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Hans Eideneier: Ärmellos in Griechenland / H.M.

  445 Wörter 2 Minuten
2017-04-26 2017-08-05 26.04.2017 466 × gelesen

Die Klippen, die sich der Kommunikation mit Griechen in den Weg stellen, hilft jetzt der Kölner Byzantinist Hans Eideneier zu umschiffen. Das fängt schon damit an, dass Griechen eigentlich gar nicht Griechen, sondern Hellenen zu nennen sind. Seit ein paar Jahren steht an der Griechischen Botschaft in Berlin „Botschaft der Hellenischen Republik“. Es dürfte allerdings noch ein Weilchen dauern, bis sich überall Hellene gegen Grieche durchgesetzt haben wird, befindet unser hochgelehrtes Haus. Wenn nun dessen schwäbischer Name auf Griechisch (bzw. auf Hellenisch) wiedergegeben wird, nicht buchstabengetreu (orthographisch), sondern korrekterweise lautlich (orthophonisch), so käme bei der Rückübertragung ins Hochdeutsche auf wundersame Weise Enteneier heraus. Wer zu solcherart Selbstverhohnepiepelung fähig ist, beweist, dass er mit dieser vertrackten Materie nicht nur hemdsärmelig, sondern (s. oben) spielerisch-leicht umzugehen versteht. Und da Kostas Mitropulos, der Oberhäuptling hellenischer Geloiografen (Spaßzeichner, d.h. Karikaturisten), diesem Büchlein obendrein seine witzigen Bilderfindungen hinzugegeben hat, sind diese locker aneinander gereihten Sprachfindigkeiten sogar eine vergnügliche Lektüre. Für sie gilt das Diktum Alfred Hitchcocks, wonach der nichts begriffen hat, der nicht die heitere Seite der Dinge sieht. Dennoch bleibt dabei ein ernst zu nehmender therapeutischer Effekt erhalten. Es stellt sich heraus, dass Wortfindungs- und – im Griechischen noch vermehrt - Verstehensschwierigkeiten weniger vom eigenen Alzheimer (wie hieß der doch gleich mit Vornamen?), sondern zuvörderst von der Sache selber herrühren. Der ist jedoch beizukommen.

Seit jeher haben griechische Wörter im Deutschen Konjunktur, manchen sieht man ihre Herkunft längst nicht mehr an, z. B. Kirche. Die lassen wir aber im Dorf und halten uns auch nicht länger bei den Wortschöpfungen auf, die Franz Dornseiff, mein Lehrer an der Leipziger Uni, als gräkoides Esperanto bezeichnet hat, wie z.B. Polizei, Brille, Bombe, Uhr, Zirkus. Umgekehrt haben es die Griechen da leichter. Bei ihnen ist die Zahl der Fremdwörter im Vergleich zu anderen europäischen Sprachen äußerst gering. Die nach altgriechischen Wortstämmen künstlich gebildeten Begriffe in den Bereichen der Technik und Naturwissenschaften finden mühelos ins Neugriechische zurück. Es zeichnet die Mittelmeerländer ohnehin aus, den offenen Gesellschaften zuzugehören, wo Mehrsprachigkeit von altersher ausgeprägt ist. Also lassen sich im Griechischen sogar türkische Wörter ausfindig machen, was nun beileibe nicht als Eideneiersche Spitzfindigkeit anzusehen ist. Sehr von Belang sind seine Erläuterungen zu den griechischen Namensformen. Da weniger der Geburtstag, sondern eher der Namenstag gefeiert wird, könnte man auf einen Blick in den Kalender angewiesen sein, um heraus zu bekommen, wann dort wer dran ist. Einen Mikis beispielsweise findet man da nämlich nicht verzeichnet. Warum? Weil der Heilige für diesen Tag mit vollem Namen, wie sicherlich auch nicht gleich jeder weiß, Dimitrios heißt. – Beschränken wir uns auf diese Kostehäppchen. Und verstehen wir dieses Büchlein als Aufforderung, der Fraktion beizutreten, die die interkulturelle Kommunikation voran zu bringen gewillt ist.

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