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Antonia Pauly: „Himmelfahrt“ und „Entspannung“

  807 Wörter 3 Minuten
2018-08-21 2018-08-21 21.08.2018 69 × gelesen

Krimis, deren Handlung und Ermittler in einer Region oder Stadt fest verortet sind, erfreuen sich bei Leserinnen und Lesern offenbar größter Beliebtheit. Eifel, Schwarzwald, Allgäu, Nordsee, Ruhrgebiet, Oberbayern (um nur einige wenige zu nennen) – in Deutschland gibt es kaum noch eine Gegend, in der noch kein Kommissar, manchmal schrullig, oft auch bodenständig, auf der Suche nach Mördern unterwegs ist. Ebenso international – in Schweden, Frankreich, Italien, Großbritannien und vielen anderen Ländern mehr rund um den Globus – wird ermittelt, was das Zeug hält. Auch Griechenland hat seine Kommissare, die bereits für manche spannende Buchlektüre gesorgt haben, Petros Markaris, dessen Kommissar Kostas Charitos meist in Athen ermittelt, ist einer der bekanntesten. Dem Lokalkolorit wird bei den sogenannten Regionalkrimis große Bedeutung beigemessen. Und über Lokalkolorit verfügen griechische Inseln sehr. Als Sehnsuchtsorte eignen sie sich, nicht nur an regnerischen und kalten Tagen, für viele Menschen in Deutschland also bestens als Handlungsorte für Mördergeschichten. Jüngste Beispiele – und zwar gelungene – sind die beiden im Verlag Größenwahn erschienenen Bücher „Himmelfahrt“ und „Entspannung“ von Antonia Pauly, in denen Kommissarin Eleni Mylona auf der Insel Zakynthos ermittelt.

In einer Villa, einem luxuriösen Feriendomizil, liegt auf der Türschwelle ein toter Mann: Eine Ladung Schrot mitten ins Gesicht, was für Kommissarin Mylona auf Hass hindeutet, hat Nikos Fotopoulos, Besitzer der Hotelkette „Ionian Islands“ ins Jenseits befördert. Leider wird es in „Himmelfahrt“ nicht bei diesem Mord bleiben. Ihren beruflichen Start auf der Ferieninsel Zakynthos hat sich Eleni Mylona, geschieden, ein inzwischen erwachsener Sohn, der Musik studiert und sein erstes Konzert vorbereitet, anders vorgestellt, wollte sie doch mit ihrer Versetzung nach Griechenland dem harten Arbeitsalltag bei der deutschen Polizei entkommen. Jetzt muss sie nicht nur einen Fall lösen, bei dem Täter und Motiv zunächst weit und breit nicht in Sicht sind, sondern sich auch in einer immer noch von Männern dominierten Arbeitswelt durchkämpfen.

Antonia Pauly, die klassische Archäologie, Byzantinistik sowie Vor- und Frühgeschichte studiert und mit einer Arbeit über Schildkröten in der Antike promoviert und bereits erfolgreiche Kriminalromane etwa rund um das mittelalterliche Köln verfasst hat, packt viele verschiedene Themen in ihren Krimi „Himmelfahrt“ wie etwa eine kleine Liebesgeschichte mit einem französischen Schriftsteller, die Tourismusindustrie oder den Einsatz von Umweltaktivisten für den Schutz der bedrohten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta), knüpft auf der Suche nach dem Mörder zwischen Hotelanlage, Stränden, Tavernenbesuchen und Gesprächen mit ihrem in der antiken Mythologie bestens unterrichteten Vermieter unterschiedliche Handlungsstränge, die sie zunächst eher lose, am Ende allerdings überraschend schnell verknüpft. Der spannende Plot sowie die detaillierten Beschreibungen der handelnden Charaktere, der Gegenden, die so mancher vielleicht aus dem Urlaub kennt, und von Sitten und Gebräuchen machen „Himmelfahrt“ zu einem Lesevergnügen, wenngleich nicht alles eitel Sonnenschein auf dieser Urlaubsinsel Zakynthos ist – und das liegt nicht nur an den ersten herbstlichen Tagen mit Regen.

Dies alles gilt auch für Antonia Paulys Krimi „Entspannung“: Darin ermittelt Kommissarin Eleni Mylona in ihrem zweiten Fall in der Yogaschule Haus Sonnengruß auf Zakynthos. Es ist Mai – wie bereits in „Himmelfahrt“ stehen den einzelnen Kapiteln der jeweilige Wochen- und Monatstag voran. Für die beginnende Ferienzeit auf der Insel sind das gestohlene Notebook eines Österreichers, der die vorwiegend bei deutschsprachigen Frauen besonders beliebte Yogaschule betreibt, und die vor dem Haus Sonnengruß aufgefundene Leiche der Deutschen Renate Lindenfeld nicht gerade die beste Werbung. Auch in „Entspannung“ bleibt es nicht bei der einen Toten. Antonia Pauly lässt „ihre“ Kommissarin Mylona, die dank ihrer ermittlerischen und menschlichen Qualitäten inzwischen nicht nur bei ihrem jüngeren Mitarbeiter Nionio Spirakis, sondern auch bei dem älteren Nionio Gamires besser angesehen ist, hinter die Fassade des Wohlfühltourismus blicken. Wenn Menschen auf der Suche nach Erleuchtung auf den falschen Weg geraten und dem Erleuchtungsguru die eigenen Interessen wichtiger sind, dann gibt es auch in einem in einer idyllischen Landschaft eingebetteten Yogahaus keine Garantie mehr für die ersehnte Erleuchtung, muss Kommissarin Mylona erfahren. Und in „Entspannung“ kommen der Kommissarin, die seit ihrer Versetzung nach Zakynthos jeden Sonntag mit ihrer älteren, in Köln lebenden, Schwester telefoniert, bei den Ermittlungen – mehr noch als bereits in „Himmelfahrt – ihre bei der deutschen Polizei gemachten Erfahrungen zugute.

Antonia Pauly – Himmelfahrt, 202 Seiten Softcover, Verlag: Grössenwahn Verlag, Frankfurt am Main, Erscheinungsdatum: 26.03.16, Aktuelle Auflage: Taschenbuch, Sprache: Deutsch, ISBN-13:  978-3-95771-087-1.

Antonia Pauly – Entspannung, 176 Seiten Softcover, Verlag: Grössenwahn Verlag, Frankfurt am Main, Erscheinungsdatum: 26.03.16, Aktuelle Auflage: Taschenbuch, Sprache: Deutsch, ISBN-13: 978-3-942223-38-6.

AUTORIN:
Antonia Pauly studierte Klassische Archäologie, Byzantinistik sowie Vor- und Frühgeschichte in Würzburg und promovierte mit einer Arbeit über Schildkröten in der Antike. Sie arbeitete für das Erzbistum Köln und für das Rheinische Landesmuseum in Bonn. Seit 2000 ist sie als freie Texterin und Wirtschafts-journalistin  tätig.

Veröffentlichungen:
„Zimmer mit Meerblick“ Episodenroman, A. v. Goethe Vlg., Frankfurt / 2007
„Der Büttel zu Cöln“ historisches Roman, Emons Vlg., Köln / 2008
„Tod auf dem Mühlenschiff“ historisches Kriminalroman, Emons Vlg., Köln / 2009
„Himmelfahrt“ und „Entspannung“, Größenwahn Verlag Frankfurt am Main / 2016