Neueste | Meistgesehene
Neueste | Meistgelesene



Griechische Künstler in Deutschland & Deutsche Künstler in Griechenland

  3.075 Wörter 11 Minuten
2016-08-19 2017-02-19 19.08.2016 3.916 × gelesen

Die deutsch-griechischen Beziehungen sind seit der Unabhängigkeit Griechenlands vom Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert stetig gewachsen. Insbesondere im Bereich der Kunst führte beispielsweise die Berufung Ottos, des Sohnes Ludwigs I. von Bayern, zum König der Hellenen dazu, dass in den ersten Jahrzehnten des jungen griechischen Staates die offizielle Malerei in deutschen Händen lag und deutsche Bildhauer und Maler wie Christian Siegel, Leonidas Dorsch und Ludwig Thiersch an der staatlichen Kunstschule lehrten. Griechische Maler waren indes im Ausland auf der Suche nach Inspiration aber auch besseren Möglichkeiten. Viele, darunter Symeon Savvadis, Nikolaos Gyzis, Giannoulis Chalepas, Nikos Lytras, Theofrastos Triantafyllidis und Georgios Bouzianis, fanden so in der Münchner Akademie ein ideales Zuhause. Etwa zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung Griechenlands begannen griechische Künstler durch das Programm für ausländische Künstler, das 1963 durch die Ford-Stiftung finanziert wurde und die Gründung des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes 1965, nach (West-) Berlin zu kommen. Dieser Trend setzt sich auch heute noch fort.

Im Rahmen dieser engen deutsch-griechischen Beziehungen wurden 2007 in den Räumlichkeiten der Pinakothek der Stadt Athen Werke von zwanzig deutschen und griechischen Künstlerinnen und Künstlern - je 10 Griechen und Deutschen - zur Schau gestellt. Der Titel der Ausstellung für Zeitgenössische Kunst - „Griechische Künstler in Deutschland Deutsche Künstler in Griechenland“ - verrät Inhalt und Hintergrund des Projekts. Es handelt sich um Personen, deren Schaffen durch mehr oder weniger lange Aufenthalte im jeweils anderen Land beeinflusst und inspiriert wurde. Malerei, Skulpturen, Video, Graphik und Environments sind auf dieser Ausstellung vertreten, Beispiele unterschiedlicher Strömungen von Künstlerinnen und Künstlern, deren gemeinsamer Nenner der Einfluss Deutschlands und Griechenlands auf ihr Schaffen ist. Gegenstand der Ausstellung ist die Erforschung dieses Einflusses. Eröffnungsreden hielten der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Athen, Dr. Wolfgang Schultheiss, die Vorstandsvorsitzende des Kulturvereins der Stadt Athen, Sofi Daskalaki-Mytilineou, der Leiter für Kulturprogramme des Athener Goethe-Instituts Wolfger Pöhlmann sowie die Leiterin der Pinakothek und der Museen der Stadt Athen, Nelli Kyriazi.

Ich betrachtete die ausgestellten Werke am Abend der Eröffnung mit den Augen eines Unwissenden - ich will es nicht leugnen, ist doch meine Kenntnis über den Gegenstand der Ausstellung in etwa vergleichbar mit der eines Eichhörnches über die Abseitsfalle im Fußball. Von meinen Eindrücken will ich nun also berichten. Mit einem Katalog im Arm erklomm ich die Treppe zum 1. Stock der Pinakothek, wo sich die Ausstellung befindet. Ich war glücklicherweise dort, bevor die zu erwartenden Menschenmassen eintrafen, die den Genuss der ausgestellten Werke erschweren würden.

Gleich im ersten Raum öffneten sich mir neue Welten, stand in einem der Ausstellungsräume doch unter dem Titel „Hüftluxation“ eine gesichtlose Figur mit Gipsbeinen auf Rollschuhen, die der 1928 in Athen geborene Vlassis Caniaris 1973 aus Maschendraht gefertigt hatte. Und ich dachte, dass aus diesem Material nur Zäune gemacht werden! Caniaris studierte als junger Mann zunächst Medizin, wandte sich im Jahr 1950 jedoch einem Studium an der Kunsthochschule in Athen zu. Nach Aufenthalten in Rom und Paris arbeitete er von 1972-74 als Gast des Künstlerprogramms des DAAD in Berlin, bevor er 1976 nach Athen zurückkehrte. In Deutschland vollendet er seinen Themenkreis „Emigranten“, inspiriert von den dort lebenden Gastarbeitern und ihren Familien. Er wollte „unter Benutzung möglichst vieler wissenschaftlicher Daten die Probleme, die Bedingungen, die Gründe und die Perspektiven der Leute bestimmen, die im Hinblick auf ihre Zahl ein Land Europas sein könnten“. In Athen hatte Caniaris bis 1996 den Lehrstuhl der Malerei an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule inne. 1991 lehrte er als Gastprofessor in Salzburg. Seine Ausstellungen spannen sich über einen Zeitraum von über 50 Jahren.

Beeindruckend waren für mich auch die Werke „Platten“ (1971) und „Micado“ (1975) von Costas Tsoklis. Zentrales Element ist hier die räumliche Tiefe, die Tsoklis durch das perspektivische Zusammenspiel von Zement und Holz bzw. Zeichnung und Holz und der Schaffung von Reliefs erzielt. Tsoklis wurde 1930 in Athen geboren und studierte an der Athener Kunsthochschule. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre lebte Tsoklis als Stipendiat der Griechischen Staatlichen Stipendienstiftung in Mailand. 1960 zog Tsoklis nach Paris, wo er bis 1970 blieb. Die folgenden zwei Jahre verbrachte er als Stipendiat des DAAD in Berlin und wurde zwischen 1973 und 1983 zum Pendler zwischen Paris und Athen. Zu seinem ständigen Aufenthaltsort machte Tsoklis seine Geburtsstadt im Jahr 1984. Seine Werke schwanken zwischen Malerei und Bildhauerei, seine Wahrheit „bleibt zu finden“.

Die Geduld und Fertigkeit des Künstlers bewundernd, schaute ich mir „la place noire“ (1973) von Constantin Xenakis an. Dies mit Akryl auf Leinwand geschaffene Werk schien mir wie eine abstrakte Darstellung eines Schwarzen Lochs, das am Ende alles verschlingt. Darin verdichten sich unzählige Formen, Striche, Pfeile, Kreise zur Mitte der Leinwand hin und münden in ein schwarzes Quadrat. „Die Melancholie der Zeichen prägte meine Kinderjahre in Ägypten“, hat Xenakis einmal gesagt. Xenakis wurde 1931 in Kairo in die damals zahlreiche Gemeinde der in Ägypten lebenden Griechen geboren. Mit 24 zog er nach Paris, wo er Dekoration und Innenarchitektur sowie Malerei studierte. Im Jahr 1970 bekam Xenakis ein Stipendium für das DAAD-Künstlerprogramm in Berlin, ein Jahrzehnt später ein Forschungsstipendium des französischen Kulturministeriums. Dem ägyptischen Griechen wurden in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von Auszeichnungen zuteil. In einer davon wurde der nun in Paris und Athen lebende und arbeitende Künstler 1986 vom französischen Staat zum „Ritter des Ordens der Künste und Wissenschaften“ ernannt. Xenakis künstlerische Laufbahn umfasst zahllose Ausstellungen, Performances, Aktionen, Environments und Großanlagen, viele davon in Deutschland.

Klaus von Woyskis Bilder griechischer Landschaften weckten in mir insbesondere vor dem Hintergrund der Brände des vergangenen Sommers den Drang, das Betonmeer Athens zu verlassen und der griechischen Provinz wieder einmal einen Besuch abzustatten, bevor auch die letzten grünen Flecken des Landes „asymmetrischen“ und anderen Pyromanen zum Opfer fallen. V. Woyski wurde 1931 in Pommern im heutigen Polen geboren. Im Jahr 1946 wurde seine Familie nach Holstein ausgesiedelt. Als 17jähriger begann v. Woyski eine Zimmermannslehre, die er bald wieder abbrach, um ein Kunststudium aufzunehmen. Bis zum Staatsdiplom als Werkkünstler im Jahr 1956 hat v. Woyski sich im Rahmen seines Studium intensiv mit den Maltechniken der Alten Meister sowie mit Gemälde- und Plastikrestaurierung beschäftigt. Im August 1960 floh der Künstler aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik. In den zehn Jahren bis er die Stelle des Restaurators für das Deutsche Archäologische Institut in Athen übernahm, führte v. Woyski unter anderem Restaurationsarbeiten in Wiesbaden, Oldenburg und Karlsruhe aus. In Griechenland war v. Woyski mit der restauratorischen Betreuung der deutschen Ausgrabungen in Olympia, Tiryns, im Kerameikos in Athen sowie auf Samos beauftragt.

Astrid Kokka ist mit einem Ölbild auf Leinwand, „Ohne Titel (1984), und zwei ebenfalls titellosen mit Tempera auf Papier geschaffenen Werken aus dem Jahr 2003 auf der Ausstellung in der Athener Stadtpinakothek vertreten. Kokka wurde 1937 in Rostock geboren. Sie studierte von 1956-58 Graphik an der Schule für Schöne Künste der DDR und von 1960-63 Malerei an der Kunsthochschule Westberlin. Danach zog Kokka für ein Jahr nach Zypern und ließ sich 1965 in Griechenland nieder. „Das einzigartige Licht Griechenlands mit den endlosen Versionen gestaltet neue Oberflächen, Grenzen, Tiefe, Massen, Distanzen und Farbnuancen“, so Kokka. Von 1968 bis 1969 studierte sie an der Ecole des Beaux-Arts in Paris. Kokkas künstlerisches Schaffen umfasst etwa vier Jahrzehnte mit Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und Griechenland.

Die „Briefwaage“ (1970) des 1939 geboren und 1994 verstorbenen Alexis Akrithakis machte großen Eindruck auf mich. Dabei handelt es sich um ein 100 x 70 cm umfassendes Werk, das Akrithakis mit Tusche auf Papier anfertigte. Im Griechischen wird diese Technik nach dem Geräusch der Feder auf dem Papier „Tsiki-tsiki“ genannt. Mit unzähligen Ideogrammen verschiedener Dicke und Dichte hat Akrithakis ein komplexes Werk geschaffen, dessen zentrales Element sich dem Betrachter erst nach mehrmaligem Hinschauen als Briefwaage offenbart. Als 29jähriger ging Akrithakis 1968 im Rahmen eines DAAD-Stipendiums nach Berlin. Er blieb 15 Jahre in Deutschland. Für ihn waren Maler keine Künstler, arbeiten erstere doch für Geld für ihre Auftraggeber, während letztere Revolutionäre seien, die ihr Leben jeden Tag aufs Spiel setzten.

Hermann Blauths abstrakte „Toskana“ (2004) und „Bäume am Strand“ (2006), gefertigt mit Öl auf Leinwand lassen den Einfluss der Farben griechischer Landschaften auf die Arbeit des Künstlers erkennen, der seit vielen Jahren in Griechenland lebt. Blauth wurde 1939 in Illertissen geboren. Sein Studium beinhaltete Malerei, Bildhauerei, graphische Künste und Innendekoration in München und Hamburg. Im Alter von 36 Jahren zog Blauth nach Griechenland. Dort unterrichtete er von 1969-72 an der Stavrakos-Schule und bekam für den Zeitraum 1974-76 ein Stipendium des Erziehungsministeriums für Forschungen zur griechischen Mythologie. Seit 1999 hat Blauth, der in Hellas unter anderem Bücher, Plakate und Kalender illustrierte und Wandmalereien in einem Rathaus und einem Krankenhaus anfertigte, die griechische Staatsangehörigkeit. Seine Werke wurden in bislang 56 Einzelausstellungen sowie Gruppenausstellungen gezeigt.  

Aus den Kreationen des verstorbenen schlug mir mehr Dunkelheit entgegen. Die „Menschen am Meer“ (1972) beispielsweise, ein hauptsächlich schwarzweißes Zusammenspiel von Tusche und Aquarell, müssen, so schien es mir, ihren Ausflug bei schlechtem Wetter unternommen haben. Zaprasis wurde 1940 im nordgriechischen Wrissika geboren. Als 10jähriger floh er mit seiner Familie in die DDR. Von 1960-65 studierte Zaprasis an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig. In den letzten vier Jahrzehnten bis zu seinem Tod lebte und arbeitete der Künstler in Spergau, Halle/Saale, Mecklenburg und Griechenland. Tzaprasis war an allen Kunstausstellungen der DDR sowie an Ausstellungen in Frankreich, Italien, Polen, Griechenland, den USA und den Niederlanden beteiligt.

Der Einfluss Griechenlands mit seinen Altertümern, seinen Inseln und seiner antiken Kultur auf Markus Lüpertz ist in seinen titellosen Werken aus den 90ern unverkennbar. Er fertigte sie während seiner Besuche dort an. Tempelsäulen, Statuenköpfe, Amphoren und das Meer sind prominent vertreten. Lüpertz wurde 1941 in Reichenberg, dem heutigen Liberec in der Tschechischen Republik, geboren. Von 1956-61 absolvierte er Studien an der Werkkunstschule in Krefeld und an der Kunstakademie Düsseldorf. Im Jahr 1971 wurde ihm der Preis des Verbands deutscher Kunstkritiker verliehen. Fünf Jahre später kam die Berufung als Professor an die Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, weitere sieben Jahre danach ging es an die Sommerakademie nach Salzburg und im Jahr 1986 an die staatliche Kunstakademie Düsseldorf, deren Rektor er zwei Jahre später wurde. Werke von Markus Lüpertz sind bislang in Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz, den USA, Italien, Belgien, Spanien gezeigt worden.

Irma Deinwallner ist bei der Ausstellung mit den Werken „Terra“ (2006) und „Migration“ (2007) präsent. Beide sind mit Akryl auf Leinwand gemalt. Deinwallners Werke komponieren Abstraktion und Gegenständlichkeit. Sie wurde 1944 in München geboren. In den 70ern und 80ern war sie künstlerisch in Japan und Thailand tätig, wo sie Theater, Kalligraphie und Keramik beziehungsweise alte Gewebe studierte. Im Jahr 1985 studierte sie an der Kunstakademie von München. In den 90er Jahren hielt sich Deinwallner in Mexico auf. Seit 1999 lebt und arbeitet die Künstlerin in Prien und Athen.

Jannis Psychopedis zeigt, was mit Buntstiften alles möglich ist. Sein „Liegender Akt“ (1983) beispielsweise ist ein hervorragendes, auf unzähligen Buntstiftstrichen basierendes Werk, das in seiner Akribie einer grobkörnigen Fotografie kaum nachsteht. Psychopedis wurde 1945 in Athen geboren. Im Alter von 18 Jahren begann er sein Studium in der Graphikwerkstatt der Kunsthochschule von Athen, das er fünf Jahre später erfolgreich abschloss. Im Jahr 1970 bekam Psychopedis ein DAAD-Stipendium, in dessen Rahmen er die Kunstakademie München für ein Aufbaustudium in Malerei besuchte. Nach sechs Jahren in der Hauptstadt Bayerns, wo er unter anderem im Bereich der Bühnenbildnerei für Theater und Film tätig war, führte ihn ein Stipendium im Rahmen des Künstlerprogramms der Stadt Westberlin dorthin. Nach sehr aktiven neun Jahren zieht Psychopedis weiter nach Brüssel, wo er bis 1992 bleibt. Danach schliesst sich der Kreis und der Künstler geht zurück nach Athen, wo er 1994 zum Professor an die Kunsthochschule berufen wird. Auch schrieb er zahlreiche Artikel über die Kunst.

Elke Laganskys “Landschaft“ (2007) aus Akryl versetzte mich in eine zentral- oder südgriechische Umgebung mit kargen Hügeln und vereinzelten Bäumen auf sommerlich gelblichen Feldern, wo hier und da der Fels hervorschaut. Lagansky wurde in Hamburg geboren und studierte von 1971-75 an der Kunsthochschule Düsseldorf, die sie als Meisterschülerin verließ. Darauf folgten zwei Jahre Aufbaustudium an der Ecole des Beaux-Arts in Paris. Seit nunmehr 26 Jahren lebt und arbeitet die Künstlerin in Athen.

Thomas Müller ist unter anderem mit dem Werk “Jukebox“ (1996), einer Dispersion auf Nessel, auf der Ausstellung vertreten. Insbesondere leuchtendes Gelb und Blau, aber auch Schwarz dominieren die im Halbkreis angeordneten Streifen, die mit verschiedenen Dingen verziert in der Mitte des unteren Bildrandes wie durch ein Tor die Form einer weiblichen Person freigeben. Es handelt sich bei dem Bild um ein “kaleidoskopartiges Aufblättern von Ereignissen und Erfahrungen“, so der Künstler. Müller kam 1953 in Dülken zur Welt. Von 1975-81 studierte er in Berlin Bühnenbild an der Hochschule der Künste. In diese Zeit fällt seine Teilnahme an der Künstlergruppe “Galerie am Moritzplatz“. Seit 1984 lebt Thomas Müller in Athen. Seine künstlerische Tätigkeit in den vergangenen drei Jahrzehnten umfasst Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Bühnenbilder für Theater und Film.

In den titellosen Werken von Giorgos Xenos, Kreationen aus Tinte bzw. Akryl auf Papier, die der Ausstellungsbesucher in der Athener Stadtpinakothek besichtigen kann, dominieren Schwarz und Weiß in abstrakter Form. Xenos wurde 1953 in Athen geboren und absolvierte von 1976-82 ein Studium an der Ecole Nationale Superieure des Beaux Arts - Section des Arts Plastiques in Paris. Danach ging Xenos bis 1986 nach Mönchengladbach, von 1988-92 nach Berlin. Nach Deutschland ging er, weil dort “die Möglichkeiten größer sind und mehr passiert“. Seit 14 Jahren hat Giorgos Xenos seinen Lebensmittelpunkt nun wieder in Athen, ist aber weiterhin auf Reisen. Er hat an Ausstellungen hauptsächlich in Griechenland und Deutschland teilgenommen.

Die “Zigeuner-Variationen“ (2005-6), ein mit Mischtechnik gefertigtes Bild von Michalis Arfaras, stellen einen breit grinsenden Zigeuner in verschiedenen farblichen Kompositionen dar. Es handelt sich um ein Sequel des “Zigeuners“, eines Seidendrucks aus dem Jahr 2004. Arfaras erblickte 1954 in Athen das Licht der Welt und studierte von 1975-80 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig. Arfaras ist Preisträger des Graphik-Preises Niedersachsen (1980) und der Europäischen Graphik-Biennale Baden-Baden (1988) und Stipendiat der Regierung Niedersachsen (1982/86), des Wissenschafts- und Kulturministeriums von Niedersachsen (2000) und der Sparkassenstiftung zur Schaffung und Herausgabe von Lithographien in den Werkstätten Quensen (2001). Seit 2006 ist Arfaras, der außer Einzel- und Gruppenausstellungen auch mehrere Animationsfilme produziert hat, Professor und Direktor des Bereichs Graphik an der Kunsthochschule von Athen.

Christos Bouronikos ist bei der Ausstellung in der Pinakothek der Stadt Athen unter anderem mit einem Kopf dabei, der Teil eines Werkes aus Wachs, Schlauch, Wärmeflasche, Stoff, Holz und Text ist und sich dem Betrachter mit den Worten “I am a terrorist“ (2005-06) vorstellt. Ein Werk, das sich auf ironische Weise mit dem Thema des Terrorismus befasst, der uns besonders in den letzten Jahren als internationales Phänomen ins Bewusstsein gerückt ist. Bouronikos wurde 1958 im nordgriechischen Paraskevi bei Grevena geboren. Er studierte von 1981-86 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Seine Werke sind bislang in Griechenland, Deutschland, Italien, Schweden, Luxemburg und Japan gezeigt worden.  

Moderne Kunst besteht jedoch nicht nur aus Bildern und Kreationen aus Materialien wie den eben genannten, sondern beinhaltet auch Videos. In einem solchen mit dem Titel „Metaboli“ von Jannis Markopoulos gräbt sich eine in weißen Stoff gehüllte Person erst am Strand ein und wird danach von kleinen, sich brechenden Wellen im Meer umspült, der Veränderung preisgegeben. Markopoulos ist gebürtiger Athener, Jahrgang 1962. Er begann mit dem Studium der Malerei an der Kunstschule der Aristoteles-Universität in Thessaloniki 1984-85 und nahm es nach einer Unterbrechung im Jahr 1987 in Berlin wieder auf. Seine Werke sind außer Griechenland und Deutschland auch für Kunstinteressierte in Kenia, Spanien, den USA, Großbritannien, Belgien, Österreich, Puerto Rico und Portugal ausgestellt worden.

Ein weiterer der in der Pinakothek vorgestellten Künstler, die gerne titellose Kreationen zu schaffen scheinen, ist Apostolos Palavrakis. Dessen “senza titolo (Malinconia di Partenza II)“ aus dem Jahr 2007, gefertigt aus Öl und Ölkreide auf Landwand, ist ein Zusammenspiel dunkler Farbtöne mit Rot und Beige. Palavrakis ist ebenso wie Markopoulos Jahrgang 1962 und ein Sohn der mittelgriechischen Stadt Trikala. Mit 18 Jahren ging er für ein zweijähriges Musikstudium nach Athen. Im Jahr 1983 verließ er Griechenland und emigrierte nach Dortmund, wo er von 1984-92 Architektur an der dortigen Fachhochschule studierte. In den 90er Jahren hielt er sich unter anderem in Italien, Irland und Griechenland auf. Mit 26 bekam Palavrakis den Ehrenpreis der Stadt Dortmund für Bildende Kunst. Seine Werke wurden bislang in Deutschland, Griechenland, Spanien, den USA und Italien ausgestellt.

Der “Narziss“ (2005) von Dimitris Tzamouranis, ein Werk aus Öl auf Leinwand, zeigt seinen Sohn, der sich am Ufer liegend im Wasser betrachtet und seinen Vater, den Künstler selbst, erblickt. Tzamouranis wurde 1967 in Kalamata im Südwesten des Peloponnes geboren. Als 18jähriger ging er für ein Studium der Malerei an der Kunstschule der Aristoteles-Universität für fünf Jahre nach Thessaloniki. Danach zog es ihn, wie so viele seiner Kollegen, nach Berlin, wo er 1994 die Hochschule der Künste mit dem Titel des Meisterschülers absolvierte. Tzamouranis lebt und arbeitet weiterhin in der deutschen Hauptstadt.

Die aus Birnbaumholz gefertigte “Aphrodite“ (1995) des deutsch-griechischen Künstlers Alexander Pfaff, zur Schau gestellt in einem für sie reservierten Raum, beeindruckt den Betrachter mit ihrer perfekten Form. Sie verkörpert die Besorgnis des Künstlers hinsichtlich der bestehenden Umweltprobleme. Geboren 1968 in Hannover, studierte Pfaff von 1991-99 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, die er als Meisterschüler verließ. Seine Tätigkeit umfasst Einzel- und Gruppenausstellungen, Public Art und Performance/Aktionen. Seit einigen Jahren organisiert Pfaff künstlerische Workshops für Kinder und Jugendliche.

Alles in allem ist die Ausstellung sogar für erklärte Banausen wie mich eine äußerst interessante Reise in die Sphären der Kunst, die jeder unternehmen sollte. Ich war daher einige Tage nach der Eröffnung an einem ruhigen Vormittag ein zweites Mal in der Pinakothek, um die Werke richtig auf mich wirken zu lassen. Das einem auf Schritt und Tritt folgende Sicherheitspersonal, das den Eindruck erweckt, als ob es den Besucher als potentiellen Dieb betrachtet, trägt leider nicht unbedingt zum Genuss der Ausstellung bei. Es wäre angebrachter, Sicherheitskameras zu installieren, die sind etwas diskreter.
Um diesen Artikel positiv zu beenden, soll kurz auf die Programme für Schüler hingewiesen werden, die der Kulturverein der Stadt Athen in der Pinakothek anbietet. Schulklassen wird so die Möglichkeit gegeben, in Begleitung ihrer Lehrer den Kontakt zur Kunst herzustellen, beziehungsweise zu stärken und gegebenenfalls versteckte Talente ans Licht zu holen. Diese Programme beinhalten Einführungen in Kunstrichtungen, die nötigen Werkzeuge, Vorführungen und Treffen mit Künstlern.

Es wurden keine Bilder für das Keyword Vlassis Caniaris gefunden.