunderte Seemeilen entfernt. Ich genieße diese malerische Ruhe, den weiten Blick über ganz Athen und mache Fotos von jeder erdenklichen Ecke und Nische. Eine sehenswerter als die andere.

Nach einem ägäisch-erholsamen Spaziergang durch Anafiotika macht der anschließende Weihnachtseinkauf in der Plaka noch mehr Spaß. Ich lasse mich treiben durch die bunten Gassen. Kaufe bei einem Straßenhändler ein Tütchen Pistazien, schlendere über den Flohmarkt und erstehe schließlich in einem Keller-Antiquitätenladen ein hübsches Toumperleki – eine traditionelle Trommel – wie man sie auch auf Anafi häufig sieht. In einem Fußballfanartikelshop kaufe ich Trikots für die Kinder von ihren griechischen Lieblingsvereinen und in einem Lederwarengeschäft ein neues Portemonnaie für mich selbst. Zum Abschluss eines zauberhaften Tages kehre ich, auf dem Rückweg zum Hotel, bei Freunden ein. Katerina hatte gekocht, und das kann sie wahrlich meisterhaft. Der Fisch aus dem Ofen und die gekochten Drosseln aus dem Topf schmecken ebenso einzigartig, wie ihr unnachahmlicher Humor lustig ist. Ihre Tochter Adriana ist in ihrem Metier mindestens genauso talentiert. Die gelernte Goldschmiedin fertigt mit geschickten Fingern wertvollen Schmuck. Kunstvolle Gold- und Silberketten, -armreifen oder -ringe. Alles, was das Damenherz begehrt. Sie ist gerade dabei, sich selbständig zu machen, berichtet von ihren Geschäftsplänen für die nächsten Monate. Spätestens zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft will sie ihr eigenes Atelier eröffnet haben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, in der von der Krise hart getroffenen griechischen Hauptstadt. Gerade die junge Generation durchlebt ein Wechselbad der Gefühle, zwischen Hoffnungslosigkeit und Aufbruchsstimmung. Es ist dem Land zu wünschen, dass sich die Jugend nicht unterkriegen lässt und wirtschaftliche Impulse setzen kann. Griechenland hat alles, was das Herz begehrt. Von kunstvoll gestalteten Armreifen, über köstlich gekochte Drosseln und innovativ verarbeitete Ägäis-Seetangmatratzen, bis hin zum fabelhaften Wintersonnenschein. Athen ist immer eine Reise wert, ob zur ausgiebigen Shopping-Tour oder nur zum Bummeln durch die Altstadt.

Am Ende eines sommerlichen Winterwochenendes verlasse ich Athen mit neuen Eindrücken, bestens ausgeschlafen, mit zahlreichen Weihnachtsgeschenken im Gepäck und sogar mit einer leichten Winterbräune im Gesicht. Und natürlich mit dem Vorsatz, auch 2017 wieder Weihnachtsgeschenke am Fuße der Akropolis zu besorgen.

* „Anafi“, Verlag Seltmann+Söhne, ISBN: 978-3-944721-55-2, vorgestellt in neaFoni Ausgabe 11, Juni 2016

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Anafiotika ist ein kleines Stadtviertel Athens, im Stil eines Kykladendorfes gebaut, liegt am Nordosthang der Akropolis am Rande der historischen Plaka und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Bauhandwerkern von der Kykladeninsel Anafi errichtet. Anafiotika is a scenic tiny neighborhood of Athens, part of Plaka, the old historical neighborhood. Τα Αναφιώτικα, μια γραφική συνοικία της Αθήνας, βρίσκεται στην βορειανατολική πλευρά του βράχου της Ακρόπολης, δίπλα στην συνοικίας της Πλάκας και χτίστηκε από Αναφιώτες, βάση της αρχιτεκτονικής των Κυκλάδων. Andreas Deffner
Anafiotika ist ein kleines Stadtviertel Athens, im Stil eines Kykladendorfes gebaut, liegt am Nordosthang der Akropolis am Rande der historischen Plaka und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Bauhandwerkern von der Kykladeninsel Anafi errichtet. Anafiotika is a scenic tiny neighborhood of Athens, part of Plaka, the old historical neighborhood. Τα Αναφιώτικα, μια γραφική συνοικία της Αθήνας, βρίσκεται στην βορειανατολική πλευρά του βράχου της Ακρόπολης, δίπλα στην συνοικίας της Πλάκας και χτίστηκε από Αναφιώτες, βάση της αρχιτεκτονικής των Κυκλάδων. Andreas Deffner
Anafiotika ist ein kleines Stadtviertel Athens, im Stil eines Kykladendorfes gebaut, liegt am Nordosthang der Akropolis am Rande der historischen Plaka und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Bauhandwerkern von der Kykladeninsel Anafi errichtet. Anafiotika is a scenic tiny neighborhood of Athens, part of Plaka, the old historical neighborhood. Τα Αναφιώτικα, μια γραφική συνοικία της Αθήνας, βρίσκεται στην βορειανατολική πλευρά του βράχου της Ακρόπολης, δίπλα στην συνοικίας της Πλάκας και χτίστηκε από Αναφιώτες, βάση της αρχιτεκτονικής των Κυκλάδων. Andreas Deffner
Anafiotika ist ein kleines Stadtviertel Athens, im Stil eines Kykladendorfes gebaut, liegt am Nordosthang der Akropolis am Rande der historischen Plaka und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Bauhandwerkern von der Kykladeninsel Anafi errichtet. Anafiotika is a scenic tiny neighborhood of Athens, part of Plaka, the old historical neighborhood. Τα Αναφιώτικα, μια γραφική συνοικία της Αθήνας, βρίσκεται στην βορειανατολική πλευρά του βράχου της Ακρόπολης, δίπλα στην συνοικίας της Πλάκας και χτίστηκε από Αναφιώτες, βάση της αρχιτεκτονικής των Κυκλάδων. Andreas Deffner