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Mit Musik gegen die Krise - Impressionen vom ersten deutsch-griechischen Musikdialog auf Rhodos

  1.065 Wörter 4 Minuten
2017-03-08 2017-03-08 08.03.2017 360 × gelesen

Seit seiner Gründung im Jahre 1995 setzt sich der in Köln und Leverkusen beheimatete Verein Terpsichore e. V. unermüdlich für die Pflege und Verbreitung der griechischen Musik und damit für einen substantiellen Kulturaustausch und für Völkerverständigung von unten ein. Auf seine Initiative hin fand erst im letzten Oktober auf der Insel Rhodos ein mehrtätiger deutsch-griechischer Musik-Workshop statt, der einen zivilgesellschaftlichen Kontrapunkt gegen die paralysierende Allgegenwart der Krise setzte und eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass das deutsch-griechische Verhältnis nicht allein eine Frage der Politik und der Medien ist, sondern vor allem durch den lebendigen und kreativen Kontakt und Austausch zwischen Menschen begründet wird.
Es ist uns daher eine große Ehre, an dieser Stelle den von Gudrun Boye, ihres Zeichens Vorsitzende von Terpsichore e. V., und ihrem Ehemann Eberhard Niebergall verfassten Erlebnisbericht vom Ersten Deutsch-Griechischen Musikdialog auf Rhodos abzudrucken.


„Im letzten Jahr trafen wir auf Rhodos den Pianisten und Musiklehrer Giorgos Chatziantonis wieder, für den wir vor über 10 Jahren Klavierkonzerte in Deutschland organisiert hatten. Wir, das sind Gudrun Boye, die Vorsitzende des Vereins Terpsichore e.V. Köln/Leverkusen, und ihr Ehemann, Eberhard Niebergall, der gleichzeitig das „Back-Office“ des Vereins verkörpert.
Die Freude war auf beiden Seiten groß, und schon bald waren wir wieder dabei, Pläne zu schmieden: Einerseits ging es darum, gemeinsam mit Giorgos wieder Konzerte zu veranstalten, andererseits darum, auf der Insel Rhodos Workshops für griechische Musik zu organisieren.
Letzteres stellten wir uns zunächst als recht einfach vor, zumal der Verein Terpsichore in Köln seit über 15 Jahren zweimal im Monat mit Deutschen und Griechen griechische Musik macht und sich dadurch eine einschlägige Expertise angeeignet hat. Nun sollte also lediglich darum gehen, erstmalig auch in Griechenland selbst ein Musikseminar auszurichten. Im Laufe der Zeit mussten wir jedoch feststellen, dass uns dies doch mehr abverlangte, als wir ursprünglich gedacht hatten. Trotzdem haben wir uns der Herausforderung gestellt und sie mit Bravour gemeistert.
Zunächst haben wir Giorgos nach Leverkusen eingeladen, um ein Klavierkonzert zu geben. Am gleichen Wochenende haben wir auch einen Workshop unter seiner Leitung organisiert, damit die potentiellen Teilnehmer am geplanten Workshop auf Rhodos Giorgos kennenlernen und sich von seiner musikalischen Kompetenz überzeugen konnten.
Dieses Wochenende, weitere Werbung per Faltblatt und über das Internet haben dazu geführt, dass sich schließlich 13 Teilnehmer für das Musik-Seminar auf Rhodos angemeldet hatten, wovon Anfang Oktober schließlich auch alle wohlbehalten auf Rhodos eingetroffen waren. Dazu sind noch 6 „Begleitpersonen“ mitgereist.
Unter denen, die in Deutschland griechische Musik spielen, befanden sich Mitglieder des Vereins „Terpsichore e.V.“, Mitglieder der Gruppe „Foldies“ (Folk-Oldies) sowie ein allseits bekannter Akkordeonspieler und ein deutsch-griechisches Ehepaar, die beide klassische Gitarre spielen.
Während wir in Deutschland für die Vorbereitungen des Seminars einige Zeit aufwenden mussten, hatte auch Giorgos Chatziantonis auf Rhodos alle Hände voll zu tun. Da die große Bühne des Stadttheaters von Rhodos zurzeit renoviert wird, bekam Giorgos für den 9. Oktober 2012 eine Auftrittsgenehmigung im etwas kleineren Volkstheater. Und tatsächlich standen drei Tage nach Seminarbeginn, am Abend des 9. Oktober, sämtliche Teilnehmer gemeinsam mit dem gemischten Chor der Gemeinde Rhodos und der Volkstanzgruppe „Terpsichori“ aus dem Dorf Kalithies auf der Bühne des Volkstheaters und spielten ein Programm, dass Giorgos mit der Gruppe in nur drei Tagen eingeübt hatte. Es bestand aus altbekannten griechischen Liedern und aus für die Gruppe neuen Volksliedern und traditionellen Tänzen von Rhodos. Der Bürgermeister von Rhodos-Stadt, sein Stellvertreter sowie zahlreiche Besucher erlebten ein abwechslungsreiches Programm und spendeten viel Applaus.
Das spricht sowohl für die Qualität von Giorgos‘ Arbeit mit der Gruppe, als auch für die Begabung und Lernfähigkeit der angereisten Musiker und Sänger, die ja alle „nur“ Amateurmusiker sind.
Nach dem gelungenen Auftritt begann dann im Ladiko-Hotel an der gleichnamigen Bucht das eigentliche Seminar mit dem Titel „Griechische Musik zwischen Ost und West“.Hier wurde dann viel über „Straßen“, sprich Tonleitern der östlichen Musik, über Harmonielehre, Takt und Rhythmus geredet und an vielen Musikbeispielen verdeutlicht. Fremdartige Klänge erfüllten den Seminarraum und erfreuten nicht zuletzt auch die übrigen Hotelgäste.
Wir konnten den Seminarraum jederzeit nutzen und dort ungestört arbeiten, musizieren und üben. Manchmal konnten wir hören, wie der Hotelier Diamantis Sotirakisan an der Rezeption „unsere“ Melodien mitsang. Was ihm nicht sehr schwer fiel, da er selbst im gemischten Chor der Gemeinde Rhodos mitsingt und den Kontakt zu dem Chor hergestellt hat.
Wir wurden in diesem familiär geführten Hotel großartig aufgenommen, von seinen lieben und freundlichen Mitarbeitern bestens betreut und von der Köchin, Eleftheria, mit allen erdenklichen kulinarischen Genüssen hervorragend versorgt.
Die in unmittelbarer Nähe zum Hotel gelegene Ladiko-Bucht lädt fast zu jeder Jahreszeit zum Schwimmen ein. So konnten wir trotz eines ausgefüllten Tagesprogramms das Wasser und das warme Wetter (bis 36°) genießen.
Nach dem Konzert in Rhodos-Stadt folgten noch weitere Höhepunkte:
An einem Abend waren wir beim Verein der Karpathioten und dem Verein der Kreter zu Gast. Die Vereinsmitglieder führten uns die Tänze ihrer Heimatinseln vor, und wir durften versuchen, mitzutanzen. Beim Verein der Kreter gab es reichlich kretisches Essen und Trinken, sowie Original-Livemusik mit traditionellem Gesang und Tänzen.
Eine weitere schöne Begegnung mit kleinem Auftritt fand in der Aula des Musikgymnasiums von Rhodos statt. Auch die Schüler spielten und tanzten für uns. Mit der Direktorin haben wir über einen Schüleraustausch nachgedacht.Die Suche nach deutschen Partnerschulen wurde nach unserer Rückkehr in Deutschland bereits aufgenommen.
Der letzte Auftritt war ein von dem bereits erwähnten deutsch-griechischen Ehepaar gehaltenes Konzert mit klassischer Musik im Rahmen eines Kongresses in Rhodos-Stadt.
Drei Ausflüge rundeten das Programm ab:
Eine Führung durch die Ritterstadt mit anschließendem Empfang im Europäischen Haus. Eine Schifffahrt nach Symi, wo wir u. a. das Kloster Panormitis besucht haben, und eine Inselrundfahrt mit deutschsprachigem griechischem Reiseleiter. Dieser Reiseleiter meinte dann, dass es so etwas nicht so häufig gäbe: Deutsche, die griechische Musik spielen, und das auch noch in Griechenland! Dies war wohl auch der Grund, dass wir offiziell vom Bürgermeister empfangen wurden.
Allein schon die Idee, einen Workshop auf Rhodos zu veranstalten, war gut; deren Umsetzung jedoch und der dadurch ermöglichte Austausch mit der einheimischen Bevölkerung waren geradezu genial. Der Kontakt mit den Menschen war ausgesprochen herzlich, und auf der ganzen Insel war unser Workshop durch Presse, Rundfunk und Fernsehen bekannt geworden. Häufig war bei den Teilnehmern etwas von einem „nächsten Mal“ zu hören, was wir dann gerne aufgegriffen haben. Der Termin liegt wieder in den NRW-Herbstferien, und zwar vom 19. Oktober bis 2. November 2013.

Gudrun Boye & Eberhard Niebergall
Leverkusen, November 2012

Mehr Infos zu den Aktivitäten von Terpsichore e. V. unter:
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Terpsichore e.V.: http://www.terpsichori.de

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