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Matthias Steinhart & Eckhard Wirbelauer: Aus der Heimat des Odysseus

  663 Wörter 2 Minuten
2017-02-01 2017-04-24 01.02.2017 522 × gelesen

Dank des Dichters der „Odyssee“ zieht die im Ionischen Meer gelegene Insel Ithaka seit jeher Reisende an - Abenteurer ebenso wie Gelehrte. Viele stellten dort Untersuchungen an, nahmen Grabungen vor. Antiken aus Ithaka sind in alle Welt vertreut worden, während die auf der benachbarten Insel Kephallenia gemachten Funde weitgehend zusammenblieben und sich heute teils im Archäologischen Museum in Neuenburg/Neuchâtel, teils im Britischen Museum in London befinden. Den vor allem bei Grabungen zwischen 1810 und 1815 gemachten Funden galt das Interesse des Archäologen Matthias Steinhart und des Historikers Eckhard Wirbelauer, die in einem zweijährigen Projekt im Rahmen des „Finanzierungspools für zeitlich befristete Forschungsprojekte“ an der Universität Freiburg aus dem noch erhaltenen Material ein „imaginäres Museum“ schufen, in dem sich eindrucksvolle Zeugnisse für das früh- bis späthellenistische Ithaka befinden. Ihre Studien sind unter dem Titel „Aus der Heimat des Odysseus“ in der Reihe „Kulturgeschichte der antiken Welt“ im Verlag Philipp von Zabern Mainz veröffentlicht worden.

„Es wäre ein Leichtes, sich von der Faszination von Epos und Mythos dahintragen zu lassen, homerische Spuren zu suchen, historische Kerne mythischen Geschehens zu ermitteln. Die beiden Autoren sind dieser Versuchung nicht erlegen. Sie haben die Faszination des Suchens und Forschens selbst zum Gegenstand gemacht“, schreibt Hans-Joachim Gehrke in seinem Geleitwort zum Buch. Und weiter: „Sie haben - so weit heute noch möglich - Kontexte rekonstruiert, Kontexte von Forschungen und Grabungen, hinter denen sich eine immer noch wenig bekannte Lebenswelt verbirgt.“ Der disziplinenübergreifende Ansatz, der es ermöglicht, die Auswertung des chorographischen Schriftentums auch für die archäologische Dokumentation und Interpretation fruchtbar zu machen, ist das Besondere dieser Studie.

Zur besseren Orientierung ist den Ausführungen eine ausführliche Zeittafel zur nachantiken Geschichte Kephallenias und Ithakas vorangestellt. Eine farbige Faltkarte hilft ebenfalls bei der Orientierung. Die Untersuchung der antiken Traditionen zu Kephallenia und Ithaka und ihre Rückwirkungen auf die historische Entwicklung der beiden Inseln sowie die Aufarbeitung des nachantiken chorographischen Schrifttums, insbesondere der Reiseberichte und (historisch-)geographischen Literatur über Kephallenia und Ithaka bildeten den Kern einer Arbeit, die Eckhard Wirbelauer, wissenschaftlicher Assistent am Archäologischen Institut der Universität Freiburg, 1998 als Habilitationsschrift vorlegte, informieren die Verfasser einleitend.

Wirbelauer spannt den Bogen von den italienischen Seeleuten, die bereits im 13. Jahrhundert ihre nautischen Kenntnisse in Buchform - so genannte Portolane - zusammenstellten, über die ersten ausführlicheren Schilderungen westeuropäischer Reisender aus dem 15. Jahrhundert und einer neuen Epoche der Reiseschriftstellerei in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die vor allem von Franzosen und Engländern bestritten wurde, bis zum Beginn der britischen Herrschaft und der Archäologie. „Zwischen 1799 und 1825 wurden dann die chorographischen Grundlagen gelegt, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das Wissen über die Ionischen Inseln prägten“, heißt es in der Studie. Breiten Raum widmet der Verfasser unter anderen den Ausgräbern John Fiott/Lee und Carl Haller von Hallerstein, die Grabungsfunde beschrieben und abgebildet haben.

Der in Kapitel 4 präsentierte Katalog des „imaginären Museums“ ist das Werk von Matthias Steinhart, Hochschuldozent am Seminar für Alte Geschichte der Universität Freiburg. Diese Dokumentation verstehe sich auch als Anreiz, sie zu vervollständigen. Da die Kenntnis der Ausgräber für den Verbleib der Funde aufschlussreich sein kann, ist der Katalog nach Grabungsperioden und Ausgräbern geordnet. Aufgelistet werden die Funde des Captain Guiterra, der während seines Aufenthalts als Inselkommandants von Ithaka eine rege Ausgrabungstätigkeit betrieb, die nach seinen eigenen Angaben von 1811 bis 1814 andauerte, die Funde der Neujahrsgrabungen von 1812/13, Funde und Erwerbungen von Thomas Burgon im Jahr 1814 und die Funde von Carl Haller von Hallerstein im Jahr 1914.

Die beiden Verfasser hoffen, „mit dem nun versammelten Material Anstöße zu weiteren Aktivitäten zu geben, nicht zuletzt zur Veröffentlichung von bereits erzielten Ergebnissen. Unser Ziel war es, die Geschichte von der Kenntnis zweier Inseln, die seit der Niederschrift der homerischen Epen auch eine literarische Wirklichkeit besitzen, offenzulegen und einiges ihrer materiellen Hinterlassenschaft zu beschreiben.“

Matthias Steinhart, Eckhard Wirbelauer:
Aus der Heimat des Odysseus.
Reisende, Grabungen und Funde auf Ithaka und Kephallenia bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert.
Kulturgeschichte der antiken Welt Band 87.

Verlag Philipp von Zabern Mainz. 336 Seiten.
146 Schwarzweißabbildungen, 16 Farbtafeln und eine farbige Faltkarte.