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Giorgos Seferis – Literaturnobelpreis 1963

  286 Wörter 1 Minute
2017-03-03 2017-04-24 03.03.2017 277 × gelesen

Giorgos Seferis zählt zu den bedeutendsten Dichtern und Essayisten neugriechischer Sprache, der 1963 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Er gilt als Hauptinitiator der Generation der 30er-Jahre, die in der Dichtung die Wende zur Moderne vollzog. Seine Gedichte - trotz eines schmerzhaften Bewusstseins von Vergänglichkeit – lehren die Bescheidenheit, das Gleichgewicht und die stoische Fügung in das Schicksal. Der Mensch und Dichter Seferis mit weit offenen Augen erlebt und erforscht die Welt in allen ihren Äußerungen - in Krieg und Frieden - im Sinne von mystisch oder esoterisch, als ein Zwiegespräch im Inneren des Menschen.
(Quelle: Romiosini Verlag)

Giorgos Seferis (Smyrna 1900 - Athen 1971) siedelte nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 nach Athen. Er studierte bis 1924 Rechtswissenschaft in Paris und London, kehrte 1925 nach Griechenland zurück und trat 1926 in den diplomatischen Dienst Griechenlands. Seine erste Gedichtsammlung „Wende“ erschien 1931. Seferis teilte bis 1944 das Schicksal der griechischen Exilregierung. 1944 kehrte er nach Athen zurück und stand ab 1948 erneut in diplomatischen Diensten. Während der Militärdiktatur der Obristen 1967–1974 veröffentlichte er eine Erklärung gegen das Regime. Nach seinem Tod 1971 wurde seine Beerdigung zu einem Demonstrationszug gegen die Diktatur. Seferis’ literarisches Werk umfasst Gedichte, Essays, einen Roman und Tagebücher. Einige seiner Gedichte wurden von Mikis Theodorakis vertont. Seine Gedichte sind in viele Sprachen und Ausgaben übertragen worden.

Giorgos Seferis, „Geheime Gedichte“, Romiosini, Köln 1985. ISBN 9783923728220 (Gedichte übersetzt in deutscher Sprache von Danae Coulmas)

SOMMERSONNENWENDE
VI
Unten im Lorbeer
unten im weißen Oleander
unten im dornigen Fels
und das Meer gläsern unter uns.
Erinnere das Gewand, das du
sich öffnen und über die Nacktheit gleiten sahst
und das auf die Knöchel fiel
tot –
Fiele so dieser Schlaf zwischen den Lorbeer der Toten.