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Agoritsa Bakodimou: Ein Ort Anderswo

  409 Wörter 1 Minute
2017-02-12 2017-04-24 12.02.2017 354 × gelesen

Auf der Suche nach dem Glück des Reisens

Manche Bücher kommen recht unscheinbar daher, wie das auf dem Klappentext als Traktat bezeichnete Buch: „Ein Ort anderswo“ von Agoritsa Bakodimou. Eine Sammlung von kurzen Texten, über das Reisen.
Das Buch beginnt mit den Versprechungen des Reisens auf eine dauerhafte Veränderung, den Ängsten und den Empfindungen des Fremden. Zeigt schemenhaft Wege des Reisens auf. Ländliche Flecken auf einer Landkarte, dann auch wieder Namen von Orten und Gegenden. Kleine und große Verunsicherungen, ebenso Hoffnungen, dann wieder die Einsicht in die Vergeblichkeit unseres Bemühens im Anderswo. Orte des Aufbruchs und das wichtigste am Reisen neben dem Aufbruch und das Unterwegssein - die Rückkehr.
Man gerät schnell in Versuchung Agoritsa Bakodimou nachzuspüren, ihre feinen Gedanken bewegungen zu nachzuvollziehen und hat Erfolg.
Es sind die Bewegungen eines modernen Menschen mit alten Fragen und alten Antworten. Ein zeitgemäßer Text, der ohne die aufklärerische Begründung des Reisens auskommt und sich auf das wesentliche von Reiseerfahrungen zu reduzieren weiß.
Vom „homo touristicus“ zurück zu den Urbildern des Reisenden: Gilgamesch oder Odysseus. Unsterblichkeit und Aufhebung der Zeit. Odysseus gefangen in einer Ellipse der ständigen Rückkehr.
Theo Votsos, der Übersetzer des 2007 im Athener Livanis Verlag unter dem Titel To egcheiridio tou kalou taxidioti (Handbuch des guten Reisens) erschienenen Werkes, welches für den Literaturpreis der Zeitschrift DIAVAZO nominiert wurde, empfiehlt in seinem Nachwort zu dem Buch zu Recht: „dieses (…) Stück Literatur einer fortwährenden zweiten Lektüre zu unterziehen.“ Denn was „ein permanentes Lesen dieses Reisebuches nahelegt ist jedoch, dass seine Lektüre für den Leser selbst ein fortwährender Entblätterungsprozess, Reiseerlebnis im oben genannten Sinne ist: das innere Streben nach dem Anderswo, die unablässige Selbsterneuerung, die permanente innere Revolution.“
In diesem Sinne folge ich gerne den Überlegungen von Theo Votsos. Das Lesen des Textes selbst ist eine zweite Chance: Die eigenen Reisen, mögen es gemachte oder gelesene sein, nochmals zu betrachten. Möglicherweise sogar sie zu wiederholen.
Das Buch von Agoritsa Bakodimou ist, wie der griechische Titel sagt, ein Handbuch. Dem Verleger war möglicherweise die wörtliche Übertragung des Titels zu sperrig. Der Begriff: „Traktat“ ist es nicht minder. Das ist schade, denn es ist tatsächlich ein Handbuch und zwar in der besten philosophisch-literarischen Tradition eines Diskurses. Noch genauer gesagt: Es sind Mediationen über das Reisen. Ein Buch, welches ich zukünftig auf meinen Reisen dabei haben werde.

Agoritsa Bakodimou, „Ein Ort Anderswo“
Auf der Suche nach dem Glück des Reisens
Reiseberichte aus Hellas 2, Mähringen 2010,
ISBN 978-3-937108-22-3, 77 Seiten,

Aus dem Griechischen von Theo Votsos

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