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Danae Coulmas (Hrsg.): Griechenland - Ein Reisebegleiter

  565 Wörter 2 Minuten
2017-04-26 2017-04-26 26.04.2017 394 × gelesen

Handlich ist dieses Inseltaschenbuch. Man findet in ihm zusammengestellt, was es an markanten Äußerungen über markante Orte Griechenlands gibt. Wer sich vor Ort in Thessaloniki, Delphi, Olympia, Athen, auf Lesbos, Santorini, Kreta, Korfu belesen will, wird durch diesen literarischen Reisebegleiter wunderbar angeregt. Doch auch wem es völlig fern liegt, dorthin zu reisen, der verschafft sich hier sein Griechenlanderlebnis. Auch Goethe, auch Hölderlin waren nicht da. Sie haben dennoch Prägendes der Nachwelt hinterlassen, ebenso wie Otto von Wittelsbach, Schliemann, Hofmannsthal, Brecht, Ernst Jünger, Marie Luise Kaschnitz, Peter Huchel, Christa Wolf, Botho Strauß u.v.a. Gar nicht zu reden vor allem natürlich von den Griechen selber, von Homer, Sappho, Sophokles, Platon, von Myrivilis, Kazantzakis, Kavafis, Seferis, Elytis, Ritsos, Mikis Theodorakis, Vassilis Vassilikos u.v.a. Wer dann noch hinzunimmt, was ein Mark Twain oder ein Kishon frotzelnderweise von sich gegeben haben (bei der vorhandenen Fülle hatte die Herausgeberin die Qual der Wahl), gewinnt zum Lesevergnügen vollends den Lesespaß. Ergötzlich ist freilich auch schon, was u.a. ein Lukian aus dem klassischen Olympia zu berichten hatte: „Die einen suchen, einer dem anderen ein Bein zu stellen, andere packen sich bei der Gurgel und wälzen sich miteinander im Kot herum wie die Schweine.“

Verhandelt wird in dieser Anthologie allerdings mehr das zeitlos Gültige: Hellas erstrahlt als Land der „heiligen Freiheit. Als Odysseus nach zwanzigjähriger kriegsbedingter Abwesenheit wieder auf seine Heimatinsel zurückkehrte, unerkannt, als Bettler, und sein Daheim verwahrlost vorfand, war es Eumaios, der Schweinehirt, der auf des Übels Ursache verwies:„Dem Manne, der die heilige Freiheit verliert, nimmt Zeus die Tugend.“ Von Ithaka wechselt dann der Schauplatz nach Theben, wo einst „die Menschlichkeit groß aufstand. Hier war es Antigone, die unbeugsam Gerechte, die den Gesetzen eines unmenschlichen Krieges, der dem eignen geknechteten Volk so viele Opfer abverlangt hatte, entgegentrat. Als lange danach das Land ein weiteres Mal Tyrannen anheim fiel, ist es Jannis Ritsos, der aus dem  ihm verordneten Arrest in Erinnerung ruft, wie sich in grauer Vorzeit die Bewohner von Milos gegen den Rückfall in die Barbarei gewehrt hatten:„Ehre sagten sie,„Vaterland wie knirschte dies Wort und dann viel schwerer noch und gewaltiger sagten sie„Freiheit. In diesen schlimmen Jahren nach 1967 waren die Traumata von Krieg und Bürgerkrieg her noch längst nicht verheilt, im Gegenteil, sie wirken ja bis heute fort. Gedacht wird der jüdischen Gemeinde von Ioannina, die zur Zeit des Zweiten Weltkrieges 4000 Menschen zählte. Gedacht wird auch des Massakers vom 13. Dezember 1943 in Kalavrita. Deshalb ist Hellas aber noch lange kein finsteres Land, und selbst inmitten des Großstadtinfernos von Athen erlebt der Insider Glücksmomente. 

Mag auch die Luft noch verpesteter geworden sein, nie werden sich ändern der honiggoldene Athener Herbst, der milde sanfte Winter mit seinen Halkyoniden, der die Sinne berauschende Frühling und der die Sinne betäubende, glühende Sommer mit seinen abendlichen Brisen, bekennt unangepasst wie kein anderer Kostas Tachtsis. Die Anthologie setzt den Schlusspunkt an dem Ort, wo es bei Nikos Kazantzakis heißt: Komm Sorbas, bringe mir das Tanzen bei!“auf Kreta. Und weiter heißt es dann:„Mir war, als hätte ich in den harten Falten der Notwendigkeit einen Winkel entdeckt, in dem die Freiheit gelassen spielt. Nirgendwo bekommt man so ein Gespür für den besonderen Stolz dieses Eilands wie bei diesem wilden, kriegerischen Syrtaki, denn dieser Tanz ist ganz Herausforderung, Trotz und Revolte. - Ein Reisebegleiter für beschauliches Sich-aus-dieser-Welt-entrücken-lassen, ist das jedenfalls nicht.

Danae Coulmas (Hrsg.), Griechenland. Ein Reisebegleiter.
Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2004,
328 S.
ISBN 3-458-34724-0

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