Neueste | Meistgesehene
Neueste | Meistgelesene











OROPOS - und du, geschundenes Volk, vergiss nicht Oropos

  754 Wörter 3 Minuten 66 × gelesen
2020-07-29 2020-07-29 29.07.2020

Oropós (griechisch Ωρωπός) ist eine griechische Gemeinde im Nordwesten der Halbinsel Attika. Der Ort liegt etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Athen im Regionalbezirk Ostattika.

Das Gelände, auf dem sich später die Gefängnisse von Oropos befinden, wurde von dem Bankier, Politiker und Philanthrop Andréas Syngrós (1830-1899) im Jahr 1897 an die Gemeinde abgegeben.
Bis 1933 wurden die dort errichteten Gebäude als Waisenhaus genutzt. Als der griechische Staat das Gelände damals aufkaufte, dienten die Gebäude fortan als Gefängnis. Nachdem ein heftiges Erdbeben am 20. Juli 1938 die Gebäude zerstört hatte, wurden sie anschließend wieder neu errichtet und weiterhin als Gefängnis verwendet.

Während der griechischen Militärdiktatur (1967-1974) wurden die Gefängnisse von Oropos für die Inhaftierung politischer Gefangener genutzt. Dort waren beispielsweise die Politiker Manólis Glézos (1922-2020), Charílaos Florákis (1914-2005) und Andréas Lentákis (1935-1997) eingesperrt. Einer der berühmtesten Häftlinge in Oropos war der Komponist Míkis Theodorákis, der über seine Inhaftierung dort das Lied „Μην ξεχνάς τον Ωρωπό” (Vergiss nicht Oropos) schrieb.
Nach dem Sturz der Militärjunta wurde eines der Gebäude von 1976 bis 1989 vom Gymnasium von Oropos genutzt, ein anderes Gebäude vom Konservatorium der Gemeinde Oropos.

Am 21. Juli 2020 wurden die ehemaligen Gefängnisse vom griechischen Justizministerium im Rahmen einer festlichen Veranstaltung an die Gemeinde Oropos übergeben, die dort ein „Zentrum für Geschichte, Demokratie und Kultur“ einrichten will. Bei der Veranstaltung war die politische Führung Griechenlands gut vertreten: Der griechische Ministerpräsident Kyriákos Mitsotákis, die Staatspräsidentin Katerína Sakellaropoúlou und der Präsident des Parlaments von Griechenland Konstantínos Tasoúlas. Sie erhielten eine Führung durch die zum „Ort von historischer Bedeutung“ erklärten Gefängnisse von Oropos und besuchten auch die Zelle, in der Theodorákis inhaftiert war. Mitsotákis würdigte den Widerstand gegen die Junta in Gestalt der Kämpfer, die hier eingesperrt waren und meinte: „Dem Aufruf von Míkis getreu vergessen wir Oropos nicht“. Er betonte, dass die Linke tatsächlich einen wesentlichen Anteil am Widerstand gegen die Junta gehabt habe, was sich auch an der Auflistung derer zeige, die hier eingesperrt waren. Er wies darauf hin, dass die Obristendiktatur jede Freiheit und jede Rechtmäßigkeit mit Füßen getreten habe, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt des Landes verhindert und Griechenland vom restlichen Europa abgeschnitten habe. „Heute wird unsere Regierungsform und die Freiheit der Griechen weder von Obristen noch von Panzern bedroht. Die Gefahr kommt von anderer Seite. Sie werden bedroht durch den demagogischen Populismus. Von den leichten Antworten auf schwierige, komplizierte Fragen“.
Die griechische Staatspräsidentin Katerína Sakellaropoúlou sagte in ihrer Ansprache: „Die Umwandlung der ehemaligen Gefängnisse von Oropos in ein Zentrum für Geschichte, Demokratie und Kultur ist ein symbolischer Akt des Gedenkens und der Verantwortung, des Gedenkens der Kämpfe aller, die sich der Diktatur widersetzten, der Verantwortung, diesen Kämpfen zu ihrem Recht zu verhelfen“.
Für den Σύνδεσμος Φυλακισθέντων και Εξορισθέντων Αντιστασιακών 1967-1974 (Verband der inhaftierten und verbannten Widerstandskämpfer 1967-1974) sprach dessen Vorsitzender Spýros Chalvatzís. Er war selbst während der Militärdiktatur auf die Inseln Gyáros und Léros verbannt worden und in Oropos inhaftiert gewesen. Er sagte: „Dieser Ort ist für uns Kämpfer gegen die Diktatur nicht einfach ein weiterer Museumsort. Es ist ein Ort, wo Archivmaterial über den Kampf des Volkes und der Jugend gegen die Diktatur gesammelt werden soll. Ein Ort, wo es den Besuchern und insbesondere den jungen Männern und Frauen unseres Vaterlandes ermöglicht werden soll, genau zu erfahren, was ihre Väter und Großväter in jener Zeit gemacht haben“.

Míkis Theodorákis konnte an der Veranstaltung selbst nicht teilnehmen, schickte aber ein Grußwort. So hat er wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag immerhin noch die Gewissheit erlangt, dass das griechische Volk Oropos nicht vergessen hat.

Ο πατέρας εξορία και το σπίτι ορφανό
ζούμε μες στην τυραννία, στο σκοτάδι το πηχτό
Κι εσύ λαέ βασανισμένε, μην ξεχνάς τον Ωρωπό.

Κλαίει κι η μάνα τώρα μόνη, κλαιν τα δέντρα, τα πουλιά
στην πατρίδα μας νυχτώνει, ορφανή η αγκαλιά
Κι έσυ λαέ βασανισμένε, μην ξεχνάς τον Ωρωπό

Μες στα σύρματα κλεισμένοι, μα η καρδιά μας πάντα ορθή
πάντα ο ίδιος όρκος μένει, λευτεριά και προκοπή
Κι εσύ λαέ βασανισμένε, μην ξεχνάς τον Ωρωπό

Der Vater in der Verbannung und das Haus verwaist
leben wir in Tyrannei, in tiefer Dunkelheit
und du, geschundenes Volk, vergiss nicht Oropos

Es weint die Mutter, alleine jetzt, es weinen die Bäume und Vögel
in unserm Vaterland wird’s Nacht, niemand, der dich in den Arm nimmt
und du, geschundenes Volk, vergiss nicht Oropos

Hinter Drahtzaun eingesperrt, bleibt unser Herz doch immer aufrecht
derselbe Schwur gilt immer, Freiheit und Fortschritt
und du, geschundenes Volk, vergiss nicht Oropos