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Abdera - Des Philosophen Demokrit unbekannte Heimat (Avdira)

  1.109 Wörter 4 Minuten
2017-06-24 2017-06-24 24.06.2017 320 × gelesen

Den Philosophen Demokrit (ca. 460 v. Chr. bis ca. 370 v. Chr.), der mit seiner Lehre darauf abzielte eine heitere, gelassene Stimmung zu erlangen und nicht länger von Furcht oder Hoffnung getrieben zu werden, kennen sicherlich viele. Seine Heimatstadt Abdera an der thrakischen Küste hingegen ist vielen unbekannt. 

Abdera liegt wie schon die anderen beiden Orte, von denen bereichtet wurde, an der thrakischen Küste unweit der modernen Stadt Xanthi. 

Angelegt und erbaut wurde das antike Abdera an einer natürlichen Hafenbucht, die wohl auch ein Zwischenhalt auf der Seeverbindung zum Bosporus war. Es war Umschlagplatz für Gewürze aus Ägypten und Persien, die gegen Metalle, Holz und zum Teil auch Getreide getauscht wurden. In dieser Hinsicht nimmt Abdera denselben Stellenwert ein wie Maroneia oder Mesembria, die unweit von Abdera lagen. Es zeigt sich am Aufschwung und der  wirtschaflichen Stärke aller thrakischen Küstenstädte ganz deutlich, dass viele  Städte in Griechenland auf die Weizenlieferungen aus Thrakien und den Städten am schwarzen Meer angewiesen waren und die nordgriechischen Städte davon zu profitiren konnten. 

Die weitreichenden und erfolgreichen Handelsbeziehungen sieht man auch daran, das Münzen aus Abdera und Maroneia in vielen und auch entlegenen Städten der antiken Welt entdeckt wurden. So sind Gold- und Silbermünzen aus Abdera in Ägypten, Syrien und sogar in Mesopotamien entdeckt worden. 

Aber der Hafen war nicht der einzige Grund für den Aufschwung der Stadt. Von der Landseite lag Abdera nahe der antiken via egnatia, die die wichtigste Verkehrsverbindung von Rom über Thessaloniki nach Konstantinopel war. In der Zeit der Blüte Abderas war Konstantinopel unter dem Namen Byzantion bekannt. 

Die geschichtliche Entwicklung dieser wirtschaftlich und geostrategisch enorm bedeutsamen Stadt ist durch zahlreiche antike Historiker überliefert, und hat auch dazu geführt dass es zahlreiche Legenden gab, die die mythische Vergangenheit  augenfällig unterstrichen. 

So galt Abdera als Gründung des Herakles während nach einer anderen Überlieferung Herakles die Stadt zu Ehren seines Gefährten und Geliebten Abderos errichten ließ. Die Stadt wurde, so will  es die Legende, an der Stelle errichtet, an der Abderos seinen tragischen Tod gefunden hatte. 

Die antiken Historiker hingegen berichten, dass der Ort in den Jahren 656 -652 v. Chr. von Timesias aus Klazomenai von der kleinasiatischen Küste aufgesucht wurde und dieser Abdera gegründete.

Letztlich waren diese Kolonisten, wie auch anderen Orten, Glücksritter auf der Suche nach neuen und ertragreichen Einnahmequellen und natürlichen Schätzen und davon hatte Thrakien reichlich zu bieten. 

Diese ersten Kolonisten aus Kleinasien wurden allerdings von den einheimischen Thrakern vertrieben und Timesias als sichtbares Zeichen seiner Niederlage und als Abschreckung für alle weiteren Kolonisten von den Siegern getötet. 

Diese erste Eroberung und Inbesitznahme des Landes ist archäologisch kaum greifbar. Entdeckt werden konnte die Stadtmauer, die einen Eindruck von der genauen Lage der ersten Siedlung vermitteln sowie eine Reihe früher Gräber. Beides stammt aus dem 7. Jh. v. Chr. und somit stammen sie ungefähr aus der Zeit, in der Timesias aus Kleinasien die thrakische Küste erreicht haben dürfte, aber ob sie wirklich von diesen Kolonisten errichtet wurden, wird man wohl nie erfahren.

Etwa 100 Jahre später folgten andere Kolonisten diesem Weg und versuchten erneut diesen Landstrich zu besiedeln. Kolonisten von der Insel Teos bauten an der gleichen Stelle die eine neue Stadt, die ebenfalls den Namen Abdera trug. Der Dichter Pindar hat seine 2. Ode den Männern von Abdera gewidmet, die mit den thrakischen Stämmen gekämpft und in der Schlacht von Melamphylos gesiegt hatten. Folglich konnten sie sich dauerhaft an diesem Ort niederlassen und endlich die Stadt gründen. 

Im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte wurde die Stadt, die schon  in der Antike als die „schöne Kolonie der Teoten“ galt,  mehrmals belagert, zerstört und wieder aufgebaut. 

Diese wechselvolle Geschichte, die prächtigen Bauten und der wirtschaftliche Wohlstand haben das Gesicht der Stadt geprägt und sie ergänzen auch die historischen Quellen. 

Etwas südlich der ersten Stadtmauer entstand die klassische Stadt, die von den Kolonisten aus Teos errichtet wurde. Dabei wurden bei den modernen archäologischen Grabungen, die nun mehr als 40 Jahre unter Leitung des örtlichen Landesdenkmalamtes durchgeführt werden Abschnitte der klassischen Stadtmauer entdeckt, wo sie durch zwei viereckigen Türmen unterbrochen wird. 

Im westlichen Stadtgebiet, immer noch nahe des Hafens, sind prächtige Wohngebäude aus  dem 4. Jh. v. Chr., d.h. aus spätklassischer Zeit entdeckt worden. Gleichzeitig zeugen die Hausbefunde aber auch davon, dass Abdera sowohl in hellenistischer Zeit wie auch unter den Römern bewohnt war. Durchweg und in allen Zeitstufen handelt es sich um großzügige Peristylhäuser, die aufwändig gepflasterte Innenhöfe besaßen und reich mit architektonischem Schmuck verziert waren. Die Häuser aus Abdera, nicht selten auch zweigeschossig, sind ebenso prachtvoll ausgestattet gewesen, wie man es aus Maroneia und Mesembria kennt. Einige Räume dieser teueren Stadthäuser waren nicht nur mit Mosaikböden ausgestattet sondern auch aufwändig und vor allem farbig verputzt. 

Beschützt wurde die Stadt reicher Bürger von der Akropolis aus, die nahe dem Hafen erreichtet wurden. Herakles und Abderos waren Garanten des Friedens der Bürger der Stadt. Aber auch Athena und Apollon wurden in Abdera verehrt.

Natürlich besaß eine solch wohlhabende Stadt auch ein Theater, das allerdings heute nur durch Inschriften überliefert ist. Es ist anzunehmen, dass in den nachantiken Perioden das Theater als günstiger Materiallieferant genutzt wurde und auch hier die Bauglieder für neue zeitgenössische Bauten genutzt wurden. 

Diese Phase des zunehmenden Wohlstands und Friedens wurde erstmals unterbrochen durch die Perser, die schon im späten 6. Jh. v. Chr. dauerhaft in Thrakien anwesend waren. Kein geringerer als der persische General Mardonios, der in der Schlacht von Platäa eine Niederlage gegen die Griechen erlitt, besuchte Abdera. Im Jahre 480 v. Chr beherbergte die Stadt das persische Heer des Xerxes, das gegen Athen zog. 

Nach dem Ende der Perserkriege, wechselte Abdera die politischen Fronten und wurde ein Verbündeter Athens. Es sicherte sich damit weiterhin Wohlstand und Zugang zu den Märkten und vor allem auch die Unterstützung des damals mächtigsten Heeres der antiken Welt, das der Athener. 

Eine einschneidende Veränderung erfuhr die Stadt als es unter makedonische Herrschaft kam. Philipp II., Vater Alexander d. Gr., annektierte Abdera, wie auch die restlichen griechischen Küstenstädte. Sie wurden Teil des makedonischen Reiches. Immer war es die wirtschaftliche Stärke der Stadt und die strategisch äußerst wichtige Lage, durch die das Interesse so unterschiedlicher Herrscher und Mächte für die Stadt begründet wurde.

Ab 196 v. Chr. wurde Abdera schließlich dem römischen Reich angeschlossen, behielt aber seine politische Freiheit. Gleichzeitig begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt, da andere Städte für die Römer größere wirtschaftliche und auch strategische Bedeutung hatten. 

Die antiken Reste erzählen auch an dieser Stelle von der langen Geschichte, dem Aufstieg, dem Wandel und auch dem langsamen Abklingen einer antiken Stadt in Thrakien. Es zeigt sich auch, dass Thrakien keinesfalls nur eine Region am Rande der griechischen Welt war, sondern Thrakien damals wie heute eine wichtige Verbindung zwischen Europa und Asien darstellt.

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