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THRAKIEN - Auf zu den Pomaken

  1.428 Wörter 5 Minuten
2017-10-13 2017-10-13 13.10.2017 1.417 × gelesen

Während unseres Urlaubs in Thrakien, diesem dünn besiedelten Gebiet in der Nähe der Türkei, wollten wir auch unbedingt in die Pomakendörfer fahren. Dieses beinahe vergesse Völkchen mit Einflüssen aus Bulgarien, der Türkei und letztendlich Griechenland, lebt in den Rhodopen, die Griechenland von Bulgarien trennen. Früh morgens fuhren wir los auf einer schier unbekannten Strecke und voller Erwartung, was uns in diesen Dörfern fernab der Massen erwarten würde. Wir wählten die Route über Xanthi, um als erstes Kentavros anzusteuern.

Der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt. Auch hier bestätigte sich dies erneut auf so wunderbare Weise. Über den Rhodopen, die nicht so hoch wie die Berge Kretas sind, erwachte hinter jeder Kurve eine neue atemberaubende Kulisse. Grüne Täler zwischen den Bergen und herabhängende Wolken sorgten dafür, dass unsere Reise von traumhaften Bildern begleitet wurde. Über die Pomaken gibt es nicht viel zu lesen, ihre Sprache in ihrem so eigenen Dialekt, ist keine geschriebene Sprache und wird vermutlich irgendwann aussterben. Früher, bevor die Bezeichnung der Pomaken amtlich war, bezeichnete man in Bulgarien und Griechenland Helfer und Helfershelfer als Pomaki. Noch heute achten sie auf ihre Kultur, ihre Traditionen und Tänze, was mit der Dorfflucht der Jungen immer schwieriger wird.

Wir schlängelten uns die Berge hinauf und hielten immer wieder an, um den Blick über die tiefen grünen Täler wandern zu lassen, in denen die Pomakendörfer wie verwunschene Schlösser aussehen. Stolz und mit silberner Spitze glänzen die Türme der Minarette wie die spitzen Prinzessinnen-Hüte des Mittelalters in der Sonne. Lässt man seinen Blick über die Bergketten wandern, entdeckt man Tabakblüten und Baumwollpflanzen. Hier und da verstecken sich kleine Hütten unter Plastikfolie, in denen fein säuberlich und akkurat die einzelnen Tabakblätter aufgefädelt wurden und nebeneinander dicht an dicht hängen um zu trocknen.

Kentavros ist unser erstes Ziel. Wir lassen Myki links liegen und fahren rechts die Straße hinauf, auf der uns schon die ersten Pomakenfrauen entgegenlaufen. Sie grüßen leicht irritiert, hier oben erwartet man keine Fremden. Links und rechts säumen Tabakpflanzen und tiefe Täler die Zufahrt zu dem kleinen Ort, der sich hinter den Bergen versteckt. Unten in den Tälern zu Füßen der Rhodopen sind die Pomakendörfer durch eine imaginäre Linie getrennt, die sich durch die Mitte der Dörfer streckt. Der eine Teil ist islamisch mit einer Moschee und die andere Seite orthodox mit einer Kirche. Die Menschen leben friedlich nebeneinander, aber jeder offensichtlich in seiner eigenen Welt. Mischehen sind die Ausnahme.

Hier oben ändert sich das Bild, die Dörfer sind islamisch, und es gibt keine Kirchen. Die Friedhöfe befinden sich hier, wie in Griechenland sonst üblich seit der Antike, nicht außerhalb der Ortschaft, sondern sind im Dorf integriert. Wir parken unser Auto und wandeln durch die engen Gassen, die wie ausgestorben wirken. Türkische Musik klingt durch offen stehende Fenster, Halbmonde auf kleinen Fahnen tänzeln im leichten Wind, der von Bulgarien herüberzieht. Verschleierte Frauen nicken uns grüßend im Vorbeigehen zu, drehen sich immer wieder um und tuscheln in einer Sprache, die keiner von uns versteht. An der kleinen Schule im Ortskern ist gerade Pause, und die Mädchen und Jungen, vielleicht zehn an der Zahl, spielen Fangen auf dem großen Schulhof. Die Lehrerin spricht mit zwei Mädchen am Rande des Geländes und lacht mit ihnen. Als wäre die Zeit hier oben stehen geblieben, hat man offensichtlich noch Zeit füreinander, ohne dass das Handy das Leben bestimmt. Eine Idylle zwischen Tabakfeldern und den Grenzen zur Türkei und nach Bulgarien.

Während wir staunend und suchend durch die verwinkelten Gassen schlendern, kommen uns verschleierte Frauen auf Mofas entgegen und alte Männer mit Fez und Komboloi, die hinunter zum Dorfplatz gehen. Alte Frauen in Schwarz mit dicken Strümpfen sitzen, obwohl es noch immer 25 Grad sind, vor ihren Häusern auf dem Bürgersteig und schauen uns verwundert nach. Katzen liegen auf der Straße oder auf Fensterbänken und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Die Stimme eines älteren Herrn, den wir nicht zu Gesicht bekommen, hallt durch die Atmosphäre. „Wohin wollt ihr? Woher seid ihr?“, fragt er uns auf Griechisch.

Als ich ihm erkläre, dass wir aus Deutschland sind und uns die Dörfer anschauen wollen, wünscht er uns einen schönen Aufenthalt und einen schönen Tag und wie selbstverständlich einen guten Winter.

Wir finden den Weg bis hinauf zum letzten Punkt des Dorfes, wo wir den Friedhof mit den islamischen Stelen entdecken. Die ersten Menschen wurden hier im 19. Jahrhundert beerdigt und einige von ihnen erreichten sogar die 100. Über diese Dächer zu schauen, die im Winter Schnee tragen und so viel über die Geschichte ihrer Menschen erzählen, lässt uns kurz innehalten. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Polizei gibt es hier nicht. Doch der Schein trügt, wie wir wenige Minuten später erfahren werden.

Kurz nach dem Brunnen des Dorfes, der mit arabischer Schrift geschmückt ist, begegnen wir einer alten Frau, die sich in mehrere Jacken und Röcken eingepackt hat, als sei der Winter schon da. In der Hand hält sie eine Plastikflasche, um am Brunnen Wasser zu holen. Ich spreche sie auf Griechisch an, aber sie versteht mich nicht. Sie lächelt, und man erkennt, dass ihr einige Zähne fehlen. Sie hält meine Hand fest, dass ich noch warten möge. Das Kauderwelsch, welches mein Ohr erreicht, definiere ich als Pomakisch. Sie kramt in ihren Taschen und Röcken herum, bis sie endlich das gefunden hat, wonach sie suchte.

50 Cent. Sie lächelt mich an und schenkt mir die 50 Cent, umarmt mich und geht weiter. Ich war so tief berührt, so unendlich beschämt, dass ich es nicht gewagt habe, ihr das Geldstück zurückzugeben.

In den einzigen Krämerladen dieses Dorfes gehen wir kurz hinein. Ich erhoffe mir ein Gespräch mit dem Ladenbesitzer. Der kleine Laden mit seinen vielleicht 40 qm ist überladen mit allerlei Dosen, Kisten, Verpackungen. Bis unter die Decke stapeln sich Konserven und Nudeln, Reis, Tomatendosen und alles Erdenkliche um zu überleben. Mir fällt sofort ins Auge, dass der Ladenbesitzer auch sehr viele Waren aus der Türkei hat und wundere mich, wer sie bis hier oben ans Ende der europäischen Welt transportiert hat. Im Hintergrund hängt ein riesiger Flachbildschirm mit den Nachrichten aus Ankara.

Sahim, wie er sich vorstellt, kommt herbeigeeilt. Ein kleiner schlanker Mann, vielleicht um die 50 mit grau meliertem Haar, begrüßt uns auf Griechisch.

Schnell kommen wir ins Gespräch und rasch sind die Colakisten zurechtgerückt, auf denen wir Platz nehmen sollen. Er freut sich offensichtlich, viel Besuch bekommt er nicht.

„Woher kommt Ihr?“, beginnt er neugierig das Gespräch.

„Aus Deutschland.“

„Sehr schön.“

„Darf ich fragen, was sich hinter dem Wort Pomaken genau versteckt?“, frage ich ihn.

Er gibt einen Elliniko aus und gesellt sich zu uns.

„Wir leben hier, seit ich denken kann. Wir sind Moslems, eigentlich Türken. Aber wer weiß das jetzt schon noch genau. Wir sprechen Türkisch, Griechisch, Pomakisch. Meine Eltern stammen von der Schwarzmeerküste, die ich aber nie gesehen habe. Unser Volk wird irgendwann nicht mehr da sein, da unsere Sprache nie niedergeschrieben wurde. Die Jungen fliehen in die Städte oder ins Ausland. Mein Sohn lebt in Australien. Viele schicken Geld und lassen Häuser bauen, um im Sommer hier zu wohnen. Sie bringen Wohlstand und die neue Welt ins Dorf. Von den 3500 Pomaken-Familien, die hier einst in den Bergen lebten, sind es jetzt vielleicht noch 300, die diesen Ursprung haben. Ich fühle mich als Grieche und spreche auch Türkisch, das ist wohl die richtige Definition.“

Ich lausche seinen Worten und hätte ihm stundenlang zuhören können.

„Wir sind arm hier oben. Wir haben ja kaum Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Ein bisschen Tabakanbau, ein wenig Baumwolle. Wir kommen über die Runden. In der Schule lernen die Kinder Türkisch, Griechisch und Englisch. Sie werden fortgehen, wenn sie studieren wollen. Das ist der Lauf der Zeit. Irgendwann wird man mich oben auf dem Friedhof beerdigen und ich hoffe, mein Sohn kann dann kommen. Ich habe ihn seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Keine Zeit“, er schlürft seinen Elliniko, und ich habe das Gefühl, ich würde ihn ewig kennen. Wir dürfen noch ein paar Fotos im Laden machen und verabschieden uns dann. Den Mokka bezahlen darf ich nicht, wir seien ja Freunde, von denen lässt man sich nicht den Mokka bezahlen, lächelt er uns an.

Wir treten auf die kleine Straße, die uns zum Auto führt und vernehmen augenblicklich den Muezzin, der über den Dächern der Pomakendörfer zum Gebet aufruft. Schließt man die Augen, weiß der Geist nicht, in welchem Land man sich gerade befindet.

Das nächste Ziel unserer Reise ist Medousa, der letzte Ort vor der Grenze. Als ich im Auto sitze, schaue ich nach, ob mein 50-Cent-Stück noch in meiner Tasche ist. Ja, es ist noch da, und ich werde es mitnehmen nach Deutschland.

7 Bilder für das Keyword Pomakochoria gefunden.

Tabakfelder – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Tobacco fields – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger
Tabakfelder – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Tobacco fields – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger
Echinos – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Echinos – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger
Echinos – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Echinos – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger
Sminthi – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Sminthi – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger
Echinos – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Echinos – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger
Medussa – Pomakische Dörfer gibt es in der nordöstlichen Region Thrakien, wo die Pomaken, eine vorwiegend muslimische Volksgruppe umstrittener Herkunft leben, von denen die meisten südost-bulgarische Dialekte aus der Rhodopen-Untergruppe sprechen. Medussa – The ethnic minority of the Pomaks, who are mainly Muslims, live in East Macedonia and the northeastern region of Thrace, they speak a Bulgarian dialect, but they are also fluent in Greek, they live mainly in villages in the Rhodope Mountains. Πομακοχώρια ονομάζονται τα χωριά στην ορεινή Ροδόπη με Πομακικό πληθυσμό, τα συναντάμε στους νομούς Ξάνθης, Ροδόπης και Έβρου. είναι απομονωμένα χωριά και έχουν διατηρήσει το ιδιαίτερο χαρακτήρα τους, την παραδοσιακή αρχιτεκτονική και τον πολιτισμό τους. Maria Laftsidis-Krüger