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Maria Deoudi: Ithaka - Die Polishöhle - Odysseus und die Nymphen

  677 Wörter 2 Minuten
2017-05-01 2017-05-01 01.05.2017 413 × gelesen

Eine Neuerscheinung, die heute vorgestellt werden soll, ist die wissenschaftliche Publikation von Maria Deoudi, Ithaka. Die Polishöhle, Odysseus und die Nymphen, (Thessaloniki 2008), Studio University Press Verlag Thessaloniki. (ISBN 978 960 12 1695 9) 388 Seiten, Tafeln.

Vorgestellt wird ein Höhlenheiligtum sowie alle Votive aus der sog. Polis-Höhle auf Ithaka, die in Verbindung gebracht wird mit dem Heros Odysseus und den Nymphen. Die Monographie legt die 1300 jährige Geschichte eines griechischen Kultplatzes dar, der zudem heute nicht mehr zugänglich ist. 

Das Hauptanliegen der Arbeit ist schon am Titel ersichtlich. Dabei greift schon die parataktische und unverbundene Aufzählung im Titel auf eine lange Wissenschaftstradition zurück und knüpft zugleich daran an. Sie weist auch den Weg, den diese Untersuchung gehen soll und die These, die der gesamten Auswertung zugrunde liegt. So ist die Verbindung zwischen heutigem Ithaka und dem Odysseus vor allem ein Stück Wissenschaftsgeschichte deutscher Archäologie, denn kein geringerer als H. Schliemann hat 1868 bei seinem ersten Besuch der Insel diese als reale und historische Heimat des homerischen Helden bezeichnet. Die Polis-Höhle, die er wegen seines postulierten Bezugs zur Polis, also Hauptstadt der Insel und Sitz des Königs so bezeichnete, war angeblich eine Kultstätte der Nymphen, die der König bei seiner Heimkehr aus Troja aufgesucht hatte. Anders als in Troja oder auch in Mykenai berief sich der deutsche Gelehrte aber nicht auf ausgedehnte Grabungen, sondern begnügte sich mit der Besichtigung der Insel. 

Vielleicht liegt es daran, dass diese Hypothese immer wieder in Frage gestellt wurde und im Laufe der Zeit alle ionischen Inseln irgendwann als die Heimat des Odysseus angesprochen wurden. Eine Diskussion, die im Zusammenhang mit dem aufstrebenden Regionalismus und der Suche nach historisch begründeten Identitäten in Griechenland immer noch am Leben gehalten wird. Nicht zuletzt auch wegen des Marketingwerts, der sich daraus ableiten lässt. 

In dieser langen Schliemannschen Tradition waren es dabei weniger die Archäologen als mehr die Graezisten und Althistoriker, die immer wieder neue Vorschläge einbrachten, die die zentrale Frage der Historizität der Epen zu spezifizieren versuchten. Immer neue Lesarten der Odyssee wurden vorgeschlagen um eine historische Topographie zu beweisen. Bislang ohne  Erfolg.

Die klassische Archäologie hat sich dieser Frage nicht angenommen, obgleich gerade auf Ithaka und speziell in der Polis-Höhle große Mengen an Weihgaben entdeckt werden konnten. Sie wurden vor dem 2. Weltkrieg vom britischen archäologischen Dienst geborgen, doch nie beachtet. Die Zeitgeschichte erlaubte eine dezidierte Untersuchung nicht. 

Es ist ein Verdienst, dass M. Deoudi die Rechte für die Auswertung erwerben konnte, dies umso mehr als die Höhle heute nicht mehr zugänglich und jede Annäherung an das Thema nur durch die Auseinandersetzung mit den Grabungsberichten möglich ist. 

So ist die Untersuchung vor allem eine Aufarbeitung der Berichte über die Höhle und aller Funde daraus. Im Kern eine traditionelle Arbeit, wie im übrigen die meisten Arbeiten, die sich mit archäologischen Befunden auseinander setzen. Gleichzeitig aber ein wichtiger Beitrag zum gesamten Bereich der Höhlenheiligtümer in Griechenland, die bislang kaum Beachtung erfahren haben.

Die Kernaussage und wichtigstes Ergebnis der Untersuchung ist dabei, dass die Höhle sicherlich eine Kultstätte war. Auch wurden hier Nymphen verehrt. Zahlreiche Inschriften zeugen davon. In dieser Hinsicht hatte Schliemann recht. Kurioserweise gibt es etwas, was Schliemann nicht wissen konnte, nämlich dass es in der langen 1300 jährigen Kultgeschichte der Höhle schon in der Antike einen Pilger gab, der sich durchaus vorstellen konnte, dass dies der Ort der Rückkehr des homerischen Helden war. Im 3. Jh. v. Chr. weihte man in der Höhle ein einziges Votiv, das die Inschrift trug “????? ?d?sse?”. Es gab jemanden, der sich den Beistand des Königs erhoffte, weil er sich vorstellen konnte, dass dies die Höhle sei oder aber die Höhle des Odysseus so ähnlich gewesen sein könnte. 

Aber dies kleine Weihepigramm ist das einzige Indiz und so nimmt der Titel die Ergebnisse im Wesentlichen vorweg. Es gibt keinen endgültigen Beweis für eine Verbindung zwischen der Höhle und dem König von Ithaka. Beweisen kann man es nicht, aber wirklich widerlegen kann man die Aussage des Pilgers und die Formulierung Schliemanns auch nicht. 

Maria Deoudi, Ithaka-Die Polishöhle, Odysseus und die Nymphen
University Studio Press, Thessaloniki 2008, 388 Seiten
ISBN 978-960-12-1695-9

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