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Andreas Deffner (Hrsg): Griechische Einladung in die Musik

  941 Wörter 3 Minuten
2018-07-16 2018-07-30 16.07.2018 71 × gelesen

Der Größenwahn bittet zum Tanz!

Am 31. Januar 2017, just am Geburtstag des Herausgebers, ist der neue Band der Anthologiereihe „Griechische Einladung“ erschienen. Diesmal geht es „in die Musik“. Der Größenwahn Verlag bittet damit zum literarischen Tanz. Anfang Februar fand in Berlin die offizielle Premierenfeier im Rahmen des diesjährigen deutsch-griechischen Lesefestivals und zu Ehren des 80. Geburtstags des großen „Lindenstraßen-Wirtes“ Panajotis Sarikakis alias Kostas Papanastasiou statt. Dieser öffnete die Bühne seiner Galerie im „Terzo Mondo“ in zentraler Lage am Savignyplatz in Charlottenburg, und die Gäste kamen in Strömen. Schauspieler und Musiker Papanastasiou, der das Vorwort zu „Griechische Einladung in die Musik“ verfasst hatte, erlebte eine restlos ausverkaufte Buchpremiere, wie es sie selten in der Hauptstadt gibt. Zahlreiche Gäste und Fans fanden keine Sitzplätze mehr oder erst gar keinen Einlass in den übervollen Konzertsaal. Dort jedoch erlebte das Auditorium eine Atmosphäre, wie es sie sonst nur auf einem Musikfestival gibt. Neben dem Gastgeber und dem Herausgeber waren weitere elf Autoren der „Einladung in die Musik“ anwesend und lasen ein buntes Potpourri ihrer Texte und Gedichte. Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller waren aus dem gesamten Bundesgebiet und aus zahlreichen Ländern Europas angereist, u.a. aus Griechenland, Österreich, und den Niederlanden. Wer den grenzüberschreitenden Dialog und die griechische Musik liebt, kam hier voll auf seine Kosten. Zu den vielfältigen Auszügen aus dem Buch erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer passend dazu Live-Musik und bedankten sich bei ihrem Gastgeber und den Musikliteraten mit frenetischem Applaus. Ein Abend, wie in einer echten griechischen Bouatkneipe. Was darunter in Griechenland verstanden wird, erfahren die Leser im Text des Herausgebers, in dem auch Kostas Papanastasiou auftritt.

So kurzweilig und unterhaltsam wie die Premierenfeier kommt für den Leser auch das Buch daher. Insgesamt 29 Autorinnen und Autoren aller Generationen und vieler Nationalitäten haben sich auf den Weg gemacht, den Leserinnen und Lesern die Bedeutung der Musik für Griechenland und seine Menschen nahezubringen. So erfährt man vom Gründer der erfolgreichsten Rockband Griechenlands, Pyx Lax – Filippos Pliatsikas: »Für die Griechen war Musik schon immer eine Form von Psychotherapie.« Und der Berliner Rapper Greckoe ergänzt: »Wir lieben heißblütig und leidenschaftlich. Das fließt immer in die Musik.«.

Neben vielfältigen Aspekten aktueller Musik und welche Bedeutung diese für das Alltagsleben der Griechen hat, erfahren die Leser in 31 Kapiteln vieles über die Geschichte der Musik, von der Mythologie über die Antike bis in die Zeit der Militärdiktatur und sogar weit bis in die Zukunft. So erklärt Maria Laftsidis-Krüger, dass das Wort „Musik“ über 2500 Jahre alt ist, und dass bereits Homer den 7/8-Rythmus in seinen Versen verwendet hat. Der deutsch-griechische Liedermacher Felix Leopold beleuchtet das Rembetiko und das Èntechno und die identitätsstiftende Wirkung der Musik allgemein. Alexander Günther lässt in seinem „Klagelied an den Olymp“ die griechischen Götter zu Worte kommen und Steffen Marciniak beschwört „Die Magie der Lyra“ im mythischen Theben. Antonia Pauly nimmt den Leser mit ins Tierreich und erklärt, was die Schildkröte mit der Namensgebung eines berühmten Instruments der Antike zu tun hat, der Schildkrötenleier. Gar nicht „abgeleiert“ ist die X. Geschichte über den großen Mikis Theodorakis: Wenn Melina Proikas, seine Konzertmanagerin, den Leser mit hinter die Bühne nimmt, verursacht das „Gänsehaut pur“. Über die während der Militärdiktatur verbotenen Lieder von Theodorakis und seinen Mitstreitern berichtet Uta Altanis-Protzer in „Hellas, der Kommunismus und die Gitarre“. Die Niederländerin Irma de Groet hingegen huldigt in ihrem Gedicht „Heavenly voice“, das im englischsprachigen Original abgedruckt ist, dem großen Giorgios Dalaras, das wie ein Liebeslied daherkommt. Dalaras, der 2017 auf Deutschlandtournee ist, wird die Dichterin sicher auf seinen Konzerten in der ersten Reihe antreffen und mitsingen sehen. „Dies ist ein Liebeslied“, so heißt der innovativ geschriebene Text der jungen Joana Papageorgiou, die ihre ganz persönliche Liebschaft mit den Tönen des Heimatlandes ihrer Eltern literarisch kommuniziert. Was schließlich mit der Akropolis im Jahre 2037 geschieht, prophezeit Herausgeber Andreas Deffner in seinem Beitrag „Sopran, Bouat und Bier im Glas“, der zwischen den verrauchten Athener Bouat-Kneipen, YouTube-Partys und Beach-Bars im Herzen der Athener Altstadt spielt. Neugierig geworden auf das Gestern, Heute und Morgen der griechischen Musik? Dann Ohren und Augen auf! Denn, so Kostas Papanastasiou: »Die Griechen beschreiben die Geschichte durch ihre Lieder.«

Die „Griechische Einladung in die Musik“ ist ein gelungenes Album, eine Liebeserklärung an die Musik, mit dem Prädikat besonders lesenswert. Und weil die Liebe bekanntlich durch den Magen geht, liefert das Buch auch gleich noch zahlreiche authentische Kochrezepte. Sie stammen aus der Feder von Maria Laftsidis-Krüger, die bei »Das perfekte Dinner« (VOX) und »Die Küchenschlacht« (ZDF) bekannt geworden ist und 2012 die Kochshow »Mein wunderbares Wohnlokal« (VOX) gewann. Die „Palastsuppe“ des Sultans von Konstantinopel ist mein persönlicher Nummer-eins-Hit, der unbedingt nachgekocht werden will. Und dann wird getanzt!

Autoren
Ute Altanis-Protzer

Andreas Arnakis
Irma de Groot
Andreas Deffner
Max Drushinin
Edit Engelmann
Bettina Forbrich
Klaus Grabenhorst
Sylvia Graf
Greckoe (Konstantinos Tsikas)
Paul Gourgai
Alexander Günther
Jannis Karis
Melitta Kessaris
Maria Laftsidis-Krüger
Felix Leopold
Karsta Lipp
Salean A. Maiwald
Steffen Marciniak
Katerina Metallinou-Kiess
Brigitte Münch
Hilda Papadimitriou
Joanna Papageorgiou
Kostas Papanastasiou
Antonia Pauly
Filippos Pliatsikas
Melina Proikas
Sevastos P. Sampsounis
Wolfgang Schulze
Celine Melanie Spieker
Erika Tappe
Hans-Christian Tappe
Fotini Tsalikoglou
Gerburg Tsekouras 

„Griechische Einladung in die Musik“
Hrsg./Autor:
Andreas Deffner
Seiten: ca. 220
Cover: Softcover
Sprachen: Deutsch
Erscheinungsdatum: 31.01.2017
aktuelle Auflage:
1. Auflage
ISBN: 978-3-95771-150-2
e-ISBN: 978-3-95771-151-9 E-Book
16,90 Euro