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Asteris Kutulas: Mikis Theodorakis - Ein Leben in Bildern

  486 Wörter 2 Minuten
2017-02-12 2017-04-24 12.02.2017 486 × gelesen

Ob er im Frack eine gute Figur gemacht hat, ist anhand des Fotos im Halbprofil nicht zu erkennen. In ihr an seiner Seite – excusez-moi Madame – ist die Frau von Welt allerdings beim besten Willen nicht zu erahnen. Das Foto zeigt die beiden anlässlich der Premiere seines Antigone-Balletts am 19. Oktober 1959 in The Royal Opera House Covent Garden LTD. Mikis Theodorakis im Frack und mit Antigones Botschaft „nicht mit zu hassen, nein, mit zu lieben bin ich da.“ In London. Fünfzehn Jahre nachdem die Briten unter Churchill in Athen mit Panzern und Bombern die Volksbewegung niedergezwungen und den Kollaborateuren Hitlerdeutschlands zur Macht verholfen hatten. Einer der Gefolterten im darauffolgenden Bürgerkrieg war er selber. Auch wenn er in London im Frack eine gute Figur gemacht haben sollte, war in Athen zu dieser Zeit noch immer anderes vonnöten, um mit dieser Botschaft Antigones von den eigenen Landsleuten gehört zu werden. Und er ist von ihnen in den Folgejahren in einer Weise gehört worden, dass ihn nach 1967, nach ihrer Machtergreifung, die Verächter seines Volkes wiederum folterten.

Aus der heutigen lähmenden Teilnahmslosigkeit heraus ist die seinerzeitige, über die Ost-West-Barrieren überschwappende Woge der Solidarität, namentlich auch unter der Künstlerschaft, zwar nur noch schwer begreif-, durchaus aber erklärbar. Nachdem Theodorakis seinen Schergen entronnen und in Paris war, verband sich mit ihm wie kaum mit einem anderen die Hoffnung auf Zugewinn von Freiheit, weltweit. Zwischen Oktober 1971 und November 1973 verzeichnet der Sängerstar Petros Pandis 270 gemeinsame Konzerte rund um den Erdball.

Dem Buch ist – zusammen mit zwei CDs – als DVD beigegeben die Erstveröffentlichung des Fernsehmitschnitts der chilenischen Premiere vom „Canto General“ am 23. April 1993 im Teatro Monumental von Santiago. Zwanzig Jahre nach der ursprünglich geplanten Uraufführung wird der Atem, der von diesem Oratorium ausgeht, noch einmal manifest. In vollem Einklang mit diesem monumentalen Werk und an Eindringlichkeit nicht zu überbieten steht, was Theodorakis als inzwischen Fünfundachtzigjähriger unbeirrt mit kargen, bitteren Worten darüber zu sagen hat, dass das Foltern (in Guantánamo) noch immer nicht aufhört.

Ein beglückendes Buch liegt vor, mit dem sich Asteris Kutulas der enormen Herausforderung gestellt hat, Theodorakis gerecht zu werden. Aus jahrzehntelang gewachsener Vertrautheit ist ihm eine Zusammenschau von frappierender Dichte gelungen. Die Texte – die eigenen, grüblerischen des Meisters und die prominenter Zeitgenossen (unvergleichlich das Gespräch mit Joseph Beuys) – gewähren Einblick, welchen Widerständen dieses Lebenswerk abgetrotzt worden ist. In begeisternder Fülle überträgt sich hingegen von den Fotos, auf denen viel gelacht wird, eher die Freude, die sich dem Gelungenen verdankt. Von seinem Domizil aus habe ihn der tägliche Blick auf den Parthenon zu sich finden lassen, bekennt Theodorakis sein Griechentum. Dieser Blick werde ihn eines Tages hinüber begleiten in ein anderes Sein. Der Schwenk ins Kosmische erweist, dass unter all den Gestirnen am Firmament die wenigen gegenläufigen am meisten Zuversicht aussenden.

Asteris Kutulas, Mikis Theodorakis. Ein Leben in Bildern.
Schott, Mainz 2010, 160 S., 2 CD, 1 DVD
ISBN 978-7957-0713-2

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