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Die Musikinstrumente in der Antike

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2017-08-27 2017-08-27 27.08.2017 386 × gelesen

Instrumente, die klanglich das Leben und die Riten der Menschen in der Antike begleiteten, sind schon seit dem 3. Jh. v. Chr. fassbar, wobei wir die Kenntnis dieser frühen Musikinstrumente Marmorfiguren, reliefierten Siegeln, Wand- und der Vasenmalerei verdanken. Doch es entwickeln sich erst in der archaischen Zeit (7. und 6. Jh. v. Chr.) Instrumente, die für die gesamte Antike kanonisch bleiben. Die wichtigsten Instrumententypen sind der Aulos und die verschiedenen Formen der Leier. Letztere gehört in die Gruppe Saiteninstrumente, zu denen gleichfalls die Kithara, die Chelys, das Barbiton und die Wiegengitarra zählen.

Die Kithara war die prunkvollste unter den Leiertypen und wurde auf den Darstellungen vorzugsweise von den Göttern Apollon und Hermes gespielt. Doch es gab auch Berufsmusikanten, welche man an ihrem besonders prachtvollen Gewand, dem sog. Kitharödengewand, erkennen konnte. Die antike Kithara besteht aus einem großen Schallkasten, aus dem sich die nach oben verjüngenden Seitenarme erheben. Die oberen, massiven Enden der Seitenjoche tragen das Querjoch. Häufig werden die Seitenjoche an ihrer Innenseite durch eine filigrane Konstruktion verstärkt, deren Bedeutung sich nicht eindeutig erschließen lässt. Möglicherweise sollten die Verstrebungen die Schwingungen auffangen, da sie aber häufig fehlen, wäre auch eine rein ornamentale Bedeutung denkbar. Das Querjoch besitzt an beiden Enden eine Scheibe, die wohl zum groben Stimmen der Saiten genutzt wurde. Diese waren am Querjoch mittels sog. kollopes befestigt. Die antiken Wirbel bestanden aus Schweineschwarten, welche beim Erhärten der Saite festen Halt gaben und ihr Stimmen ermöglichten. Als mythischer Erfinder der Chelys (Schildkrötenleier) gilt Hermes. Im homerischen Hymnos an Hermes wird mit der Herstellung einer Leier die erste Tat des neugeborenen Gottes erzählt: Er tötete eine Schildkröte, nahm sie aus, bohrte zwei Löcher in den Panzer zur Aufnahme der Hölzer, die als Saitenarme dienten, bespannte den Schallkörper mit Rinderhaut und befestigte sieben Saiten aus Schafdarm. Später wird er das Instrument seinem Bruder Apollon als Entschädigung für die Rinder, die er ihm gestohlen hatte, überlassen. Als Ersatz für die Leier erfindet sich Hermes später die Syrinx (Panflöte). Die Chelys fand in allen Bereichen des griechischen Lebens (Wettkampf, Schule, Kult, Mythos, Alltag) Verwendung. Eng verwandt ist damit das Barbiton. Im Prinzip ist es eine Schildkrötenleier mit stark verlängerten Seitenarmen, deren Klang durch die langen Saiten ziemlich tief gewesen sein muss (links ein Ausschnitt des Außenbildes der berühmten Brygosschale in Würzburg). Es findet fast ausschließlich im dionysischen Bereich Verwendung und wird häufig von Satyrn gespielt.

Neben der genannten Kategorie sind auch die Blasinstrumente zu nennen. Das wichtigste Blasinstrument der alten Griechen war der Doppelaulos, welcher schon im 3. und 2. Jh. v. Chr. im ägäischen Raum gebräuchlich war. Ab 700 v. Chr. wird er neben der Leier zum wichtigsten Musikinstrument. Er wird immer gedoppelt gespielt. Häufig wird er fälschlicherweise als Doppelflöte bezeichnet, nach Ausweis der zahlreichen Vasenbilder handelt es sich jedoch eindeutig um Rohrblattinstrumente. Ein weiteres Blasinstrument ist die Salpinx. Diese besteht aus einem langen Rohr, welches sich am Ende glockenförmig erweitert, was einer modernen Trompete gleichkommt. Sie wurde vor allem als militärisches Signalinstrument eingesetzt. Bei den Spielen, z. B. den Panathenäen oder den Olympischen Spielen, diente sie auch dazu, die Wettkämpfe einzuleiten.

Syrinx (Panflöte) Die Syrinx hat im ägäischen Bereich eine lange Tradition und war schon im 3. Jh. v. Chr. bekannt. Sie besteht aus mehreren Pfeifen, welche meist in einem Winkel von 45o angeblasen werden. Die unterschiedliche Tonhöhe entsteht entweder durch verschieden lange Pfeifen oder durch Auffüllen der Rohre mit Wachs. Als mythischer Erfinder der Syrinx gilt Hermes, der das Instrument seinem Sohn Pan, dem Gott der Hirten, überließ. So findet sich das Instrument meist im bukolischen Bereich. Schon bei Homer (Ilias XVIII 526) erfreuen sich die Hirten am Spiel der Syrinx.

Rhythmusinstrumente spielten während der gesamten griechischen Antike nur eine geringe Rolle und fanden ab dem 6. Jh. v. Chr. fast nur im dionysischen Bereich und beim Symposion sowie dem daran anschließenden Komos (fröhliches Treiben der Zecher) Verwendung. Sie wurden fast durchgehend von Frauen gespielt. Die wichtigsten Instrumente sind die Krotala, Kymbala und das Tympanaon. Das Tympanon ist eine zweifellige Rahmentrommel im Kult des Dionysos und wurde meist von Frauen gespielt. Krotala sind paarweise gespielte, den modernen Kastagnetten vergleichbare Klanghölzer mit verdicktem Ende und wurden meist von Frauen beim Symposion/Tanz oder von Mänaden im dionysischen Bereich gespielt. Kymbala sind eherne Schallbecken und wurden selten gespielt. Sie fanden sich meist im Kult von Frauengottheiten (Athena, Artemis, Persephone) und haben wohl einen Unterweltsbezug. Glöckchen fanden sich meist im Kult weiblicher Gottheiten. Ihnen wurde eine apotropäische Wirkung zugeschrieben.

Aus dem Griechischen Maria Deoudi

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