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Die Musik in der Antike

2017-08-27 2017-08-27 27.08.2017 251 × gelesen 3 Minuten

„Der Mensch braucht nicht Essen, er braucht nur einen Inhalt. Und das kann die Musik sein. Nicht die Malerei und nicht der Goethe mit dem Shakespeare, denn die Musik macht uns vergessen. Zeit existiert dann nicht mehr. Man hört, und speziell in einer schwierigen Situation ist man verzaubert, in einer anderen, in einer besseren, hoffnungsvolleren Welt.“
Alice Herz-Sommer

Über die Musik der griechischen Antike wissen wir sehr wenig, es gibt nur eine kleine Anzahl direkter Zeugnisse, die Einblicke erlauben. Zu den berühmtesten Beispielen gehören die Stele des Seikilos (altgriechischer Grabstein in Tralles, auf dem die Vorform einer musikalischen Notation gefunden wurde), wie auch die zwei Paianen (delphische Hymnen an Apollon), die in Delphi am Schatzhaus der Athener in Stein gemeißelt waren und 1893/94 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Die Überlieferungssituation ist auch ein Grund, weshalb die Erforschung der Musik der Antike in der modernen Altertums- und Musikwissenschaft lange vernachlässigt wurde. In der Antikenforschung konnte sich der Themenbereich kaum gegenüber dem europäischen Interesse an der Architektur und den Skulpturen der antiken Klassik behaupten. Auch die Dichtkunst und das antike Theater fanden mehr Beachtung. 

Doch das aufmerksame Studium der Vasenbilder öffnete neue Horizonte und ermöglichte neue Einsichten in den unbekannten Bereich antiker Musik und vor allem der Rolle, die der Musik in der griechischen Gesellschaft zukam. Sie sind mitunter die einzige Quelle, die einen Blick auf die Musikinstrumente und das Musizieren in der Antike erlaubt. Ein Hinweis auf den hohen Stellenwert, die man der Musik in der Antike selbst beimaß, zeigt sich daran, dass der Begriff Musik (zumindest im 4. Jh. v. Chr.) abgeleitet worden ist aus der Beschreibung der Kunst der Musen. Dabei war Musik aufs engste verwoben mit der metrischen Dichtung und wurde visualisiert durch rhythmische Bewegung, die die Einheit von Musik und Dichtung wiedergibt. 

Betrachtet man die antiken Quellen, wird deutlich, dass die musischen Darbietungen vor allem in der Klassik (5. und 4. Jh. v. Chr.) eng verbunden waren mit den Göttern Apollon und Dionysos. Nach den Ausführungen Platons sorgten die Götter dafür, dass die Menschen sich von ihren Mühen erholten, indem sie musische Feste feierten und gemeinsam mit den Musen ihre Mühsal vergessen konnten.

Die Kraft, die von der Musik ausging, mag man daran ermessen, dass viele Mythen diese besingen. Amphiaros, so will es die Überlieferung, hat die mächtige Stadtmauer mit den sieben Toren bei Theben in Boiotien nur durch die Kraft der Musik erbaut. Apollon wiederum verlieh Alkathos durch das Spielen auf seiner Kithara die Kraft, die Stadt Megara zu erbauen. 

Folgt man z. B. Platon, so kommt der Musik sogar ein wesentlicher Einfluss auf die Wesensbildung und die Erziehung eines Menschen zu. In Sparta z.B. waren die Agone, die rituell den Übergang des Epheben (junger Mann) in die Gruppe der Erwachsenen markierten, eng verbunden mit musischen Agonen. Bekannt sind aus Sparta die Hyakinthia (bestehend aus Gesang, Tanz und festlichen Prozessionen) und die Karneia  (Fest zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Karneios. Dabei wurde ein Musik-Wettkampf der Kitharoeden veranstaltet), der den Abschluss der Ausbildung junger Männer bezeichnete. 

In der Antike gab es im Bereich der Musik Agone im Singen von Liedern, Hymnen, Dithyramben und Siegesgesängen. Als musikalische Begleitung konnten vor allem die Kithara oder der Aulos dienen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die kultischen Festspiele in Olympia, die pythischen Spiele in Delphi und die isthmischen Spiele, bei denen die musischen Wettkämpfe (poetische und musikalische) eine hervorragende Rolle einnahmen. Speziell die pythischen Spiele waren ursprünglich musikalische Agone zu Ehren des Apollon zu Delphi. 

Nicht zu vergessen sind dabei auch die Feste der Ekstase und des Rausches, die Dionysos geweiht waren. Umzüge und Prozessionen, die von den Mänaden angeführt wurden und die Teilnehmer zu ekstatischen und rauschhaften Zuständen verführten, wurden jedes Jahr beim Fest der Dionysien begangen. Sie bildeten einen Gegenpol zu den beherrschten und geordneten Spielen zur Ehren Apollons. Aus den kultischen Gesangs-, Tanz- und Opferriten entwickelte sich die griechische Tragödie und Komödie in religiösem Kontext.

Musik wurde auch in der Heilkunst verwendet. Die wichtigsten Gesänge, die sowohl von den Orphikern (eine religiöse Strömung, die sich ab dem 6./5. Jh. v. Chr. in Griechenland ausbreitete) als auch von den Pythagoreern (Angehörigen einer religiös-philosophischen, auch politisch aktiven Schule, die Pythagoras von Samos Ende des 6. Jhs. v. Chr. in Unteritalien gründete und die nach seinem Tod noch einige Jahrzehnte fortbestand) zur Heilung eingesetzt wurden, waren Beschwörungsformeln und Paianen. Erstere stammen vorwiegend aus dem Bereich der Magie, die Paianen sind die Hymnen des Apollon. Beide Liedformen halfen bei Krankheiten, aber auch bei Liebeskummer und wurden nicht zuletzt eingesetzt, um Dämonen und böse Geister zu vertreiben. 

Durch die Paianen konnten man heilen, aber auch Unglück herbeiführen, je nach Beschwörungsformel. Im Kontext des Kultes zu Ehren Apollons dienten die Gesänge außerdem der rituellen Reinigung, die eine wichtige Voraussetzung war, um sich dem Gott nähern und opfern zu können und auch um eine Verbindung mit den kosmischen Elementen zu erwirken. 

Nach allem was man über die Musiktheorie der Antike heute noch weiß, kannten die Griechen die Polyphonie und man bediente sich einer Reihe von Musikinstrumenten, von denen die Lyra des Apollon am bekanntesten ist, aber auch der Aulos (Doppelflöte) hatte große Bedeutung. Die Feste des Dionysos wurden auch von Tympana begleitet. 

Zudem war Musik Teil des täglichen Lebens in der Antike. Sie begleitete die Feste, die sportlichen, erzieherischen, therapeutischen Aktivitäten des Lebens. Auch die Trauer wurde durch Musik ausgedrückt. In der Antike war man sich immer einig, dass Musik einen großen Einfluss auf die menschliche Psyche ausübt, und dass man durch die Musik mit den kosmischen Elementen in Verbindung treten konnte. 

Aus dem Griechischen Maria Deoudi

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