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Interview mit ALEXANDRA GRAVAS, Mezzosopranistin

  765 Wörter 3 Minuten
2017-08-05 2017-08-05 05.08.2017 227 × gelesen

D. Pergialis: Sie sind eine Griechin der zweiten Generation in Deutschland. Sie haben Musikwissenschaften und Philosophie studiert. Wie hat Sie der Gesang gewonnen?
A. Gravas: Der Gesang hat mich nie gewonnen…er war immer schon da, ein Teil meines Lebens von Anfang an. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich immer gesungen. Es war so natürlich für mich wie für die meisten Kinder. Der Unterschied war wohl, dass sich meine Gesangsstimme immer von den anderen Kindern durch ihre frühe Reife und Klangfarbe unterschied. Als Jugendliche habe ich dann auch von der großen Gesangskarriere geträumt, mich eher als Popsängerin gesehen und nicht als ausgebildete Mezzosopranistin! Das Studium der Musikwissenschaften und der Philosophie waren rein interessenshalber. Gebiete, die mich schon immer interessierten und mir auch sehr viel Spaß gemacht haben. So kam es dann dazu, dass ich die Theorie mit dem Gesang parallel studierte. 

D. Pergialis: Sie sind eine bekannte griechische Mezzosopranistin, doch Ihr Programm ist sehr umfangreich und umfasst unterschiedliche Arten des Gesangs. Was lieben Sie am meisten?
A. Gravas: Ja, das stimmt. Gott sei dank lebe und arbeite ich in einer Zeit, in der die verschiedenen Musikgattungen auch übergreifend ausgeübt werden können, zumindest tue ich das. Der Ausdruck „Crossover“ ist heutzutage auch der gängige Begriff. Ich habe aber auch das Glück, dass ich in meiner bisherigen Karriere mit verschiedenen Musikgattungen beruflich in Berührung kommen konnte und auch ausprobieren durfte. Es gibt natürlich auch Hemmschwellen, wie: „kann und darf man als klassisch ausgebildete Sängerin sich in der U-Musik bewegen?“ Meine Antwort ist „JA“. Ich bleibe meinem Motto treu: Musik, die aus meinem Herzen kommt, kann nicht falsch sein! Schwierig fällt es mir jedoch, eine eindeutige Anwort auf die Frage zu finden, was ich am liebsten singe… schwer zu sagen… wahrscheinlich doch meine geliebten griechischen Lieder!

D. Pergialis: Welche Unterschiede sehen Sie zwischen der deutschen und der griechischen Musik?
A. Gravas: Das ist eine Frage, die man mit ein paar Sätzen nicht beantworten kann. Von welcher Musik sprechen wir? Der U-Musik, der E-Musik, traditioneller Musik, zeitgenössischer Musik? Ich persönlich bin gegen Verallgemeinerungen. Man muss schon konkrete Beispiele anführen, wenn man über eine solch große Thematik sprechen möchte.
Für mich ist das Ausschlaggebendste in der Auswahl meiner Lieder, dass ich mich stimmlich, sprachlich und emotional in den Liedern wieder finden kann und das Gefühl habe, dass ich diese mit meiner Stimme so wiedergeben kann, dass sie ehrlich beim Zuhörer ankommen. Mein Glück ist, dass ich kulturell, sprachlich, aber auch musikalisch in beiden Musikkulturen beheimatet bin.

D. Pergialis: Spüren Sie selber eine Veränderung in den deutsch-griechischen Beziehungen?
A. Gravas: Wenn man den Medien glauben schenkt, dann sollte man wohl meinen, dass es Veränderungen gibt, aber wenn sie mich fragen, sehe ich in meinem unmittelbaren Freundeskreis keine Veränderungen. Aber man muss immer stetig daran arbeiten. Ich glaube fest an die deutsch-griechische Freundschaft… “Wie in guten so auch in schlechten Zeiten“!

D. Pergialis: Sie haben ein Benefizkonzert zugunsten der SOS-Kinderdörfer Griechenlands in der Alten Oper Frankfurt organisiert und mitgestaltet. Was hat Sie dazu veranlasst?
A. Gravas: Die Berichterstattung über die Lage der SOS Kinderdörfer Griechenlands im griechischen Fernsehen ERT, SAT und im ARD Morgenmagazin haben mich regelrecht aufgewühlt. Die neue Verarmung griechischer Familien; die Sorgen der Eltern um ihre Kinder. Als Mutter und Griechin hat mich das doppelt erschüttert. Es war alles ganz spontan, und ich bin überglücklich, dass es ein großer Erfolg geworden ist in jederlei Hinsicht: musikalisch, finanziell und auch hinsichtlich der Medien. Das griechische (ERT) und deutsche (ARD) Fernsehen, sowie auch die Presse waren fantastische Partner! Mit der griechischen Gemeinde Frankfurt e.V.-Hessen haben wir dieses große Konzert verwirklicht. Mit der griechischen Komponistenlegende Mimis Plessas und seinem Ensemble, dem unvergleichlichen deutschen Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich, der Pianistin Despina Apostolou, unserem tollen Publikum und unseren spendablen Sponsoren und Freunden! An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön!

D. Pergialis: Beruflich sind Sie viel in der Welt herumgekommen. Wird es jetzt ruhiger?
A. Gravas: Wie kommen Sie denn darauf? Ganz und gar nicht! 2013 gehe ich auf Konzertreisen mit meinen Programmen u. a. nach Mexiko, Chile, Argentinien, die USA, Belgien, Frankreich, Griechenland, England, Wien, Israel und natürlich in Deutschland. Ich freue mich sehr, wieder in meinem Geburtsland Deutschland zu leben und zu arbeiten.

D. Pergialis: Können Sie ein paar Informationen geben über Ihre neue CD „Songbook I… on the wings of love?
A. Gravas: Eins kann ich schon verraten, es ist eine CD voller musikalischer Überraschungen und war schon längst fällig. Es werden auch Eigenkompositionen zu hören sein, und ich freue mich sehr diese mit meinen Freunden zu teilen. Ab 2013 wird diese CD auch in Deutschland zu kaufen sein.

November 2012