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Zähes Ringen um das Überleben des Gewöhnlichen Delphins im Mittelmeer

  811 Wörter 3 Minuten
2016-08-19 2016-12-31 19.08.2016 1.858 × gelesen

Vor dreissig Jahren war der Gewöhnliche Delphin – wie sein Name sagt – ganz gewöhnlich. Sogar noch vor zehn Jahren wurden bis zu hundert Delphine im westgriechischen Kalamos gesichtet. Doch heute ist der Gewöhnliche Delphin (delphinus delphis) lokal vom Aussterben bedroht. Die Population ist von 150 Tieren auf gerade mal 15 Tiere geschrumpft.

Wehmütig denkt Giovanni Bearzi zurück: «Oft umgaben uns bis zu hundert Delphine, als ich vor zehn Jahren bei der westgriechischen Insel Kalamos meine Arbeit zum Schutz des Gewöhnlichen Delphins aufnahm.» Ein «Paradies» sei es für die Forschenden gewesen, sagt der italienische Biologe und Meeresschutzbeauftragte. «Jeden Tag kamen sie zu uns her und spielten im tiefblauen Wasser mit dem Schlauchboot.» Und heute? Von der stattlichen Schar ist eine kleine Gruppe übrig geblieben, deren Mitglieder die Forscher vielleicht noch einmal im Monat zu Gesicht bekommen.

Was ist geschehen? «Gleichzeitig mit dem Gewöhnlichen Delphin sind auch die Bestände von Thun- und Schwertfisch in unserem Beobachtungsgebiet zusammengebrochen», erklärt Giovanni Bearzi, «denn ihre Beutefische, Makrelen, Sardinen und Sardellen, sind durch die Überfischung heute praktisch ausgerottet.» Im Mittelmeer holt ein einziges industrielles Fangschiff so viel Fisch aus dem Meer, wie 350 Delphine fressen würden – Tag für Tag. Und ganze Flotten solcher Fischereischiffe durchkämmen täglich unser Ferienmeer nach der schwindenden Beute.

Den Delphinarten, die sich auf ein Leben in Küstennähe spezialisiert haben, machen die Folgen menschlicher Aktivitäten besonders zu schaffen. Dazu gehören auch zugebaute Küsten, Wasserverschmutzung, Belästigung durch Touristen, intensiver Schiffsverkehr, militärische Aktivitäten und Unterwasserlärm, der die Kommunikation der Meeressäuger empfindlich stört. Besonders betroffen ist der Gewöhnliche Delphin. Die einst am weitesten verbreitete Delphinart im Mittelmeer gilt seit 2004 gemäss der Roten Liste für bedrohte Tierarten als «stark gefährdet». Grundsätzlich sind jedoch alle neun Meeressäuger-Arten, die im Mittelmeer heimisch sind, von den genannten umwälzenden Problemen betroffen, also auch grosse Walarten wie Finn- und Pottwal oder die vom Aussterben bedrohte Mönchsrobbe.

Dabei wurde 2001 das Ligurische Meer – ein wichtiges Nahrungsgebiet für zahlreiche Wal- und Delphinarten im Mittelmeer – als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Zudem besteht für Wale und Delphine im Mittel- und Schwarzen Meer mit ACCOBAMS das beste regionale Schutzübereinkommen weltweit. Trotzdem gehen die Bestände sämtlicher Meeressäugerarten im Mittelmeer weiterhin – teils dramatisch – zurück. Warum?

Schutzabkommen und Schutzgebiete sind das eine, deren Einhaltung und Überwachung etwas ganz anderes. Giovanni Bearzi, der auch Präsident der Forschungsorganisation Tethys Research Institute mit Sitz in Mailand ist und sich zusammen mit OceanCare seit vielen Jahren beherzt für den Schutz der Küstendelphine im Mittelmeer engagiert, gibt ein Beispiel aus seinem Heimatland: «In Italien scheint es kein Widerspruch zu sein, wenn die Regierung Konventionen zum Schutz der Meeressäuger ratifiziert, gleichzeitig aber eine aggressive Fischereipolitik verfolgt, die den Schutzbemühungen diametral entgegen läuft.»

Entsprechend frustrierend kann es sein, wenn den Regierungen langjähriges, intensives Forschungsengagement – welches die teils drastisch rückläufigen Zahlen der Meeressäuger wissenschaftlich belegt – noch immer nicht genügt, um griffige Schutzmassnahmen zu verordnen. Viele Schutzorganisationen teilen die bittere Erfahrung, dass Schutzbemühungen immer wieder wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen geopfert werden. So ist, obschon der Gewöhnliche Delphin als stark gefährdet gilt, bisher kein einziger ACCOBAMS-Mitgliedsstaat aktiv geworden, um ihn vor der Ausrottung zu bewahren.

Hingegen benutzen italienische, französische, türkische oder marokkanische Fischer noch immer Treibnetze, obschon diese im Mittelmeer seit 15 Jahren illegal sind. Allein deshalb verenden im Mittelmeer alljährlich Tausende von Meeressäugern in Treibnetzen – sogar im Wal- und Delphinschutzgebiet im Ligurischen Meer.

„Meeresschutzgebiet“ hört sich gut an, doch konkretes Management bleibt rar. Darin sind sich OceanCare und Tethys einig; dennoch lassen sie sich nicht entmutigen. Grund zur Hoffnung gibt die Annahme einer Resolution an der ACCOBAMS Konferenz im Oktober 2007, welche die Vertragsstaaten dazu anhält, unverzüglich dringende Schutzmassnahmen an die Hand zu nehmen. Gefordert wird darin zudem, dass der Gewöhnliche Delphin in den Anhang II der EU-Habitatsrichtlinie genommen wird. Dies hätte zur Folge, dass alle EU-Mitgliedsstaaten rechtlich verpflichtet wären, Schutzgebiete für diese Population in der Region einzurichten. Doch nun müssen den Lippenbekenntnissen endlich auch Taten folgen, wenn der Gewöhnliche Delphine im westgriechischen Meeresgebiet von Kalamos nicht aussterben soll. Dafür setzt sich OceanCare zusammen mit ihren Partnerorganisationen ein. Sie können uns dabei mit einer symbolischen Delphin-Patenschaft unterstützen. Vielen Dank!


Die Schweizer Organisation OceanCare setzt sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Jagd, Lärm, Überfischung und Zerstörung der Ökosysteme bedrohen die Zukunft der Tiere – und auch unsere. Mit konstruktiven Massnahmen wie Forschungsprojekten und Umweltbildungskampagnen sowie dem Engagement im Bereich der Gesetzgebung und in internationalen Foren verschafft sich OceanCare Gehör und setzt Verbesserungen durch. Bei all ihren Aktivitäten strebt OceanCare eine lösungsorientierte Zusammenarbeit an. Denn: Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen.

OceanCare ist Partner des UNEP/CMS Abkommens für den Schutz der Wale und Delphine im Mittelmeer, schwarzen Meer und angrenzenden Atlkantik (ACCOBAMS) und Mitglied der Cetacean Alliance, ein Netzwerk von neun Non-Profit Organisationen und Forschungsinstituten, das sich dem Schutz der Marinen Biodiversität und der Reduktion des Menschlichen Einfluss auf Wale und Delphine verschrieben hat.

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Bronzedolch mit Metalleinlagen in Gold, Silber und Kupfer (Delfine) 2. Hälfte 15. Jh. v. Chr. – 14. Jh. v. Chr, Katarraktis, Grabfund Archäologisches Museum Patras. Mykene – Die sagenhafte Welt des Agamemnon The Baden Museum in Karlsruhe shows, until June 2019, the world’s largest cultural history exhibition on Mycenaean Greece with over 400 objects from the most important museums in Greece. Το Μουσείο της Βάδης το οποίο στεγάζεται στο παλιό ανάκτορο της Καρλσρούης φιλοξενεί από την 1η Δεκεμβρίου μέχρι της 2 Ιουνίου τη μεγαλύτερη έκθεση που έγινε ποτέ στη Γερμανία για τον Μυκηναϊκό Πολιτισμό με τίτλο „Μυκήνες – Ο μυθικός κόσμος του Αγαμέμνονα“. Hellenic Ministry of Culture and Sports/Badisches Landesmuseum, Foto: Gaul
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Blaue Delfine, Saal der Fresken – Das Archäologische Museum in Heraklion auf Kreta, eines der wichtigsten Museen Europas, zeigt u. a. Fundstücke aus über 5500 Jahren kretischer Geschichte. Fresco blue dolphins from the Queen’s Megaron in Knossos – The Archaeological Museum in Heraklion on Crete covers more than 5500 years of Cretan history and shows the most important Minoan finds. Το Αρχαιολογικό Μουσείο Ηρακλείου ένα από τα σημαντικότερα Μουσεία στον κόσμο καλύπτει την ιστορία της Κρήτης για πάνω από 5500 χρόνια και θεωρείται το κατά εξοχήν μουσείο του μινωικού πολιτισμού. Dimitrios Pergialis
Wandmalerei Blaue Delfine aus dem Megaron der Königin in Knossos – Das Archäologische Museum in Heraklion auf Kreta zählt zu den wichtigsten Museen Europas und zeigt u. a. Fundstücke aus über 5500 Jahren kretischer Geschichte. Wall painting blue dolphins from the Queen’s Megaron in Knossos – The Archaeological Museum in Heraklion on Crete covers more than 5500 years of Cretan history and shows the most important Minoan finds. Το Αρχαιολογικό Μουσείο Ηρακλείου ένα από τα σημαντικότερα Μουσεία στον κόσμο καλύπτει την ιστορία της Κρήτης για πάνω από 5500 χρόνια και θεωρείται το κατά εξοχήν μουσείο του μινωικού πολιτισμού. Dimitrios Pergialis