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Eine erlebnisreiche Nacht am Strand von Kiparissia

  633 Wörter 2 Minuten
2017-06-22 2017-06-22 22.06.2017 351 × gelesen

Schon bei meiner ersten Reise zu den Schildkröten Griechenlands im Jahr 2001 war es mein sehnlicher Wunsch, einmal die Spur einer Meeresschildkröte und nicht nur von Landschildkröten im Dünensand zu sehen. Einige Male fragte ich die Leute von «Archelon», ob die Schildkröten ihre Eier schon gelegt hätten. Diese Leute, meist Engländerinnen, sind als freiwillige Helfer für dieses Meeresschildkrötenschutzprojekt im Einsatz. Sie laufen im Juni jeden Morgen um sieben Uhr die Niststrände der Meeresschildkröten ab, so auch den Strand von Kiparissía. Anhand der nächtlichen Spuren können sie die Nester leicht finden und markieren, um sie dann vor Touristen und Nesträubern zu schützen. Unter www.archelon.gr sind ausführliche Informationen zu diesem Schutzprojekt abrufbar.

Wenn ich jeweils Anfang Juni wieder zuhause war, später ist es mir dort unten zu heiss, erhielt ich von den Leuten von «Archelon » per E-Mail die Meldung, dass man bereits viele Nester gefunden und  markiert habe, und es wäre schön, wenn ich mal dabei sein könnte. Und so ging es Jahr für Jahr, bis ich mich 2006 entschloss, einmal bis Mitte Juni in Griechenland zu bleiben, um vielleicht doch einmal eine Meeresschildkrötenspur zu sehen. Am 9. und 10. Juni 2006 war ich bei der «Archelon»-Station im alten Bahnhofgebäude bei Kalo Nero, welches auch eine Schildkrötenausstellung beherbergt, fand aber leider niemanden dort. Rein zufällig kam dann aber doch jemand von «Archelon» vorbei und erzählte mir, dass man bereits einige Nester der Unechten Karettschildkröte Caretta caretta gefunden und markiert habe. Ich dürfe die Leute beim morgendlichen Kontrollgang begleiten. Das sei sehr interessant. Man beginne um 6 Uhr 30 oben am Fluss. Ich bedankte mich und sagte, dass ich die Leute dann schon sehen werde, denn um diese Zeit ist ja sonst niemand am Strand unterwegs.

Als ich um 1 Uhr 30 in meinem Camp am Strand erwachte, zog ich eine Fleecejacke über mein Pyjama, schlüpfte in meine Wanderschuhe, nahm die gute Mag-Lite Lampe mit neuen Batterien und schulterte meine Nikon mit frischgeladenem Akku und los ging es, bei Vollmond und klarem Sternenhimmel. Ein paar einsame Angler am Strand fragte ich, wie’s gehe und erkundigte mich nach ihrem Fang, der allerdings erbärmlich mager war. Einer zeigte mir zwei Fische und die anderen hatten überhaupt nichts gefangen, obwohl sie die ganze Nacht immer wieder ihre Köder auswarfen. Sie taten mir leid. Nach etwa einer Stunde entdeckte ich eine Spur wie von einem einrädrigen Traktor. Das musste eine Schildkrötenspur sein, dachte ich, fotografierte sie und freute mich sehr. Nach einer weiteren halben Stunde sah ich eine riesige Meeresschildkröte, wie sie gerade dabei war, ihre Eigrube zuzuschaufeln. Ja, man kann sagen «zuschaufeln», denn mit ihren Flossen warf sie den Sand meterweit, bis hinter der Eigrube ein kleiner Hügel entstand. In gebührendem Abstand machte ich Fotos und wartete, bis das Tier wieder zurück zum Meer ging. Überrascht war ich von ihrem grossen Kopf und den riesigen Augen. Auf ihrem Panzer klebten einige Muscheln, die ich aber nicht entfernen konnte. Ich hätte singen können vor Freude und kehrte wieder zurück zu meinem Camp. Unterwegs gratulierten mir die Angler. Sie hatten das Blitzen beim Fotografieren gesehen und wussten, dass ich eine Meeresschildkröte fotografiert hatte.

 Plötzlich sah ich, wie sich vom Meer her eine Schildkröte die Düne hinauf bemühte. Was ich dann erlebte, sieht man anhand der folgenden Bilder. Es war der gesamte Zyklus einer Eiablage. Und weil’s schon spät war, ging dann der Mond unter und nach kurzer Zeit graute der Morgen und ich konnte die letzten Bilder ohne Blitz machen. Als ich dann endlich wieder bei meinem Camp war, müde, durstig, aber glücklich, zeigte meine Uhr bereits sieben Uhr. Nach dem Frühstück fuhr ich hinauf zum einsamen Apollontempel in Bassai auf 1200 m, um auf irgendeine Art meinem Dank und meiner Freude Ausdruck zu verleihen, denn es war schon ein wunderbarer Zufall, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

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