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Jochen Fornasier: Amazonen - Frauen, Kämpferinnen und Städtegründerinnen

  610 Wörter 2 Minuten
2017-06-22 2017-06-22 22.06.2017 381 × gelesen

Darstellungen von ihnen zierten zahlreiche Vasen und Münzen, sie und ihre Taten finden sich im Skulpturenschmuck griechischer Tempel, in den großen literarischen Epen, in der Mythologie sind sie allgegenwärtig, sie kämpften vor Troia und drangen bis nach Athen vor, männlichen Kriegern gleichgestellt, brachen sie mit allen gesellschaftlichen Vorstellungen: Die Rede ist von den Amazonen. Auf die Spuren dieser streitbaren Frauen der antiken Welt, die “zu den bekanntesten, zugleich aber auch zu den mysteriösesten Protagonisten“ zählen, die aus der griechischen Mythologie überliefert sind, macht sich Jochen Fornasier in seinem reich bebilderten, im Mainzer Verlag Philipp von Zabern erschienenen Buch “Amazonen - Frauen, Kämpferinnen und Städtegründerinnen“. Die Spurensuche, die auch den aktuellen Forschungsstand spiegelt, führt zu zentralen archäologischen Denkmälern Griechenlands, Kleinasiens und der Länder des Schwarzen Meeres. Fornasier zeichnet ein erstaunliches, farbenprächtiges und widersprüchliches Bild der Amazonen. Denn: “Als Gründerinnen von Heiligtümern und ganzen Städten in Kleinasien erfuhren sie eine Verehrung, die kaum einem anderen mythischen Volk in dieser Form zuteil geworden ist. Welch ein Gegensatz: Die Amazonen, die im klassischen Athen als der Gegner schlechthin galten, zierten in späteren Zeiten das städtische Münzbild von Kyme, Smyrna oder auch Ephesos“, schreibt Fornasier in seiner Einführung unter dem Titel “Als Kriegerinnen geachtet - Als Frauen gefürchtet“. 

Fornasiers Spurensuche widmet sich zunächst dem Namen und der Verortung des mythischen Frauenvolks: “Neben dem Kerngebiet am Thermodon im Norden Kleinasiens und den von Diodor erwähnten Amazonen in Afrika galten beispielsweise die Kolchis (das heutige Georgien), die Regionen nordöstlich des Schwarzen Meeres oder auch Thrakien als ihr Heimatland.“ Die griechische Vorstellung von den Amazonen setzt sich, so der Autor, “aus vielen schillernden Mythosvarianten zusammen, deren Inhalt sich geographisch, chronologisch oder im Sujet stark unterscheiden kann“. Die Legenden um die kriegerischen Frauen einerseits als Gegenwelt zur griechischen Gesellschaft und als eine Art Spiegelwelt für das Selbstverständnis der Frau innerhalb der griechischen Gesellschaft sowie andererseits als Sinnbild für das Fremde und das Feindliche: Auch diesen interessanten Aspekten widmet sich Fornasier in seinem lesenswerten Buch. Achilleus, Herakles, Priamos, Theseus, sie alle erlebten gefährliche Abenteuer, kämpften erfolgreich gegen nahezu unbesiegbare Feinde und Ungeheuer - und sie trafen irgendwann in ihrem Leben auf die Amazonen, denen sie mit all ihrer Kraft und ihrem Können entgegentreten mussten. In der Konsequenz bedeute dies, so schlussfolgert der Autor, dass es in der griechischen Mythologie offenbar kaum ein anderes Thema gegeben habe, das besser als Paradigma für den gefahrvollen Kampf und die letztlich erfolgreich zu bestehende Bewährungsprobe dienen konnte, als das Aufeinandertreffen mit dem kriegerischen Frauenvolk. Fornasier: “Die Feindwelt, die durch die Amazonensage in mythischer Form charakterisiert wird, dient der Dokumentation der eigenen Stärke. Der griechische Heros, der im Kampf gegen die wilden und furchtlosen Amazonen besteht, ist ein Garant für den Bestand und die Bedeutung des eigenen Kulturkreises, auf den man sich zurückbezog.“ Und hat es sie tatsächlich gegeben? 

“Die historisch-archäologische Forschung ist bis heute nicht in der Lage, einen stichhaltigen Beweis für die Existenz der Amazonen zu liefern. Das kriegerische Frauenvolk mit all seinen charakteristischen Wesenszügen war zwar in mehr Lebensbereichen der antiken griechischen Gesellschaft präsent als die meisten anderen Mythen. Dennoch gelang es bislang nicht, die Amazonen auch archäologisch zu fassen“, stellt Fornasier in seinem spannend geschriebenen und anschauungsreich bebilderten Buch am Schluss fest. 

Und: “Es hat förmlich den Anschein, als ob der Amazonenmythos derart fest in der antiken Gesellschaft verankert war, dass nicht einmal das Fehlen jeglicher materieller Hinterlassenschaften dieses Frauenvolkes an der unumstößlichen Wahrheit ihrer einstigen Existenz zweifeln ließ - ein Phänomen, das zum unauslöschlichen Ruhm gerade dieser Sage der griechischen Mythologie beigetragen hat.“ 

Jochen Fornasier: Amazonen - Frauen, Kämpferinnen und Städtegründerinnen.
Zaberns Bildbände zur Archäologie. Sonderbände der Antiken Welt.
Verlag Philipp von Zabern, Mainz.
119 Seiten mit vielen Farbabbildungen.
ISBN: 978-3-8053-3784-7.

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