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Tsampika - Das Glück hat einen Namen

  1.697 Wörter 6 Minuten
2017-04-23 2017-04-23 23.04.2017 750 × gelesen

An diesem Phänomen scheiden sich die Geister. Doch der Madonna sei Dank, ungeachtet aller Widersprüche erfüllt sie auch weiterhin den Wunsch nach einem Kind.

Wir sprachen mit Panayiotis Georgiadis (70). Er ist Besitzer eines Fotofachgeschäftes im Zentrum von Rhodos-Stadt. In den Jahren 1967 bis 1974 lebte der eingefleischte Junggeselle in Deutschland. An seinen Job als Lagerarbeiter im Hamburger Hafen erinnert er sich immer wieder gern zurück.

Was erzählt man so alles über Tsampika?
P. G.: Das war so: Wenn eine Frau kein Kind bekam, dann ist sie auf Knien zur Tsampika-Kirche hochgerutscht und hat dort gebetet. Und wenn die Frau später tatsächlich schwanger wurde, nannte sie das Kind Tsampika. Den Namen gibt es nur auf Rhodos. Denn Tsampika kommt von dem griechischen Wort tsampa. Übersetzt heißt das einfach nur Flamme. Damals, das ist alles schon Geschichte, hat ein nichtgläubiger Mann auf dem Berg eine Flamme gesehen. Er ist hinaufgeklettert und fand dort eine Ikone, vor ihr brannte eine Kerze. Dieser Mann hat genau an der Stelle die Kapelle errichtet. Im Dorf Archangelos, zu dem die Kirche gehört, heißt die Hälfte der Bewohner Tsampikos oder Tsampika.

Nur am dritten Sonntag nach Beginn der Fastenzeit soll beim Tsampika-Kloster eine Quelle entspringen?
P. G.: Das höre ich wirklich zum ersten Mal. Im Allgemeinen gehen die Leute an diesem Tag nur hinauf, um mal wieder eine Kerze anzuzünden und um danke zu sagen. So ist der Grieche halt: Wenn er eine Kirche betritt, leistet er zuerst die obligatorische Spende, um im Anschluss daran eine oder vielleicht sogar mehrere Kerzen anzuzünden. Hat er das dann alles erledigt, küsst er die Ikonen und spricht ein Gebet dazu. Da gibt’s aber noch eine weitere Geschichte: Weil der Berg von Tsampika nämlich so hoch ist, ist der Aufstieg für alte Menschen recht beschwerlich. Darum wurde eine zweite Kirche an der Hauptstraße errichtet, und man nannte diese ebenfalls Tsampika. Als die untere fertig war, hat man die Ikone von oben heruntergeholt. Doch nach ein paar Tagen war sie verschwunden. Man fand sie bei der oberen Tsampika-Kirche wieder. Von diesem Tag an hat man sie oben gelassen.

Wir sprachen mit Vicky Manoussos, 57. Sie lebte zehn Jahre lang in Düsseldorf, bevor sie vor neun Jahren mit ihrer Familie in die Heimat zurückkehrte.

Was erzählt man so alles über Tsampika?
V. M.: Vor Jahren war die Ikone noch unten im Kloster. Eines Nachts wurde sie gestohlen und nach Ägypten entführt. Aber wie auch immer – die Ikone ist zurückgekehrt und hat sich auf der Spitze des Berges niedergelassen.
Unten im Dorf haben Schäfer ein Licht auf dem Berg gesehen. Früher haben sie immer tsampa gesagt, das Licht. Daher stammt auch der Name. Sie kommen aus Amerika, aus Australien, viele Frauen kommen von weither. Nach 15 Jahren, sogar nach 20 Jahren Kinderlosigkeit ist der Kinderwunsch in Erfüllung gegangen. Haben Sie zufällig die Bücher in der Kapelle gesehen? Es gibt dort viele Bücher. Da schreiben die Leute rein, wo sie herkommen, warum sie hier sind, was sie gefühlt haben. Diese Madonna vollbringt Wunder, wirklich!

Glauben Sie selbst an Wunder?
V. M.: Ja, ja, gewiss! Wenn du wirklich dran glaubst, dann macht sie’s auch. Das gilt aber nur für diejenigen, die wirklich glauben. Es kommen viele Ehepaare hierher und beten. Dann geht ihr Kinderwunsch auch in Erfüllung.

Wir sprachen mit dem Ehemann von Vicky Manoussos, Chrisanthos. Er wurde vor 41 Jahren in Deutschland geboren.

Welche Wunder sind hier schon passiert?
C. M.: Eine Frau aus Holland ist vor einigen Jahren zur Tsampika-Kapelle gekommen. Eine Woche hat sie hier oben verbracht, bereits einen Monat später war sie schwanger. Und im nächsten Jahr kam sie wieder hierher und hat das Kind taufen lassen.

Und was sagen die Ärzte dazu?
C. M.: Die glauben das auch! Du musst das glauben, dann funktioniert das auch.

Kommen die Frauen noch auf Knien zum Kloster herauf?
C. M.: Ja, immer noch. Auf Knien, auf nackten Füßen, bestimmt auch heute Abend. Jetzt ist es zu heiß, so nach 18 Uhr.
Die Frau dort rechts. Sie hat mittlerweile zwei Kinder, ein drittes ist unterwegs. Zehn Jahre hatte sie es vergeblich versucht. Und sofort, nachdem sie hier oben war, ist es passiert. Sie wohnt in Archangelos, sie ist meine Schwägerin. Nur ein einziges Mal ist sie hinaufgestiegen. Sie lebte zuvor in Athen und für kurze Zeit in Amerika. Erst hier hat es geklappt.

Wir sprachen mit Marianne Prink*, 54. Die Wahlmünchnerin entschloss sich im Juli 1992 während ihres Urlaubes in Archangelos, zur Tsampika-Kapelle hinaufzugehen. Ihr lang gehegter Kinderwunsch sollte endlich in Erfüllung gehen.

Nach Tsampika pilgern Frauen, die manchmal 15 Jahre und länger vergeblich auf Nachwuchs gehofft haben.
M. P.: Ganz so schlimm war es bei uns nicht. Wir waren damals knapp acht Jahre zusammen. Lediglich am Anfang haben wir Verhütungsmittel genommen, dann nicht mehr. Von da an ließen wir es drauf ankommen. Irgendwann aber haben wir doch gedacht, so langsam wird es aber Zeit. Es tat sich aber nichts. Ich war ziemlich deprimiert. Bei einer Frau ist das besonders ausgeprägt.
Andererseits hatte ich mich irgendwie schon damit abgefunden, hab gesagt, so langsam ist mir das vollkommen egal, weil ich mich nämlich immer mehr damit aufrieb. Trotzdem blieb natürlich im Hinterstübchen der Kinderwunsch bestehen.

Welche Rolle spielte Ihr Arzt in dieser Phase?
M. P.: Ich hatte bereits alle möglichen Untersuchungen hinter mir. Jetzt wäre eigentlich mein Mann an der Reihe gewesen. Dann sind wir aber in den Urlaub nach Archangelos gefahren. Ich wusste bereits von dieser Geschichte, weil wir nicht zum ersten Mal auf Rhodos waren. Ja, und weil ich davon wusste, wollte ich in diesem Jahr unbedingt dort hinauf. Gemeinsam sind wir hochgestiegen, doch die Kapelle habe ich ganz allein betreten.

Wie ist es Ihnen in der Kapelle ergangen?
M. P.: Ich zündete eine Kerze an und sagte hallo, weil ich eigentlich immer hallo sage.
So stand ich da und habe die Muttergottes gebeten, schwanger zu werden. Ich versprach, mit meiner ganzen Kraft und Liebe das Kind erziehen zu wollen.

Wie hat sich das Erlebte auf Sie ausgewirkt?
M. P.: Immer, wenn wir im Verlauf des Urlaubs am Tsampika-Berg vorbeifuhren, wurde ich an mein Versprechen erinnert. Dann habe ich natürlich zur Kapelle hinaufgeschaut. Eigentlich mache ich das grundsätzlich, wenn ich an einem Kreuz vorbeikomme, das irgendwo am Wegesrand steht. Dann sage ich innerlich hallo.
Dann war der Urlaub zu Ende. Im Juli sind wir nach Hause gefahren. Ja, und Mitte November muss es dann passiert sein. Weihnachten wussten wir genau Bescheid.
Im nächsten Jahr, im Juli 1993, sind wir noch einmal in Archangelos gewesen. Da war ich bereits im siebten Monat. Alle Griechen, die mich in meinem Zustand sahen, bekreuzigten sich. Überhaupt zeigten sich die Leute wahnsinnig hilfsbereit. Ich erinnere mich an eine Frau, die lief los und holte Pizza. Eigentlich wollte ich gar keine Pizza. Doch sie entgegnete: »Nein, nein, nicht für dich, fürs Baby«. Ich hatte schon eine richtige Kugel, als ich da hochgepilgert bin. Und da hab ich mir gesagt, wenn du da jetzt ankommst, dann gibt es kein Zurück mehr, dann wird unser Kind nach Tsampika benannt. Meine einzige Sorge war eigentlich nur mein Mann. Ob der mitspielen würde? Schließlich hat das ja etwas mit dem persönlichen Glauben zu tun. Immer wenn ich ihm erzählte, dass dem und dem die Muttergottes erschienen ist, sagte er nur: »Du glaubst auch alles, was man dir erzählt«. Für mich stand fest: Wenn es der Wunsch der Muttergottes ist, dass unser Kind so heißen soll, dann haben wir das zu akzeptieren. Egal, wie wir darüber denken. Überhaupt hatte ich viel zu viel Angst, dass uns Unglück widerfährt, falls wir das Kind anders benennen würden.
Doch meine Bedenken waren vollkommen unangebracht. Womit ich niemals gerechnet hatte, trat ein. Gleich nachdem wir oben waren, spendete mein Mann 20.000 Drachmen und zündete eine Kerze an. Das haute mich total vom Hocker!

DAS TSAMPIKA-PHÄNOMEN
Termin: dritter Sonntag nach Beginn der Fastenzeit
Schauplatz: Insel Rhodos, kleines Tsampika-Kloster bei Archangelos
Inselgruppe: Dodekanes

Rhodos ist die größte Insel des Dodekanes und nach Kreta, Euböa und Lesbos die viertgrößte Griechenlands. Die »Roseninsel« gehört zu der Inselbrücke, die von der Peloponnes über Kreta, Karpathos bis nach Kleinasien reicht. 78 Kilometer lang und bis zu 30 Kilometer breit wird Rhodos von einem langen Gebirgsrücken durchzogen. Die Insel ist besser als ihr Ruf. Der Massentourismus und die dazugehörigen Hotelklötze konzentrieren sich vornehmlich auf den Inselnorden.

Vor etwa 900 Jahren bestand das heutige Archangelos noch aus sieben kleinen Siedlungen. Vor allem Schäfer lebten in den Dörfern. Eines Nachts bemerkten zwei von ihnen ein Licht auf dem Berggipfel. Auch in den beiden kommenden Nächten. Die Schäfer kletterten hinauf und entdeckten eine Ikone der Muttergottes, davor eine brennende Kerze. Eben diese Ikone war kurz zuvor auf Zypern verschwunden – prompt segelten ein paar Zyprioten nach Rhodos und holten das Heiligenbild zurück. Einige Tage später war die Ikone erneut weg – und wurde auf dem Berg bei Archangelos gefunden. So ging’s ein weiteres Mal: Die Zyprioten brachten die Ikone zurück – sie verschwand wieder nach Rhodos. Dort ist sie geblieben.
Die Schäfer, Bauern und Fischer bauten ihre Kapelle dort, wo die Ikone immer wieder aufgetaucht war. Sie gaben der Kapelle den Namen Tsampika, von tsampa (die Flamme). Später wurde zu Füßen des Berges ein Kloster gebaut – für die Älteren und die Gebrechlichen.

Phänomen: Besonders Frauen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, pilgern zu der in luftiger Höhe auf einer Bergspitze errichteten Kapelle. Einige Frauen verweilen nur wenige Augenblicke im Angesicht der Muttergottes, andere bleiben gleich mehrere Tage. An einfachen Übernachtungsmöglichkeiten fehlt es nicht. Wird in der Folgezeit tatsächlich ein Baby geboren, heißt es Tsampika (Mädchen) oder Tsampikos (Junge). Beide Namen gab es jahrhundertelang nur auf Rhodos. Namenstag von Tsampika / Tsampikos ist der 8. September.
Am dritten Sonntag nach dem orthodoxen Karnevalswochenende (Stravroproskinisi) versammeln sich die Frauen, deren Gebet nach einem Kind erhört wurde. Ihr selbst gebackenes Brot wird vom Popen gesegnet und anschließend an die Dörfler verteilt. Aus tiefer Dankbarkeit rutscht so manche Frau auf Knien die Stufen zur Kirche empor. Man spendet Öl, Kerzen, Weihrauch und Wachspuppen. Überhaupt ist es auf Rhodos zu einem festen Bestandteil im Jahresverlauf geworden: Wann immer nur möglich kehren die vielen Tsampikas und Tsampikos an diesen Ort zurück. Schließlich hat das Glück einen Namen.

Auszug aus dem Buch:
Geheimnisvolles GRIECHENLAND
Kulte – Mysterien – Rituale
Autor: Rainer Störtenbecker
Verlag: vis-à-vis
Internet: www.top10events.com
ISBN: 3-930668-99-8
Preis: Euro 14,90

12 Bilder für das Keyword Tsampika gefunden.

Kloster Tsambika (Tsampika) ist ein Kloster auf Rhodos, der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet und ist Pilgerziel für Frauen mit Kinderwunsch. The Monastery of Panagia Tsambika in Rhodes. Η Παναγι η Τσαμπκα εναι μον της Ρδου. Dimitrios Pergialis
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