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Jürgen Bosch: Melambes oder Die Frau vom Strand

  678 Wörter 2 Minuten
2017-06-22 2017-06-22 22.06.2017 454 × gelesen

Andrea oder Lea? Diese Frage stellt sich der 45-jährige Rechtsanwalt Max Bauer, Ich-Erzähler in Jürgen Boschs im Balistier Verlag erschienenen Erstlingsromans mit dem Titel “Melambés oder Die Frau vom Strand“, ständig. Denn die während einer Reise auf Kreta verschwundene bildschöne Andrea Paulus, Frau eines deutschen Unternehmers, auf deren Suche sich der zeitweise auf Kreta, zeitweise in Deutschland lebende Max Bauer macht, sieht zum Verwechseln der geheimnisvollen Lea ähnlich, mit der Bauer vor Jahren eine bizarr-verhängnisvolle Liebesbeziehung hatte. In der flott und spannend geschriebenen und in der landschaftlich reizvollen Kulisse Kretas spielenden Geschichte um Gewalt und Leidenschaft muss sich der Anwalt nicht nur mit Rauschgiftschmugglern auseinander setzen, sondern auch mit der eigenen Vergangenheit.

Finanziell ausgesorgt, hat sich Max Bauer, der sich in “eleganten italienischen Anzügen, leichten Hemden aus feinen Stoffen und Halbschuhen aus weichem Leder“ wohlfühlt, aus dem Beruf zurückgezogen. Er selbst beschreibt sich als “1,95 Meter groß, mit der Figur eines Vierzigjährigen, der sich bemüht, die Olympiaqualifikation im Zehnkampf zu schaffen. Struppige kurze Haare, dass sie einmal gebrochen war, und mit zwei schlecht verheilten Narben ist mein Gesicht auch sonst nicht besonders hübsch. Aber wenn ich spreche oder Gefühle zeige, ist das in Ordnung, und die Leute finden mich sympathisch, was heißt, dass sie mir vertrauen.“

Nachdem sich sein Partner Faber aus Köln mit dem Auftrag der Suche nach der verschwundenen Frau telefonisch bei ihm gemeldet hat, geht Max Bauer siegesgewiss ans Werk. Schließlich versteht er sich als “Problemlöser“ und kennt sich auf der Insel Kreta und mit den Gepflogenheiten ihrer Bewohner bestens aus. Doch diesmal ist es kein Fall wie die anderen. Die verschwundene Frau erinnert ihn an eine junge Frau, die er vor 15 Jahren am Strand von Kommos kennengelernt hatte: “Es schmerzte noch immer. Verlorene Liebe. Nicht vergessen, nicht vergangen, nicht alt, nicht beendet: Verloren. Nicht mehr da, Leere.“

Von ihr Michael genannt, hatte er mit ihr einen Sommer lang eine aufregende, leidenschaftliche Zeit verbracht, sie lebten in den Tag hinein und erkundeten die Insel mit dem Motorrad - bis zu jenem Tag, als sie verschwand. Zurückgelassen hatte sie nur einen Zettel mit den Worten “Liebster, ich muss gehen. Bitte such mich nicht“. Und plötzlich hatte er feststellen müssen, dass er nichts über sie wusste. Seine detektivische Ermittlungsarbeit führt den Rechtsanwalt quer über die Insel. Jürgen Bosch, der in Wien geboren wurde und heute als Rechtsanwalt in Köln lebt, gelingen eindrucksvolle und atmosphärisch dichte Landschaftsschilderungen. Die Suche führt ihn zu Orten aus seiner Vergangenheit und bis in das kleine Bergdorf Melambés. Als er eine Kretakarte auffaltet, erinnert er sich an ein Spiel, das er einst mit Lea gespielt hatte: “Jeder von uns sollte sich ein Dorf oder eine Stadt aussuchen, deren Name ihm am besten gefiel. Orte, wo wir schon waren, galten nicht, also zum Beispiel Matala, Kamilari oder Sivas. Dann sollte jeder erraten, welchen Ort der andere gewäht hatte. ... Ich hatte zwischen Agia Galini und Agia Triada geschwankt, dann Agia Triada gewählt und auf einen Zettel geschrieben. Leas Wahl fiel auf Mélambes.

... Sie sagte Melambés und nicht Mélambes, wie es richtig heißt.“ Ist Andrea Paulus, von Geburt Griechin, in Rauschgiftschmuggel verwickelt? Hat ihr Mann mit ihrem Verschwinden zu tun, schließlich soll ihre Ehe nur noch auf dem Papier bestehen? Und immer wieder die Frage: Sind Andrea und Lea identisch? Die Sache spitzt sich zu, ein Mord geschieht, auf einem Berg kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung von Max Braun mit jenem Mann, der nicht nur vor 15 Jahren Anführer der Gruppe war, die den jungen Anwalt fast zu Tode geprügelt hatte, sondern auch Lea kennt, sie allerdings Ilona nennt: Max Bauer verstrickt sich immer mehr in seinen eigenen Erinnerungen. Nach zehn Tagen Suche und einigen Gläsern Raki stellt er schließlich fest, dass es Probleme gibt, “deren Problem es ist, dass sie sich nicht lösen lassen. Wer das erkennt, hat das Problem als solches zwar nicht gelöst, aber das Problem, mit ihm umzugehen“. Und plötzlich erhält Max Bauer einen Brief von Andrea Paulus - mit Fotos.

Jürgen Bosch: Melambés oder Die Frau vom Strand.
Roman, Verlag Dr. Thomas Balistier, Mähringen.
203 Seiten. ISBN 978-3-937108-15-5.

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