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Klaus Gallas: Athen und Attika - Zentrum der antiken Welt

  694 Wörter 2 Minuten
2017-02-01 2017-04-24 01.02.2017 550 × gelesen

„Der griechische Boden gibt auch im einundzwanzigsten Jahrhundert neue Sensationen preis. Die Landschaft Attikas mit ihrer mal sanften, mal wilden Schönheit ist immer wieder für Überraschungen gut. Denn dort, wo der Bauer heute mühsam den steinigen Boden und Geröll durchpflügt, sind in der Tiefe der Erde vielleicht noch weitere, bisher unentdeckte Zeugnisse aus der Welt der Mykener, Griechen und Byzantiner verborgen...", schreibt der Griechenlandspezialist
Klaus Gallas am Schluss seines äußerst lesenswerten,reich bebilderten, im Belser Verlag Stuttgart erschienenen kunsthistorischen Buches „Athen und Attika – Zentrum der antiken Welt“. Auf den 180 vorherigen Seiten des gehaltvollen Bildbandes stellt er dem Leser und Betrachter die bereits entdeckten unvergleichlichen Kunstschätze, Tempel und Statuen, Heiligtümer und Mysterien, Kirchen und Theater dieser homerischen Landschaft vor und lässt ihn – im Glanz und Widerschein des besonderen griechischen Lichtes - mehr als dreitausend Jahre Menschheitsgeschichte erleben, von der minoischen Epoche über die Klassik und byzantinische Zeit bis heute.

„Ein Tempel oder eine Statue unter regenverhangenen Wolken ist nur eine graue Masse. Erst das Licht, das alle Bauglieder des Tempels und den feinen Chiton einer Statue umspielt, macht die Kunstwerke unvergesslich. Licht und Schatten verleihen den Werken sinnliche Ausstrahlung und lassen sie zu einem geistigen Erlebnis werden. Und ebenso verhält es sich mit der Landschaft. Das Licht öffnet die Sinne für die geistige Wahrnehmung der Berge, Täler und Küsten“, stellt Klaus Gallas fest. Der als freier Publizist und Kulturmanagement-Berater in München und Weimar lebende Autor, der Architektur, Archäologie, Ägyptologie und Byzantinische Kunstgeschichte studierte, verfasste bereits zahlreiche kunsthistorische Bücher über Länder des Mittelmeerraums, speziell über Griechenland, und erhielt 1996 den Internationalen Journalistenpreis der Regierung von Zypern. Die mehr als 220 aktuellen, ausdrucksstarken Farbaufnahmen - sei es von der über der Stadt Athen thronenden Akropolis in der Totalen und aus verschiedenen Blickwinkeln oder von einzelnen
Säulen im Detail, von Hafenbuchten, Befestigungsanlagen, Klöstern oder von dem Poseidontempel am Kap Sunion - unterstreichen die Aussage von Gallas über die Bedeutung des Lichts.

Besonders zu erwähnen sind auch die Aufnahmen der Mosaike in der zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Klosterkirche von Daphni. Die Mosaike sind, so Gallas, hochrangige Meisterwerke der byzantinischen Kunst, die 76 Szenen erzählen die dogmatische Lehre der orthodoxen Kirche.

Im ersten Teil des Buches über Athen spannt der Autor den Bogen vom Gründungsmythos bis zur Residenzstadt König Ottos von Griechenland. Breiten Raum nehmen naturgemäß die Ausführungen über die Akropolis ein, ist dieses Bauwerk doch seit 2500 Jahren das Wahrzeichen Griechenlands. „Die Mykener auf der Akropolis“, „Ein Bau für die Ewigkeit“, der Parthenon, die Propyläen, der Niketempel und das Erechtheion hat Gallas die einzelnen fundiert geschriebenen und interessant zu lesenden Kapitel überschrieben, in denen er dem Leser einen zeitlichen Abriss von der Entstehung bis zum derzeitigen Zustand vermittelt. Die kulturelle Reise, auf die Gallas den Leser und Betrachter mitnimmt, geht weiter durch die antike Stadt Athen - mit Dionysostheater, Odeion des Herodes Atticus, Musen-, Nymphen- und Areshügel, griechische Agorá, Kerameikós, römische Agorá, Hadriansbogen und Olympeion - und dann durch das Athen in frühchristlicher Zeit und im Mittelalter. Und heute?

Dank der Anstrengungen, die Griechenland im Vorfeld der Olympischen Spiele von 2004 unternommen hat, gleichen zum Beispiel die Metrostationen der Innenstadt einem archäologischen Museum, das die Geschichte des jeweiligen antiken Stadtraums vorstellt.

Gallas: „Besonders die Altstadtsanierung der Pláka, die behutsame Rettung historischer Bausubstanz, die Anlage von vielen begrünten Fußgängerzonen und ganz besonders die Realisierung des Archäologischen Parks rund um die Akropolis schenkten Athen städtebauliche Akzente von höchstem Reiz.“
Von besonderem Reiz sind auch die kulturellen Schätze, die Attika zu bieten hat. Gallas stellt antike Grenzstädte vor wie Eghósthena, Eleutheraí, das Heraion am Golf von Korinth, das Kloster Osios Meletíos, die Grenzfestung Pánakton, die Burg von Phylé oder Rhamnús sowie antike Heiligtümer und Metropolen. Der Leser lernt die antike Klinik des Asklepios in Amfiáreion ebenso kennen wie den Artemistempel in Brauron, Laúrion, das „Ruhrgebiet“ der Antike, oder die Eleusinischen Mysterien. Mit zwei kulturellen Zeugnissen der frühchristlichen und der byzantinischen Zeit, der Basilika von Brauron und der Klosterkirche von Daphni, beschließt Gallas seinen Bildband – Zeichnungen und Karten ergänzen die Fotografien - , der die Aufmerksamkeit auf Bekanntes, aber auch manch Unbekanntes aus über dreitausend Jahre Menschheits- und Kulturgeschichte in Athen und Attika lenkt.

Klaus Gallas
Athen und Attika. Zentrum der antiken Welt.
Belser Verlag Stuttgart.
Gebunden. 192 Seiten.
ISBN 3-7630-2262-7

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