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Interview mit MARIA MAKRAKI, Dirigentin

  799 Wörter 3 Minuten
2017-05-01 2017-05-01 01.05.2017 436 × gelesen

Die 1993 mit Diplom an der Universität in Athen ausgezeichnete Physikerin studierte zunächst Klavier und Komposition an der Musikakademie Athen, später auch Dirigieren an der Universität der Künste Berlin bei H. M. Rabenstein und I. Jackson, sowie im Rahmen eines mit Auszeichnung abgeschlossenen Zusatzstudiums an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bei H. D. Baum. Als Gastdirigentin leitete sie regelmäßig Aufführungen und Aufnahmeproduktionen mit den Orchestern des Athener, Bukarester, Münchner, Hessischen, Stuttgarter und Kölner Südwest- und Westdeutschen Rundfunks, mit dem Konzerthausorchester Berlin sowie mit den Berliner, Bostoner und Nürnberger Symphonieorchestern. Seit 2001 ist sie Mitglied der künstlerischen Liste des Förderprogramms des Deutschen Musikrates „Maestros von Morgen“. 2003 war sie Kapellmeisterin der Robert-Schumann-Philharmonie am Operntheater Chemnitz. Die mehrfache Preisträgerin von Dirigierwettbewerben übernahm im Juli 2005 die künstlerische Leitung der Camerata Europaea in Berlin. Von 2007 bis 2009 war Maria Makraki als Dozentin im Fach Orchesterdirigieren an der Makedonischen Universität in Thessaloniki tätig. Ein besonderer Fokus ihres künstlerischen Schaffens liegt derzeit auf der Entwicklung innovativer Programmkonzepte für die europäische Musik der Gegenwart.

D. Pergialis: Sie absolvierten neben einem Physikstudium auch ein Klavier- und Kompositionsstudium und studierten schließlich noch Dirigieren. Woher kommt das Interesse für Musik?
M. Makraki: Musik beschäftigt mich, seitdem ich ein kleines Mädchen war. Das Interesse für das Dirigieren ist aber erst später gekommen. Zunächst habe ich mich mehr mit Komposition beschäftigt und daneben ein Physikstudium absolviert. Es ist ja auch bekannt, dass die Musik ein mathematisches Profil in vielen Aspekten haben kann. Ich bin den richtigen Leuten begegnet und habe gemerkt, dass ich mich durch das Dirigieren ausdrücken kann. Ich freue mich, mit Menschen umzugehen. Das Orchester mit den Musikern ist ein lebendiger Organismus, der mich bei der Zusammenarbeit sehr inspiriert.

D. Pergialis: Wie werden Sie als Frau von den Orchestern aufgenommen?
M. Makraki: Zunächst schauen die natürlich schon erst einmal zwei bis drei Minuten etwas neugierig. Aber insgesamt waren meine Erfahrungen positiv. Beim Dirigieren geht es um das Umsetzen einer Vorstellung, die der Dirigent hat, und das gelingt Frauen genauso gut wie Männern. Eine Dirigentin kann ˆ wie in jedem anderen Beruf auch ˆ sehr viel Durchsetzungsvermögen, Ausstrahlung und Autorität haben. Ob Mann oder Frau, jeder hat seine Persönlichkeit, mit seinen Stärken und Schwächen, und das ist unabhängig vom Geschlecht. Auf die Art der Kommunikation kommt es in diesem Beruf an, und sie funktioniert dann, wenn es so klingt, wie ich es mir vorgestellt habe, und das spürt auch das Publikum.

D. Pergialis: Welche Wertschätzung erfahren Sie in Ihrem Heimatland?
M. Makraki: Bis jetzt konzentrierte sich mein beruflicher Werdegang hauptsächlich auf Deutschland, aber demnächst werde ich in meinem Heimatland verschiedene Projekte übernehmen. Unter anderem werde ich mit dem Athener Ensemble FeminArte zusammenarbeiten, das sich mit neuer Musik und hauptsächlich mit griechischen Komponisten beschäftigt. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung.

D. Pergialis: Sie leben mit Ihrem Mann und Ihrer Kinder in Berlin und arbeiten viel mit Orchestern und an Theaterhäusern in Deutschland. Welche Gründe hat das?
M. Makraki: Ich lebe in Berlin, weil hier künstlerisch viele Anregungen geboten werden - und genau das braucht ein junger Dirigent, um sich zu entwickeln und eine starke Basis aufzubauen.

D. Pergialis: Was Ihre Arbeit angeht - unterscheidet sich Ihre Situation hier in Deutschland von der in Griechenland?
M. Makraki: In Deutschland gibt es reichlich musikalische Anregungen, und viele Theater und Orchester stehen zu Verfügung, das ist bekannt. Auch das Publikum ist anders erzogen. In Griechenland ist die Situation anders, es fehlt die Tradition für klassische Musik. Man muss viel persönliche Energie investieren und eigene Initiativen ergreifen, um die Allgemeinheit zu sensibilisieren. Doch dann sind die Leute dabei.

D. Pergialis: Wo sehen Sie Ihre musikalischen Schwerpunkte? Stichworte: Oper? Neue Musik?
M. Makraki: Ich versuche noch, meine musikalischen Schwerpunkte nicht festzulegen, da mein Interesse der Erweiterung des Gesamt-Repertoires gilt. Dennoch habe ich mich in der zurückliegenden Zeit hauptsächlich mit der Oper beschäftigt.

D. Pergialis: Als freie Dirigentin sind Sie ja viel unterwegs. Wie lässt sich das mit dem Familienleben vereinbaren?
M. Makraki: Es ist nicht einfach, dass die Familie und dieser Beruf harmonisieren. Insofern ist es notwendig, eine gute Organisation zu führen und in die Zukunft zu investieren, denn die Bewältigung des Alltags erscheint mir leichter, wenn die Kinder selbstständiger werden.

D. Pergialis: Was vermissen Sie als Griechin in Berlin?
M. Makraki: Als Griechin vermisse ich manchmal kleine Dinge, mit denen ich aufgewachsen bin, sowie die griechische Landschaft, das Wetter und eine lockere Atmosphäre.

D. Pergialis: Welche konkreten Aufgaben warten in diesem Jahr auf Sie und welche Pläne haben Sie?
M. Makraki: Die konkreten Aufgaben, die jetzt auf mich warten, sind Gastdirigate in Deutschland und im Ausland, während die weiteren Pläne die Gründung eines Orchesters in Berlin betreffen, das ein künstlerisches Austauschprogramm zwischen den beiden Ländern Deutschland und Griechenland ermöglicht und viele junge Künstler fördert. Ich werde die künstlerische Leiterin dieses Orchesters sein.

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