Neueste | Meistgesehene
Neueste | Meistgelesene



Rea Revekka Poulhardiou: Eleni - Heimat im Herzen

  608 Wörter 2 Minuten
2017-02-01 2017-04-24 01.02.2017 456 × gelesen

Die Geschichte einer in Deutschland geborenen Griechin erzählt Rea Revekka Poulhardiou in ihrer jetzt im Regensburger Verlag „edition buntehunde“ erschienenen autobiografisch inspirierten Publikation „Eléni - Heimat im Herzen“. Differenziert, sensibel und bewegend schildert die Autorin die innere Zerrissenheit, die das gleichzeitige Hineinwachsen in zwei unterschiedliche Lebensweisen, Sprachen und Kulturen mit sich bringt, zeigt Menschen und Schicksale, die hinter den zurzeit häufig strapazierten abstrakten Begriffen wie Migration und Integration stehen. Die Verfasserin weiß, wovon sie berichtet: Sie wurde 1967 in Vaihingen/Enz als Tochter griechischer Gastarbeiter geboren, wuchs zweisprachig in Deutschland auf, studierte Germanistik, Neurolinguistik und Psychologie in Freiburg und lebt heute als freiberufliche Online-Redakteurin und Schriftstellerin in Regensburg.

Die Schicksale der Generationen gleichen sich, wie der Rückblick Elénis, der als zweites Kind einer griechischen Gastarbeiterfamilie1967 in Ludwigsburg geborenen Ich-Erzählerin in Poulharidous Buch, auf ihre persönliche Biografie in Deutschland und auf die Geschichte ihrer griechischen Familie zeigt.

Poulharidou spannt den Bogen vom Jahr 1922, in dem Elénis Urgroßeltern ihre Heimat in der Türkei verlieren, über das Jahr 1963, in dem Elénis Mutter mit einem Koffer in Thessaloniki den Zug besteigt, um zu ihrem in Deutschland arbeitenden Mann zu fahren, bis in die Gegenwart. Jahreszahlen über den einzelnen Kapitel helfen dem Leser bei der Orientierung, denn die Autorin springt munter durch die Zeiten - kombiniert wichtige persönliche Ereignisse der Familie Elénis mit Daten aus dem Leben der bekannten Griechin Melina Mercouri, die 1977 Kulturministerin Griechenlands wurde.

Wenngleich die in Deutschland geborene Eléni nicht mehr ganz so unbedarft ist wie ihre Mutter, der man bei ihrer Ankunft mitteilte, dass es in Deutschland kein Wasser gebe, man vielmehr hier stattdessen Bier trinken müsse, Konflikte und Missverständnisse gibt es auch noch im Leben der Tochter. Wie kann ein Land Heimat sein, das man noch nie besucht hat, fragt sich Eléni, für die alle Dinge zwei Bezeichnungen tragen: „Ich lerne schnell mit jedem so zu reden, wie er es gern hat. Nur einmal lachten sie, als ich mit dem Arzt, der mich zu Hause besuchte, so sprach, wie wir es in der Familie taten. Alle lachten. Erst da begriff ich, dass ich in zwei Sprachen lebte und bisher nichts davon gewusst hatte. Lachen klingt überall gleich.“

Poulharidou schildert, wie Eléni dann erstmals ihre Heimat Griechenland besucht - und die Großeltern nicht verstehen kann, weil diese Dialekt sprechen. Und sie lässt Eléni über ihren „Lieblings-Cousin“ Dimitri berichten: „An seinem fünfzehnten Geburtstag hört er eine Radiosendung über Ausländer, mit der Aufforderung, sich zu integrieren. Er überlegt, wie er das machen soll, und dann beginnt er, sich zu
integrieren. Er trinkt Bier, isst Currywurst und lacht über Ausländerwitze. Seine spärlichen Kontakte, die er zu anderen Landsleuten hat, bricht er völlig ab.“

Wie sehr sie zwischen zwei unterschiedlichen Lebensweisen steht, muss Eléni, die für ihre nicht gut Deutsch sprechenden Angehörigen bei Arzt- oder Behördenbesuchen dolmetscht, häufig erfahren - unter anderem, wenn ihre Eltern ihr nicht erlauben, mit Freundinnen die Disco zu besuchen oder nach dem Abitur eine Urlaubstour durch Griechenland ohne männliche Begleitung in Person eines Familienangehörigen zu machen. „Ich bin ein Baum. meine Wurzeln suchen das Meer. Allmorgendlich graben sie sich in den Asphalt, höhlen ihn aus, werfen Steine, Erde und Staub in den Himmel, dringen in Höhlen, treiben durch Labyrinthe, brechen die Tiefe auf, spannen sich geädert über das Ufer, kriechen langsam über die Kiesel, hin zur Brandung bis die erste Feuchtigkeit an ihnen saugt. Erst dann beginn ich zu atmen, erst dann schlägt das Herz“, lässt Poulharidou ihre Ich-Erzählerin sagen.
Rea Revekka Poulharidou wurde für ihre Lyrik mehrfach ausgezeichnet: Sie ist unter anderem Preisträgerin des Lyrik-Wettbewerbs der Stadt Augsburg 2004 und des Gedichtwettbewerbes der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes 2002.

Rea Revekka Poulharidou
Eléni - Heimat im Herzen.
Eine deutsch-griechische Geschichte.
Verlag „edition buntehunde“.
82 Seiten.