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Ute Petkakis (HrsG.): Xenos in Griechenland - Erzählungen deutschsprachiger Immigranten

  527 Wörter 2 Minuten
2017-03-15 2017-04-24 15.03.2017 908 × gelesen

Ute Petkakis (HrsG.): Xenos in Griechenland - Erzählungen deutschsprachiger Immigranten
Größenwahn Verlag & Goethe Institut - Thessaloniki, Frankfurt am Main 2011,
201 S., ISBN 978-3-942223-19-5

Vorliegendes Werk, das aus einem entsprechenden Wettbewerb entstanden ist, spiegelt die Eindrücke von in Griechenland lebenden deutschsprachigen „Fremden“ wider und lässt uns, die wir in unserer Heimat geblieben sind, detaillierte Einzelheiten aus dem dortigen Leben kennenlernen. Außerdem bringt uns die Lektüre der einzelnen Erzählungen Verständnis für eine andere Mentalität und vielleicht auch ein Erahnen der neugriechischen Seele, insbesondere die Geschichte „Gefühle“, wobei ich meine, dass „Psychraemia“ (überlegtes notwendiges Handeln) heutzutage in Griechenland nicht mehr so ganz verworfen wird.
Natürlich ist der Start im neuen Land eher schwer als einfach, die andere Lebensweise erfordert eben ein radikales Umdenken, was besonders Frauen verzweifeln lässt. Dies wird besonders in der Geschichte „Der Wille zum Bleiben“ spürbar.
Es gibt auch heiter stimmende Erzählungen wie „Verkehr“, wobei vielleicht etwas übertrieben wird. Aber es trifft doch den Nagel auf den Kopf. Auch die Geschichte der alten Dame, die wieder in ihre Wahlheimat zurückkehrt, wobei ihre deutsche Verwandtschaft, besonders ihr Sohn, nicht gut wegkommt, lässt schmunzeln.
„Ein jeder strebt zurück zu seiner Wurzel“, so Lao Tse, der Weise aus China. In der Erzählung „Heimkehr in die Fremde“ wird dies besonders deutlich.
Die Geschichte „Zu Hause“: Genauso denke ich auch!
Das Buch ist jedem, der sich in Griechenland umsehen und eventuell auch niederlassen will, nur zu empfehlen, zumal es in Griechisch und Deutsch geschrieben ist, sodass der Leser seine Sprachkenntnisse prüfen und eventuell auffrischen kann.

AUTOREN:
Judith Schiebel (Gedankensplitter)
Caritas Führer (Bamies und ein weißes Schiff)
Ute Altanis-Protzer (Gefühl)
Lea Obermüller (Der erste Schritt)
Dirk R. Strohbusch (Zu Hause)
Anna Jahn (Der böse Blick)
Edit Engelmann (Verkehr)
Karin Godinez (Sprachschwierigkeiten)
Dorothee Vakalis-Fölster (Brot und Heimweh)
Gudrun Kitidis-von Andrian (Das Samstagskind)
Andrea Dimitriadis (Königsschwestern)
Nicole Quint (Im Vergehen)
Melina Proikas (Auf und davon)
Alkimos Sartoros (Niko)
Ingrid Lehmann (Der liebe Gott und der Nachbar)
Khatuna Manos (Griechisch für Fortgeschrittene)
Maria Galitsas (Bücklinge bei der IKA)
Brigitte Münch (Heimkehr in die Fremde)
Anna Kabana (Happy End)

Dirk R. Strohbusch - Zu Hause
Heute darf ich endlich wieder zurück nach Griechenland!
Ankunft Flughafen Athen. Ansagen in Griechisch, Hektik, Gewimmel, aber angenehme Temperaturen. Ich bin aufgeregt und erwartungsvoll!
Autobahn Richtung Korinth. Die Griechen sind verrückt! Sind sie alle alle Selbstmörder? Statt mit 60, vorgeschrieben, rast alles mit mindestens 150 km/h. Motorradfahrer kommen links, kommen rechts aus dem Nichts heraus an mir vorbei, ohne Schutzhelm!
Peloponnes. Die Schönheit der Landschaft nimmt mir wieder fast den Atem. Davon habe ich lange träumen müssen. Aber sehen sie die Griechen so gar nicht? Sie vermüllen ihr Land! Am Straßenrand Millionen, nein Milliarden von Plastikflaschen. Ich sagte es schon, die Griechen sind verrückt! Aber sie sind doch clever - einer von ihnen müsste die Flaschen einsammeln und nach Deutschland zum Pfand-einlösen schicken. Er würde sehr reich werden.
Es geht hinauf in die Berge. Unter mir schimmert das Meer. Diese herrlichen Ausblicke! Dort endlich mein Dorf! Mein Haus blinkt weiß in der Sonne. Alles sieht aus wie immer. Die alte Nachbarin geht vorbei. Ich höre ihr «kalos orises! - Sei willkommen!» - wie Musik in meinen Ohren. Ich bin glücklich.
Ich bin zu Hause!