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Hans Prescher: General Kreipe wird entführt

  626 Wörter 2 Minuten
2017-01-29 2017-04-24 29.01.2017 589 × gelesen

In seiner 1998 eröffneten Reihe „Sedones“ präsentiert der Verlag Dr. Thomas Balistier Bücher, die den Leser auf spannende und unterhaltende Weise über die bewegte und bewegende Geschichte und die faszinierende Kultur Kretas, der größten griechischen Insel, informieren.
Die kleinen Bände, die jeweils ein Thema behandeln, richten sich gleichermaßen an Kenner und Liebhaber und an all jene, für die Kreta noch unbekanntes Land ist. Jetzt sind gleich zwei neue interessante und lesenswerte Bücher in der Reihe erschienen: Hans Prescher erinnert in „General Kreipe wird entführt“ (Sedones 9) an ein Husarenstück auf Kreta im Jahre 1944; Zacharias G. Mathioudakis (Herausgeber) stellt in „Eine Frühlingsfahrt nach Kreta“ (Sedones 10) einen historischen Reisebericht von Martin Rikli aus dem Jahre 1914 vor.

Hans Prescher, „General Kreipe wird entführt“

Als die „wagemutigste und erstaunlichste Aktion“ des Zweiten Weltkriegs wurde die Entführung des deutschen Generalmajors Heinrich Kreipe im April 1944 auf der Insel Kreta bezeichnet. Zwei britische Offiziere einer Spezialeinheit und kretische Partisanen lauerten dem General auf, nahmen ihn gefangen und marschierten mit ihm 18 Tage und Nächte durch die Insel unter der ständigen Gefahr, von den deutschen Besatzungstruppen entdeckt zu werden. Vorgeschichte, Ablauf und die Folgen des in Deutschland wenig bekannten Kommandounternehmens Kreipe schildert Hans Prescher in seinem Buch „General Kreipe wird entführt“.

Hans Prescher (Jahrgang 1930), der bis zur Pensionierung 1994 als Leiter des Bereichs Fernsehspiel und Spielfilme beim Hessischen Rundfunk tätig war, journalistische Beiträge für Rundfunk und Presse verfasst und in München lebt, war bei seinen häufigen Besuchen seit 1961 auf Kreta auf die Entführungsgeschichte Kreipes aufmerksam geworden.

„Zeitungen und Fernsehen auf Kreta erinnern immer wieder an dieses tollkühne Unternehmen. Das ,Cretan Historical and Folklore Museum’, 300 Meter entfernt von der Stelle der Gefangennahme Kreipes, zeigt neben allerlei Kriegsgerät auch Erinnerungsstücke und Fotos von dieser Aktion. Bei der Straßenkreuzung, wo Kreipe gekidnappt wurde, ragt eine schlanke, teilweise von Stacheldraht umgebene Eisenplastik in den Himmel. Der kretische Künstler Manolis Tsombanakis will damit Kretas Kampf für seine Freiheit symbolisieren“, schreibt Prescher. Zunächst nennt der Autor einige wichtige Beispiele für den Freiheitskampf, den die Kreter im Laufe der Geschichte geführt haben, und schildert die Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg, die für die Kreter hart und für alle Beteiligten mit vielen Opfern verbunden war. Leisteten die Kreter doch erbitterten Widerstand, den die deutschen Besatzer mit dem Niederbrennen ganzer Dörfer ahndeten. „Die Verantwortung für die unverhältnismäßigen und unmenschlichen Repressalien lag bei Generalleutnant Friedrich-Wilhelm Müller, Kommandant der in Mittelkreta stationierten 22. Infanteriedivision“, schreibt Prescher. Eigentlich sollte damals Müller entführt werden, doch dann war dieser auf ein Kommando außerhalb Kretas versetzt und Generalmajor Heinrich Kreipe sein Nachfolger geworden. Nach monatelanger Vorbereitungszeit wollte man jedoch auf keinen Fall das Kommandounternehmen, das Prescher im dritten Kapitel des Buches schildert, aufgeben. Kreipe wurde gekidnappt, in einem mehrtägigen Marsch über die Berge ans Meer und schließlich per Schiff nach Ägypten gebracht: “Kreipe kam über England in ein Kriegsgefangenenlager nach Kanada, von wo er 1947 nach Deutschland entlassen wurde.“ Prescher schildert weiterhin in seinem Buch die „Reaktionen der Besatzungsmacht“ und die „Gerichtsverfahren gegen Wehrmachtsangehörige“. Ein Kapitel widmet er Sir Patrick Leigh Fermor, dem „Kopf der Entführer“, der nach dem Krieg als Reiseschriftsteller zu Ehren kam. Zu einem Wiedersehen der Entführer mit General a.D. Kreipe und dessen Frau war es im Mai 1972 in Athen gekommen.

Lob für sein Buch bekam Hans Prescher übrigens von Sir Patrick Leigh Fermor: „Ich bin beeindruckt von der Sorgfalt, mit der Sie alle verfügbaren Quellen ausgewertet haben. Sie haben eine faire und ausgewogene Darstellung geschrieben. (...) Ich war besonders angetan davon, dass Sie die Horaz-Ode zitiert haben. (...) Noch einmal Dank Ihnen für die exzellente und anschauliche Ausarbeitung“, wird dieser aus Brief vom 11. Juni 2007 an den Autor zitiert.

Hans Prescher:
General Kreipe wird entführt.
Ein Husarenstück auf Kreta 1944.
Sedones 9, Verlag Dr. Thomas Balistier, Mähringen 2007,
85 Seiten.