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PAP(I)ER FASHION – ATOPOS Contemporary Visual CulturePop. – Avantgarde. Asiatika

  1.641 Wörter 6 Minuten
2017-04-13 2017-04-13 13.04.2017 236 × gelesen

Vom 25. Januar bis 21. April 2013 zeigt die Galerie Stihl Waiblingen in Zusammenarbeit mit ATOPOS Contemporary Visual Culture (Athen) und Barbican International Enterprises (London) eine Ausstellung zur Papiermode von den asiatischen Ursprüngen bis zur aktuellen Mode. Die Ausstellung ist nach Stationen in Athen, Zürich, Luxemburg und Antwerpen nun erstmals in Deutschland zu sehen.
Mit dem Thema „Papiermode“ stehen zum zweiten Mal seit der Eröffnung der Galerie Stihl Waiblingen Arbeiten aus Papier im Fokus einer Ausstellung der städtischen Galerie. Mehr als 250 Papierkleider und –accessoires nehmen die Besucher mit zu den Anfängen der Papiergewänder in China und Japan, beleuchten deren Blütezeit in den 1960er Jahren und zeigen, dass sich auch zeitgenössische Designer wie beispielsweise Issey Miyake, A. F. Vandevorst oder Sandra Backlund von diesem zeitlosen und faszinierenden Material inspirieren lassen.
Den Schwerpunkt der Ausstellung (und der griechischen Sammlung) bilden die mal werblich-poppig, mal politisch bedruckten Einwegkleider der 1960er Jahre. Sie spiegeln den Zeitgeist einer Epoche, die geprägt war von politischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Die Papierkleider wurden zunächst als Marketinginstrument eingesetzt, erreichten jedoch binnen kurzer Zeit eine enorme Popularität in den USA und in Europa. Der unerwartete Erfolg, den die ersten Muster dieser Kleider erfuhren, führte zur Schöpfung der „Papiermode“, die in der Folge den US-amerikanischen Markt für ca. zwei Jahre (1966-1968) überschwemmte. Die Motive der „Paper Fashion“ spiegeln eine Fülle unterschiedlicher Inspirationsquellen wider und zeigen dabei auch Wechselwirkungen mit der Bildenden Kunst. Aufgegriffen wurden u. a. Einflüsse aus der Pop und Op Art, teilweise lieferten Künstler Entwürfe für die im typischen A-Schnitt kreierten Kleider.
Nach 1968 ging das Interesse der Konsumenten an der Papiermode aufgrund von Übersättigung und wachsendem Umweltbewusstsein zurück, die Faszination für das Material inspirierte jedoch auch nachfolgende Generationen von Modeschöpfern. Die Ausstellung zeigt aufregende Kreationen renommierter Designer wie Issey Miyake, A. F. Vandevorst, Walter van Beirendonck, Dirk van Saene, Sandra Backlund und Hiroaki Ohya, die sich dem Material Papier und seinen Eigenschaften von ganz unterschiedlichen Ausgangspunkten nähern. So steht beispielsweise für die Designerin Sandra Backlund das Experimentelle, das Verfremden der natürlichen Körperform im Vordergrund ihrer Schöpfungen, während die Designer Hiroaki Ohya und sein früherer Mentor Issey Miyake tief in der Mode- und Papiergeschichte ihrer Heimat Japan verwurzelt sind. Das Designduo A. F. Vandevorst wiederum beschäftigt sich mit Eco-Fashion und verwendet häufig sogenannte minderwertige Materialien wie Filz, Papier oder Karton in seinen Arbeiten.
Die Ursprünge der Papierkleidung finden sich im asiatischen Raum. In China und Japan wird Papier seit Jahrhunderten für Kleidungsstücke verwendet und entsprechend der hohen Wertschätzung für den Werkstoff in der asiatischen Kultur auch zu kostbaren Prunkgewändern und Accessoires verarbeitet. Die in der Ausstellung präsentierten historischen Kleidungsstücke gehören zu den Highlights der Athener Sammlung. Darunter befinden sich neben einigen Kamikos – einfachen Umhängen, die seit dem 10. Jahrhundert von japanischen Mönchen hergestellt wurden - auch die Unterbekleidung eines Samurai, Papierschuhe und eine papierne Decke, welche nach dem heutigen Stand der Forschung für Pferde genutzt wurde und aus dem 18./19. Jahrhundert stammt.
Mit dieser außergewöhnlichen Ausstellung beleuchtet die Galerie Stihl Waiblingen einmal mehr die Vielseitigkeit und Faszination des Alltagsmaterials Papier. Weit über die reine Präsentation von Papiermode hinausgehend bringt sie dem Besucher auch den Werkstoff näher, zeigt dessen Verwendung in vielen Anwendungsbereichen wie z. B. in der Schutz- und Berufskleidung und lädt an multimedialen Stationen dazu ein, Modedesignern im Schaffensprozess von Papiermode über die Schulter zu schauen.
Die Schau wird in Zusammenarbeit mit ATOPOS Contemporary Visual Culture (Athen), einer der weltweit größten Sammlungen von Papierkleidern verschiedener Zeiten und Kulturen, und Barbican International Enterprises (London) gezeigt. „Barbican International Enterprises freut sich über die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit der Galerie Stihl Waiblingen und ATOPOS Contemporary Culture diese beeindruckende Ausstellung von Papierkleidung präsentieren zu können”, so Neil McConnon (Head of Barbican International Enterpises). “Eine Galerie, die sich Arbeiten auf / aus Papier widmet, erscheint uns als der perfekte Ort für die Realisierung eines solchen Projektes.” Weitere Leihgeber sind die Designerin Sandra Backlund, die Collection Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Mudam Luxembourg und “V. Papantoniou” Peloponnesian Folklore Foundation. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des griechischen Ministeriums für Bildung und religiöse Angelegenheiten, Kultur und Sport. Sie wird unterstützt von DB Schenker Deutschland AG – Museumslogistik (Ausstellungsarchitektur), der Druckerei Schefenacker (Druck Magazin) und unserem Partner Kreissparkasse Waiblingen.
Zur Ausstellung sind ein englischsprachiger Katalog zum Preis von 40 € sowie ein deutschsprachiges Magazin über Papiermode und ihre Geschichte zum Preis von 9,50 € an der Galeriekasse erhältlich.

PAP(I)ER FASHION – Pop. Avantgarde. Asiatika
Ausstellungsdauer: Bis 21. April 2013
Ausstellungsort: Galerie Stihl Waiblingen
Ausstellungsidee: Die Ausstellung basiert auf der Forschung und der Idee von Vassilis Zidianakis, ATOPOS Contemporary Visual Culture, Athen.
Leihgeber: ATOPOS Contemporary Visual Culture, Athen - Sandra Backlund, Stockholm - Collection Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Mudam Luxembourg - „V. Papantoniou” Peloponnesian Folklore Foundation
Schirmherrschaft: Ministerium für Bildung und religiöse Angelegenheiten, Kultur und Sport, Griechenland
Kuratoren/ Stamos Fafalios, ATOPOS cvc in Zusammenarbeit mit
Ausstellungskonzeption: Zara Reckermann, Nina Pfeiffer
Vertreten: Beirendonck, Hugo Boss/James Rosenquist, Sarah Caplan, Michael Cepress, Hussein Chalayan, Harry Gordon, Howard Hodgkin , Mathew Holloway, Travis Hutchison, Zoe Keramea, KOhZO DENIM , Bas Kosters, Helmut Lang, Maison Martin Margiela, Irini Miga, Issey Miyake, Jum Nakao, Hormazd Geve Narielwalla , Hiroaki Ohya, Dirk Van Saene, Deepak Raja Shrestha, Reiko Sudo/Nuno, Kosuke Tsumura, TT: NT, UEG, A.F. Vandevorst, Robert Wilson, Cheryl Yun
Bisherige Ausstellungs- Benaki Museum, Athen (2007)
Stationen: Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (MUDAM), Luxembourg (2008) - ModeMuseum (MoMu), Antwerpen (2009) - Museum Bellerive/Design Museum, Zürich (2010)

Zur Geschichte des Papierkleides und der ATOPOS Sammlung
ATOPOS Contemporary Visual Culture (ATOPOS CVC) begann im Jahr 2004 mit der Sammlung von Kleidungsstücken aus Papier zu Forschungszwecken. Heute umfasst diese Sammlung mehr als 500 Objekte und bietet dem Betrachter einen umfassenden Einblick in die Bedeutung der Papierbekleidung innerhalb der Geschichte von Kleidung und Design.
ATOPOS, dessen Name sich vom altgriechischen Wort „άτοπος“ ableitet und so viel wie „fremd“, „ungewohnt“, „exzentrisch“ und „nicht zuzuordnen“ bedeutet, vereint unterschiedlichste visuelle Disziplinen. Die Arbeit der Organisation besteht im Recherchieren von Projekten von internationalem Interesse und in der Zusammenarbeit mit Designern und Kunstlern mit dem Ziel, neue Ideen in Form von Ausstellungen, Publikationen, Performances und Events zu realisieren. Parallel dazu und durch verschiedene Kollaborationen hat ATOPOS CVC eine einzigartige Sammlung seltener und origineller Kreationen zeitgenossischer Designer, historischer Gewander und Kunstobjekte zusammengetragen, die in direktem Zusammenhang mit den Forschungsprojekten der Organisation steht und kontinuierlich erweitert wird.
Im Jahr 2004 begann ATOPOS damit, zu Forschungszwecken und fur die Erarbeitung neuer, vom Objekt inspirierter Ausstellungskonzepte Kleidungsstucke aus Papier zu sammeln. Die Recherche konzentrierte sich auf eine im Amerika der 1960er Jahre populare, allerdings nur fur kurze Zeit auftretende Modeerscheinung: das Einwegpapierkleid. Die zum einmaligen Tragen bestimmten „Wegwerfkleider“ wurden massenweise produziert und stellen das Herzstuck der ATOPOS Sammlung dar.
Die Papierkleider tauchten in den USA erstmals im Jahr 1966 auf, als sie vom Papierhersteller Scott Paper Company zur Vermarktung seiner eigenen Produkte hergestellt wurden. Ursprunglich als Werbemittel eingesetzt, richteten sich die Papierkleider an Konsumenten, die bereits Einwegtassen, -teller, -tischdecken und viele andere Einwegartikel des taglichen Bedarfs verwendeten. Der unerwartete Erfolg, den die ersten Muster dieser Kleider erfuhren, fuhrte zur Schopfung der „Papiermode“, die in der Folge den US amerikanischen Markt fur ca. zwei Jahre (1966-1968) uberschwemmte. Hipp, modern und befreiend transportierten diese Kleidungsstucke den Geist einer Zeit, in der das Experimentieren mit neuen industriellen Materialien auf der Basis von Plastik oder Metall auch im Alltagsgebrauch und in der Mode Anwendung fand. Die neuen, nicht gewebten Materialien, die fur die Herstellung der Kleider verwendet wurden, hatten das Erscheinungsbild von Papier, selbst wenn sie neben Cellulose weitere Bestandteile wie Baumwolle, Rayon, Polyester und neue synthetische Fasern enthielten.
Die zahlreichen mehrfarbigen Entwurfe und Motive waren inspiriert von einer Vielzahl visueller Stimulanzien der damaligen Zeit, was zur Popularitat der Kleider beitrug. Pop, Op-Art oder psychedelische Motive, wiederentdeckte Art Nouveau Designs, Markenlogos und sogar die Gesichter der Kandidaten der 1968er US-Wahl zierten die Papierkleider und machten sie zu einer aufregenden, fantasievollen Projektionsflache mit vielfarbigen Motiven.
Nach 1968 erfuhr die Papiermode aufgrund von Ubersattigung und einem wachsenden Umweltbewusstsein in der Bevolkerung, das der Verwendung von Wegwerfprodukten kein Verstandnis mehr entgegenbrachte, einen Niedergang. Trotzdem inspirierte diese amerikanische Modeerscheinung der spaten 60er Jahre nach ihrem Niedergang zeitgenossische Designer wie Issey Miyake, Helmut Lang, Walter Van Beirendonck, Hugo Boss, Sarah Caplan, Travis Hutchison und andere. Dieses neu entdeckte Interesse an der Papierkleidung inspirierte auch ATOPOS dazu, zeitgenossische Kunstler und Modedesigner wie Robert Wilson, Howard Hodgkin, Giannis Varelas, Michael Cepress, Bas Kosters und Maurizio Galante damit zu betrauen, aus Originalstucken der Sammlung in einer Art kreativem Recycling ihre eigenen Kunstwerke zu kreieren.
Während seiner Recherchen hat ATOPOS auch einige seltene Kleidungsstucke und Accessoires aus Papier aus fruheren historischen Epochen und nicht-westlichen Kulturen wie Japan und China erworben. Papier wurde ca. 100 v. Chr. in China erfunden und seither bei der Produktion von Kleidungsstucken und Accessoires verwendet. Diese seltenen Stucke sowie andere historische Objekte der Sammlung dienen nicht nur als Beispiele fur die Verwendung von Papier in der Herstellung von Kleidung, sondern sollen den Betrachter erfreuen und in Staunen versetzen.
Die Sammlung bietet dem Betrachter einen umfassenden Einblick in die Bedeutung der Papierbekleidung innerhalb der Geschichte von Kleidung und Design und umfasst heute mehr als 500 Objekte. Sie stellt die Grundlage der Ausstellung „RRRIPP!! Paper Fashion“ dar, die ATOPOS erstmals 2007 in Athen im Benaki Museum prasentierte. Der Erfolg dieser Ausstellung gab ATOPOS die Moglichkeit, in Kooperation mit europaischen Museen neue Interpretationen der Ausstellung zu erarbeiten, beginnend in Luxemburg (Musee d’Art Moderne Grand-Duc Jean, 2008), dann in Antwerpen (Mode Museum, 2009) und Zurich (Museum Bellerive, 2010) und erst kurzlich, als kompakte Sonderschau in Melbourne (Chadstone, 2011).
Die ATOPOS Sammlung folgt keinen festgelegten Vorgaben, sondern sucht stetig nach neuen Moglichkeiten der Prasentation. Sie versteht sich als wandlungsfahige Ausstellung in Bezug auf die Ausstellungshauser, die Objekte, ihre Prasentation und Blickwinkel.

Kontakt:
ATOPOS Contemporary Visual Culture
72 Salaminos str.
104 35, Athens
Tel.: +30 210 8838151
www.atopos.gr

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