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Karla See, der See der seine Fischer verlor

2017-03-01 2017-03-01 01.03.2017 466 × gelesen 2 Minuten

In der thessalischen Ebene, liegt etwas verborgen und heute auch fast vergessen, der See Karla. Seine Geschichte reicht weit zurück, er war dem antiken Geographen Strabon bekannt. Gespeist wird er, damals wie heute von den Regen- und Schmelzwassern des Pelion-Gebierges, an dessen westlichen Ausläufern er liegt. Die nährstoffreichen Gewässer waren die Lebensader für die Menschen, die seit der Steinzeit in dieser Ebene und vor allem nahe dem See siedelten. Die Gehöfte der frühgeschichtlichen Besiedlungen säumen die Ufer des Sees und umschließen ihn wie eine Kette. Die frühesten gesicherten Spuren stammen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus, reichen dabei bis in das 5. Jahrhundert vor Christus und zeichnen ein facettenreiches Bild der Stämme und Gruppen, die sich am See niederließen. Sie lebten am See und sie lebten von dem was er See ihnen gab.
Erst als die Griechen in der Antike ihr Glück zunehmend im Seehandel suchten und durch den Kontakt zu anderen Kulturen und Ländern neue Reichtümer entdeckten, verließen sie die Ebene und siedelten verstärkt in Meeresnähe. Eindrucksvoll erheben sich auch heute noch in der Nähe der modernen Stadt Volos die Ruinen der antiken Polis (Stadtstaat) Demetrias, die einer der Diadochen (Nachkomme) Alexander d. Gr. erbauen ließ, als Zeichen seiner Macht und seines Reichtums und der der Stadt seinen Namen gab. Der See, der solange das Überleben der Menschen in diesem Landstrich gesichert hatte, wurde vergessen und die Menschen verließen den See, die Fischer zogen weiter.
Erst im Mittelalter als das Meer vor allem Gefahren barg und Piraten mit Überfällen die Landbevölkerung in Angst und Schrecken versetzten, zogen die Menschen wieder in das Landesinnere und besiedelten die Ebene erneut. So entstanden auch erneut Siedlungen entlang des Ufers der Karla See. Wie man sich das Leben im Mittelalter vorzustellen hat, ist nicht genau bekannt, doch die Gräberfelder dieser Zeit, die man in großer Zahl entdeckt hat, bargen Grabbeigaben wie Muscheln und Seeschnecken, die davon zeugen dass man den Schätzen des Sees große Bedeutung beimaß, so dass man sie sogar den Toten beilegte. Es zeigt auch, dass das Leben der Menschen über den Tod hinaus eng mit dem See verbunden war.
Das Zusammenleben zwischen Mensch und See ist vor allem in der Neuzeit bekannt. Die Bewohner der Dörfer Rizomylos, Kanalia, Stefanovikeio und Kalamaki lebten vom Fischfang. Man organisierte sich genossenschaftlich und regelte Fangquoten und Abgaben untereinander. Die Fischer erinnern sich noch heute, dass vereinbart war die Fangquoten auf 25 oka pl. okades (altes Gewichtsmaß entspr. 1 oka, 1,3 kg) pro Tag zu begrenzen und die Nachhaltigkeit er Fischbestände zu sichern. Die Süßwasserfische wurden jeden Tag zur Versteigerung zum Ort Skala gebracht, wo Händler der weiteren Umgebung die Fische in einer offenen Versteigerung erwarben. Der Ertrag war gut und reichhaltig, insgesamt hatten 100 Boote eine Genehmigung zum Fischfang. Der See war nicht nur fischreich er war auch sehr weitflächig. Insgesamt bedeckte er eine Fläche von 23.000 Hektar und hatte eine maximale Tiefe von 5m. Die Größe des Sees, die auch eine ausgedehnte Wanderbewegung der Fischschwärme bedingte, erforderte und formte eine besondere Lebensweise der Fischer, die einzigartig ist in Griechenland. Die Fischer lebten auf dem See und sie wohnten in speziellen Strohhütten, die sie aus Rohrschilf fertigten und auch Pfosten errichteten, die sie im Grund des Sees verankerten. Das Zelt mit einer Feuerstelle war für die Fischer ihr eigentliches Zuhause. Es bot maximal 4 Leuten Platz, so dass jeder Fischer bis zu drei Gehilfen bei sich hatte. Man versorgte sich weitgehend aus dem See. Im Schnitt blieben die Männer 2 bis 3 Wochen auf dem See, bevor sie für kurze Zeit in ihre Dörfer gingen. Nur im Winter von Januar bis April wurde der Fischfang eingestellt, nicht aus Rücksicht auf die Fischer, sondern aus Rücksicht auf den See und zur Sicherung der Fischbestände. Das Leben der Menschen des gesamten Landstrichs war auf engste verbunden mit dem See, der auch Heimstatt für zahlreiche Vogelarten war.
In den 60er Jahren indes kam es zu einem kaum vorstellbaren Entschluss und der See wurde Zeit trockengelegt, mit all den Folgen für Mensch und Natur, die solch eine Entscheidung mit sich bringt. Der See hatte erneut seine Fischer verloren. Der See wurde zum Ackerland, die Fischer zu Landwirten, die besondere Flora und Fauna dem Untergang preisgegeben. Die klimatische Katastrophe, die solch ein Eingriff mit sich bringt wurde bald sichtbar und vor allem spürbar. Der Grundwasserspiegel sank dramatisch und die Wasserversorgung war gefährdet. Die Landschaft versteppte und gleichzeitig verursachten die Regen und Schmelzwasser des Pelion jedes Jahr Überschwemmungen.
Insgesamt 2.300 Hektar sind wieder an den See abgetreten worden und im Laufe nur kurzer Zeit kamen auch die Bewohner zurück. Es entstand ein Naturreservat, das einen Besuch wieder lohnt. Die Vögel kehrten zurück, und die Natur findet langsam wieder ihr Gleichgewicht. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Fischer wieder an den See zurückkehren.

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