Neueste | Meistgesehene
Neueste | Meistgelesene



Andreas Knapp: Die Ikone des Kaisers

  642 Wörter 2 Minuten
2017-01-29 2017-04-24 29.01.2017 495 × gelesen

Historischer Roman von Andreas Knapp über den Untergang von Konstantinopel

Die Eroberung Konstantinopels durch die Türken am 29. Mai 1453 hat die Verhältnisse im Südosten Europas und in Kleinasien total verändert. Die Fakten über die Bemühungen Mehmets des Eroberers, Konstantinopel zu unterwerfen, und den Untergang des “Zweiten Roms“, hat der byzantinische Geschichtsschreiber Kritobulos von Imbros festgehalten. Der Theologe Andreas Knapp (Jahrgang 1958) kleidete die Fakten jetzt in die Form eines historischen Romans: Das im St. Benno-Verlag Leipzig erschienene Buch “Die Ikone des Kaisers“ schildert, von Andreas Knapp mit großer Könnerschaft spannend und bildhaft erzählt, die letzten Tage von Konstantinopel - und zwar jeweils aus der Sicht der beiden historischen Personen: Sultan Mehmet II. und Kaiser Konstantinos XX. Palaiologos. Der Autor geht dabei detailliert auf die einzelnen Phasen von Angriff und Verteidigung ein - abenteuerlich liest sich die auf beiden Seiten jeweils angewandte Kriegslist. Und er zeigt in ausführlichen Gesprächen, die er einige Personen führen lässt, die Bedeutung der Ereignisse und die Folgen der Eroberung vor allem für das Christentum auf. Der Leser wird mit hinein genommen in das Spannungsfeld der Begegnung christlicher und muslimischer Weltanschauung. Und inmitten der dramatischen Kämpfe geht es dem Autor auch um ein geistiges Ringen von großer Aktualität: Darf der Mensch im Namen Gottes Krieg führen, Gewalt anwenden?

Byzanz im Jahr 1543: Sultan Mehmet hat eine gewaltige Streitmacht aufgeboten, um den Traum in die Tat umzusetzen, den schon unzählige Heerführer vor ihm träumten, die Eroberung von Konstantinopel, Hauptstadt des Oströmischen Reiches. Die strategisch vorteilhaft auf einer Landzunge gelegene Stadt - umspült im Süden vom Marmarameer und nördlich vom “Goldenen Horn“, das mittels einer Kette vor fremden Schiffen gesichert werden konnte - wurde von gewaltigen Festungsanlagen geschützt, die im Lauf der Jahrhunderte zahlreichen Belagerungen getrotzt hatten. Lagepläne im Bucheinband, ein kurzer Überblick über die Geschichte Konstantinopels und ein Glossar helfen dem Leser, sich leichter zurecht zu finden. Mit Mut und List verteidigen sich Kaiser Konstantin XI., seine Soldaten und seine wenigen Verbündeten zunächst gegen das übermächtige türkische Heer, das vor der Stadt lagert. Die versprochene Hilfe aus dem Abendland bleibt aus - lediglich vier Kriegsschiffe treffen als Unterstützung aus dem lateinischen Westen ein. Auf die neutralen Genuesen konnten die Byzantiner nicht zählen: Dem Gouverneur von Galata ging es mehr um den Erhalt der Besitzungen in Pera am anderen Ufer des “Goldenen Horns“ als um die Verteidigung der Kaiserstadt. Trotz der konfessionellen Spannungen zwischen Lateinern und Byzantinern, auf die Andreas Knapp eingeht, versammelt man sich vor dem großen Angriff zu einem letzten feierlichen Gottesdienst in der Hagia Sophia, bei dem, wie es in dem Buch heißt, Kaiser Konstantin in sich selber seinen Frieden fand: “Er sah die Gesichter, die müden Augen der Kinder in ihrer Unschuld, die erschöpften Blicke der Frauen, er sah auch die Männer, die wie er ihre Waffen abgelegt hatten und nun ohne Rüstung so nackt und verletzlich schienen. Er sah die Alten, die schon viele schwere Tage gesehen hatten und deren Züge von Sorgen abgezehrt und tief eingefallen waren. Hier fand der Kaiser die wahre Ikone Gottes. Nicht mehr in den goldenen Mosaiksteinen, sondern in diesen Gesichtern sah er jetzt das kostbare, göttliche Antlitz, eingeschrieben in Fleisch und Blut. Diese Reihe der Menschen war eine lebendige Ikonostase, durch die man ins Allerheiligste trat, ein Durchgang zum Geheimnis Gottes.“ Durch seine Anwesenheit im Kampfgetümmel und seinen Einsatz flößte der Kaiser seinen Soldaten Mut ein - bis er am 29. Mai 1453 bei der Verteidigung Konstantinopels fällt.

Im badischen Hettingen geboren, studierte Andreas Knapp Philosophie und Theologie in Freiburg und Rom. Nach der Promotion war er viele Jahre in der Hochschulseelsorge und Priesterausbildung in Freiburg tätig. Seit 2000 ist er Mitglied der katholischen Ordensgemeinschaft der “Kleinen Brüder vom Evangelium“. Knapp, der bereits zahlreiche literarische Preise gewonnen hat, lebt zurzeit in Leipzig.

Andreas Knapp: Die Ikone des Kaisers. Die letzten Tage von Konstantinopel.
St. Benno-Verlag Leipzig. Gebunden.
350 Seiten. 9.90 Euro.
ISBN: 3-7462-2149-8.