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LEROS, PATMOS & KALYMNOS – Dodekanes Inseln

  2.102 Wörter 8 Minuten
2018-07-11 2018-07-11 11.07.2018 251 × gelesen

Leros – die Unbekannte (BILDER)

Die Inseln der Dodekanes Leros, Patmos und Kalymnos erreicht man am schnellsten mit einem Direktflug nach Kos oder Samos. Danach geht die Reise mit dem Schiff weiter. Wir sind auf Kos gelandet und am nächsten Morgen mit dem Katamaran weitergefahren. Unser erstes Ziel sollte Patmos sein. Aber wegen des starken Sturmes sind wir dann doch lieber vorher ausgestiegen und haben unseren Urlaub auf Leros gestartet, wo wir wegen der aufgewühlten See nicht in dem hübschen Hafenort Agia Marina, sondern im größten natürlichen Hafen des östlichen Mittelmeeres, dem Hafen von Lakki angekommen sind.

Dort und überall auf der Insel sind viele der Gebäude im italienischen Stil gehalten, weil die Italiener von 1912 bis 1948 über die Insel herrschten. Sie geben Leros ein italienisches Flair, von dem sicher auch andere Besucher überrascht sind, wenn sie die Insel zum ersten Mal besuchen. Das Bild wird ergänzt durch die eher griechische Architektur von weißen Häusern mit blauen Türen und Fenstern. Leros ist eine grüne Insel mit hohen Klippen, kleinen Buchten und schönen Ortschaften, die sich immer noch ihre Ursprünglichkeit bewahrt haben.

Die Bewohner leben hauptsächlich von der Landwirtschaft und in den Sommermonaten vom Tourismus. Aufgrund ihres großen natürlichen Seehafens Lakki wird die Insel in der Hauptsaison von vielen Yachten und Segelbooten angesteuert. Leros besitzt aber auch Häfen in Partheni, in Pandeli und Vromolthos. In der Nähe von Partheni befindet sich der Flughafen von Leros, der aufgrund seiner Nähe zur geschützten Bucht von Partheni mit seinen recht günstigen Bootswinterlagern für viele Segel- und Motorbootbesitzer von Bedeutung ist.

Ein Taxifahrer hatte uns zu einer schönen, in einem Blütenmeer aus Bougainvilleen gelegenen Studioanlage in Alinda gebracht. Der kleine Ort liegt in der Bucht von Agios Marina und ist nur 3 km vom Hauptort Platanos entfernt. Von unserem Studio aus konnten wir in wenigen Minuten an den sandigen, teils kiesigen Strand der Bucht mit einigen Tavernen und Bars laufen. Da uns die schmalen, teils mit Tamarisken gesäumten Strände an der Uferstraße von Alinda nicht so zugesagt haben, sind wir am Ende des Ortes an der kleinen Marienkapelle vorbei zu einem kleinen Strandgelaufen, der vorwiegend von Einheimischen genutzt wird. Noch ein Stück weiter kommt man zum gut besuchten langen Kiesstrand Dioliskaria. Hier endet die Asphaltstraße. Die beste Bademöglichkeit fanden wir aber am langen und breiten Sandstrand von Kokali, der sowohl zu Fuß als auch mit dem Motorroller zu erreichen ist. Hier befindet sich auch die pittoresk auf einem Fels im Wasser errichtete Kapelle Agios Isidoros. Über einen engen, künstlich angelegten 50 Meter langen Damm, der manchmal auch vom Meer überspült wird, gelangt man dorthin. Neben der Kapelle kann man im Wasser die Überreste eines antiken Tempels erkennen.

Vom Balkon unseres Studios hatten wir einen schönen Blick über die Bucht auf Agia Marina, auf den etwas oberhalb von Agia Marina liegenden Hauptort Platanos und das darüber thronende Kastro. Der Ort Platanos verbreitet mit seinem Rathaus, der alten Kathedrale Agia Paraskevi, den verschiedenen kleinen Läden, einem Metzger, Obst- und Gemüseladen und dem großen Kaffeehaus auf der Platia viel griechisches Flair. Von der Platia führt ein 800 Meter langer Stufenweg hinauf zum 154 m hoch gelegenen Kastro. Unterwegs hat man immer wieder wunderschöne Blicke zurück auf den Ort, die Bucht, die blaue Ägäis und die unterhalb der Burg auf einem Grat stehenden schön restaurierten Windmühlen.

Die Burg der Panagia wurde in byzantinischer Zeit (11. Jh.) aus den Überresten einer alten Festung gebaut und diente dem Schutz der Bevölkerung vor Piratenangriffen. Später wurde die Burg von den Johanniter-Rittern besetzt und weiter ausgebaut. Im Vorhof der Burg befindet sich die Kirche der Panagia. Im Inneren der Kirche gibt es einige alte Schätze, wie z.B. die Marien-Ikone, zu besichtigen.

Ein Ausflug mit dem Motorroller führte uns in den ca. 8 km entfernten kleinen Fischerort Xerokambos. Dort steht auf einer Anhöhe das Paleokastro oder Kastro ton Lepidon. Von der etwa 2500 Jahre alten Burg sieht man heute nur noch einige Mauern und mittendrin die malerische Kirche der Panagia sto Paleokastro. 

Läuft man die östliche Uferstraße weiter in Richtung Süden, kommt man an einem mit einem Metallgitter eingefassten Grundstück vorbei, auf dem sich die Kirche Panagia Kavouradina befindet. Man durchschreitet die Pforte und gelangt über zahlreiche Stufen hinab zur schönsten Kirche der Insel. Sie ist in eine Felsnische am Meer gebaut, weil ein Fischer auf der Suche nach Krebsen dort eine Ikone der Muttergottes gefunden hatte.

Beeindruckend war für uns auch das für die Größe des Ortes überdimensionierte Sportstadion mit Tribünen und Flutlichtmasten gleich hinter dem Tamariskenstrand des Ortes. Das 2008 erbaute Stadion soll 3,3 Millionen Euro gekostet haben und wurde im Wesentlichen von der EU finanziert. Laut Dumont-Reiseführer sollen hier jedoch höchstens dreimal im Jahr Sportveranstaltungen stattfinden.

Unsere Woche auf Leros war nicht langweilig, bereut haben wir den erzwungenen Zwischenstopp auf dem Weg nach Patmos auf keinen Fall. Von den auf der Insel untergebrachten Flüchtlingen und den Auseinandersetzungen haben wir kaum etwas mitbekommen.

Patmos – die heilige Insel (BILDER)

Patmos ist zwar nicht die größte Insel der Dodekanes, dafür aber die bekannteste. Hier hatte der Heilige Johannes die Vision der Apokalypse und schrieb sie auch hier nieder. Aus diesem Grunde wird die Insel auch als das „Jerusalem der Ägäis“ bezeichnet. Hoch über der Hafenstadt Skala, in dem man auch gut ein Quartier finden kann, thront das Kloster des Johannes. Das Kloster mit seinen unbezahlbaren Fundstücken, die im Mittelalter um das Kloster errichtete Chora und die Höhle, in der Johannes die Vision der Apokalypse erschien, sind die Hauptgründe für die von der UNESCO erfolgte Einstufung als Weltkulturerbe.Sie gelten als Anziehungspunkt für die meisten Besucher der Insel.

Dabei hat die Insel mehr zu bieten als christliche Mythologie. Auf der hügeligen und überwiegend mit immergrünem Buschwerk bewachsenen Insel gibt es vieles zu entdecken. Entlang der Küsten der Insel befinden sich an die 20 Strände, sowohl steinige als auch sandige, die wir alle mit einem Motorroller aufgesucht haben. Die Strände Agriolivado und Livadi Geranou mit der kleinen Felseninsel und der Kapelle Agios Georgios im Norden der Insel haben uns sehr gefallen. Das Wasser war sauber und kristallklar, und überall wuchsen schattenspendende Tamarisken. An beiden Stränden gibt es eine Taverne, die auch noch im Oktober geöffnet hat. Der schönste Strand der Insel war für uns der Sandstrand von Psili Ammos, den man aber nur zu Fuß (ca. 30 Minuten) oder mit einem Bootstaxi erreichen kann. Es ist eine malerische kleine Bucht mit purem, goldenen Sand und Dünen. Das Wasser ist azurblau und kristallklar. Im Sand stehen mehrere alte Tamarisken, die den notwendigen Schatten spenden. Im Oktober darf man nicht vergessen, genügend Wasser mitzunehmen, da die einzige Taverne dort nur im Sommer geöffnet hat.

Aber egal, ob man an Geschichte und Religion oder an der Natur der Insel interessiert ist, das St. Johannes Klosters muss man besucht haben. Wer nicht mit einem Fahrzeug zur Chora und dem Kloster fahren möchte, kann über einen alten, breit angelegten Pflasterweg hinaufgelangen. Auf der anderen Seite gibt es auch einen alten Fußweg hinunter in die Bucht von Grikos. Das Kloster Agios Ioannis Theologos ist die Hauptsehenswürdigkeit der Insel und wird in allen einschlägigen Reiseführern ausführlich beschrieben. Bei unserer Besichtigung hatten wir Glück und konnten auch die oberen Etagenbegehen, von wo aus man einen herrlichen Rundumblick hatte. Hier konnten wir auch einen Einblick in den Alltag des Klosters und in die Privatsphäre der Mönche gewinnen. Die das Kloster umgebende Chora sieht nicht nur aus wie eine große Festung, sondern tatsächlich wurden Kloster und Chora im 16. Jh. als Festung ausgebaut, um sie vor Piraten zu schützen. Die Chora ist wie ein Labyrinth aufgebaut, um Piraten und andere Angreifer zu verwirren und ihnen die Orientierung zu nehmen. Der größte Teil des Ortes wirkt trotz der Tavernen, Cafés und Souvenirgeschäfte ursprünglich und unverfälscht.

Ein anderes Kloster ist auch noch sehenswert, nämlich das Kloster Profitis Elias, das sich auf der höchsten Stelle der Insel befindet. Von hier oben hat man einen fantastischen Blick über die ganze Insel bis hin zu den Nachbarinseln Leros, Lipsi und zur Türkei. Der Blick von hier oben ist einzigartig und hat uns sehr beeindruckt.

Patmos ist definitiv nicht nur eine Reise wert.Man kann gut dort eine oder mehrere Wochen verbringen! Die Insel ist klein und überschaubar mit viel Ursprünglichkeit, netten Menschen, einem beeindruckenden Kloster und umgebender Chora, traditionellem Essen, mehreren Wandermöglichkeiten und nicht zuletzt schönen Stränden zum Baden.

Kalymnos – Insel der Schwammtaucher (BILDER)

Auf dem Rückweg nach Kos machten wir für mehrere Tage auf Kalymnos Halt, um die Insel der Schwammtaucher kennenzulernen. Als die Fähre in die hufeisenförmig geschwungene Hafenbucht von Pothia einlief, fielen uns zunächst die pastellfarbenen Häuser auf, die nichts vom strahlenden Weiß kykladischer Inselorte besaßen, und von einer mächtigen silbernen Kirchenkuppel überragt werden. Der Hauptort der Insel wirkte eher wuchtig und spiegelte deutlich den Wohlstand wider, den Pothia bis weit ins 20. Jahrhundert hinein der Schwammfischerei verdankte. Da die Insel sehr felsig ist, waren die Einwohner gezwungen, nach Schwämmen zu tauchen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dafür ist die Insel bekannt, und es versteht sich von selbst, dass dieses Souvenir zum Pflichtkauf eines Kalymnos-Besuchers gehört. Heutzutage werden die Schwämme aber nur noch an den Küsten Nordafrikas geerntet und auf der Insel verarbeitet. Dies kann man in einer der zahlreichen Schwamm-Manufakturen besichtigen. Das Geld wird heute im Wesentlichen von Touristen und den Kletterern eingenommen, aber auch der Fischfang und etwas Landwirtschaft tragen zum Einkommen bei. Auf der Insel gibt es überwiegend steinige Strände, trotzdem kann man hier viel entdecken und erleben. Die gute Infrastruktur der Insel hat uns ermuntert, sie mit einem Motorroller zu erkunden.

Auf dem Weg zum westlich gelegenen Touristenort Myrties kommt man durch das mit Pothia zusammengewachsene Dorf Chorio. Hier fallen links der Straße drei alte Windmühlen und die Festung Chrysocherias ins Auge. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Myrties liegt die kleine Insel Telendos, die „schlafende Prinzessin“, die in wenigen Bootsminuten erreicht werden kann und heute besonders von Kletterern aufgesucht wird. Hier gibt es auch ein paar nette Tavernen, die einen Besuch wert sind.

Der neben Myrties gelegene Urlaubsort Masouri ist mit seinen Hotels und anderen Übernachtungsmöglichkeiten der am weitesten ausgebaute Tourismusort. Auf unserer Weiterfahrt über Kastelli und Arginontas kamen wir am Ende eines fruchtbaren Tales mit Tausenden von Orangen-, Zitronen- und Mandarinenbäumen in den schönsten Flecken der Insel, in das kleine Dorf Vahti. Es liegt versteckt in einer tief eingeschnittenen und von schroff und steil aufragenden Felsen gesäumten Bucht und wird hauptsächlich von Fischern und Bauern bewohnt. Diese Bucht erinnert eher an einen norwegischen Fjord im Kleinformat als an eine griechische Inselbucht und zählt in meinen Augen zu einem der schönsten Ausblicke im gesamten Bereich der griechischen Inselwelt. Gerade diese herbe Schönheit von Kalymnos macht die Insel landschaftlich zu einer der attraktivsten in den Dodekanes.

Der Anbau von Zitrusfrüchten hat längst die Schwammfischerei als ein zentrales wirtschaftliches Standbein für die Insulaner abgelöst. Und die fast senkrechten Felswände machen uns deutlich, warum die Insel Kalymnos in der griechischen Ägäis als eine der schönsten Kletterdestinationen Europas gilt. Auch uns haben atemberaubende Steilhänge und bizarre Felsformationen vor dem Mittelmeerpanorama total beeindruckt. Die Kombination des tiefblauen Meeres mit den unglaublichen Kliffen haben wir vorher so noch nie gesehen. Seit Mitte der 90er Jahre italienische Sportkletterer als erste das Felspotential der Insel entdeckten und erschlossen, hat sich Kalymnos zu den Top-Klettergebieten weltweit entwickelt. Die Insel eignet sich hervorragend für diesen Sport, da sie sehr gebirgig ist und das ganze Jahr über geklettert werden kann. Ideale Jahreszeit ist der Herbst, da das Meer noch warm ist und die Sonne nicht mehr so stark vom Himmel brennt. Auch im späten Frühjahr herrschen überwiegend angenehme Temperaturen, während im Sommer das Klettern in der Sonne nur noch ausgesprochenen Hitze-Freaks oder Badefans empfohlen werden kann. Das sehr schön aufgemachte Buch „Kalymnos – Rock Climbing Guide“ von Aris Theodoropoulos enthält 2700 Kletterrouten und kostet 40 Euro.

Ein anderer Ausflug führte uns zum prächtigsten Kloster der Insel, zum Nonnenkloster Ag. Savas, das für die Öffentlichkeit zugänglich und unbedingt einen Besuch wert ist. Faszinierend das Panorama, das sich von hier oben über die Hafenbucht, die Stadt Pothia in der Tiefe, das nach Nordwesten anschließende Chorio und über die Ägäis bietet. Durchquert man das große Eingangstor, betritt man ein kleines Paradies, eine Idylle. Sie ist geprägt von Blumenrabatten, von blühenden Bougainvilleen, die die Mauern bedecken oder verdecken, und von einer Vielzahl von Blumenkübeln. Dazwischen sind auch ausgediente Speiseöl- oder Schafskäsekanister, in denen die Nonnen ihren Bedarf an frischen Küchenkräutern heranziehen.

Der Wechsel zum Hauptort von Kos war dann mehr als ernüchternd, und wir hatten das Gefühl, ein Paradies verlassen zu haben. Da wir aber nur einen Tag auf Kos als Puffer vor unserem Abflug eingeplant hatten, konnten wir uns mit der veränderten Situation arrangieren.