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Jannis Psilakis (1967-2006), Die Reise eines Humanisten

  1.107 Wörter 4 Minuten
2017-02-10 2017-02-10 10.02.2017 362 × gelesen

Jannis Psilakis. Photograph? Musiker? Forscher? Reisender? Reporter? Revolutionär? Wanderreisender? Humanist?
Was von alldem könnte ihn wohl treffender beschreiben und ihn als einen der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit ausweisen?

Auf der Grundlage der Beobachtung seines Lebensweges in den letzten Jahren und aus Anlass dieser Ausgabe werde ich mich im Folgenden auf jene Merkmale beziehen, die meiner Ansicht nach sein Werk als „wahrhaftig“, „ehrlich“ und „integer“ qualifizieren.
Seine Monographie «ο κόσμος είναι ένας» („Eine ist die Welt“) beinhaltet außergewöhnliche und hochqualitative Photos verschiedenster Volksstämme der Erde und gliedert sich in drei kompakte autonome thematische und mit Gegenüberstellungen versehene Einheiten. Beim Durchblättern der Seiten des Buches wird der Leser Teilhaber des Reichtums eines bedrohten Erbes und begibt sich mit der Linse von Jannis Psilakis zu den entferntesten, zugleich aber zauberhaftesten Regionen der Welt.

Als gegenwärtiger Hemingway und authentischer Weltreisender dokumentiert er mit dem Objektiv seines Photoapparats „Szenen“ aus dem Leben der Kalas in Pakistan, die einer alten Legende zufolge die Nachfahren Alexanders des Großen sind, der Touareg in West-Sahara, die sich in erster Linie durch Wanderviehzucht am Leben halten, der Dogon in Mali, die ihre Dörfer am Rand eines Felsen errichteten, der Massai, die mit ihren Rinderherden durch die Ebenen Ostafrikas ziehen, der asketischen Pasupatinat in Nepal, der Rampari im indischen Radjastan, die ein den Beduinen und Touareg ähnelndes halbnomadisches Dasein fristen, der Hamer und Karo in Äthiopien, die zur Verzierung ihres Hauptes rote Erdfarbe und Tierfett benutzen, der Huli in Papua-Neuguinea, die an die Damia glauben, an Geister, die im Himmel, in den Flüssen und in den Bergen hausen, und der Aimara und der Maputse in Bolivien und Peru, die am Titikaka-See leben, sich mit der Fischerei beschäftigen und als Kennzeichen den hartfaserigen Filzhut tragen, den sie im Laufe des 20. Jahrhunderts von den britischen Ingenieuren übernahmen, die die Eisenbahnstrecke bauten.

Jannis Psilakis ist an die Geburtsstätte Buddhas gereist und hat sich mit den geistigen Elementen auseinander gesetzt, die in ihren religiösen Zeremonien und rituellen Praktiken auftreten, während er zugleich auch andere vorzeitliche Dogmen animistischer und paganistischer (heidnischer) Provenienz studiert hat, wie die Fruchtbarkeitsverehrung, die Tieropferung, und die Geisterverehrung, die fast immer in entwickeltere Formen der Verehrung Aufnahme gefunden haben.

Philosophische oder kunstwissenschaftliche Annäherungen an die Photographie interessieren ihn nicht. Er inszeniert seine Modelle nicht, um sie zu photographieren. Er idealisiert seine Bilder nicht. Er ist keiner religiösen und kulturellen Tradition verpflichtet, im Gegenteil: er eignet sich die Besonderheiten von Kulturen der unterschiedlichsten Herkunft an und verfügt solcherart über die einzigartige Fähigkeit, sie miteinander zu versöhnen.

Für Jannis stellt das Objektiv eine Verlängerung seines Auges dar, und seine Hand ist die Fortsetzung seiner Seele. Damit begibt er sich auf die Suche nach dem momentanen menschlichen Blick, nähert sich der Wahrheit und berührt sie, um schließlich die Seelen der Menschen ins Licht zu setzen.
Abgesehen vom Bild, das sich auf dem Film niederschlägt, erforscht er deren Stimmungslage, ihre Gefühle, ihre Sorgen und Ängste und ihre Freuden. Jenseits aber der allgemeinen Sensibilität, die seine photographische Kunst kennzeichnet, scheint seine Absicht durch, den Widerspruch zwischen dem Authentischen und Unbefleckten, wie es in seinen Photographien zum Ausdruck kommt, und dem Reifen und Abgenutzten der westlichen Welt zu erforschen.

Er lehnt den Selbstzweck der „Originalität“ ab, der den Künstler in gewisser Weise in die Unzugänglichkeit verbannt. Statt dessen photographiert er aus einem inneren, vieldeutigen Bedürfnis heraus, wobei er den Menschen und dessen Größe in den Mittelpunkt rückt. Insofern, und im Gegensatz möglicherweise zu einem professionellen – im engeren Sinne – Photographen macht er Kunst für den Menschen und nicht notwendigerweise Kunst für die Kunst.
Prägend für sein gesamtes Werk ist ein realistischer Ansatz, der allerdings nur dem Namen nach als realistisch firmiert. In Wirklichkeit ist sein scheinbar strenger und unmittelbarer Realismus nichts anderes als das sanfte und stille Eindringen in eine unerschöpfliche innere Welt.
In seinem Werk – sozusagen die photographische Umsetzung und Gestaltung eines persönlichen und authentischen Codes – spiegelt sich eine große Bandbreite an Ausdrucksformen wider, kommen die fernöstliche Schlichtheit und Höflichkeit ebenso zur Geltung wie die Strenge des Westens und die romantische Sinnlichkeit des nahen und mittleren Ostens.

In seinen photographischen Arbeiten ist der anthropozentrische Ansatz vorherrschend. Vor unseren Augen breitet sich der ganze Reichtum der Innerlichkeit, der Expressivität, der seelischen Verfassung des Menschen aus. Im Mittelpunkt von Psilakis’ photographischem Werk steht der Mensch in seinen vielfältige Rollen: der visionäre Mensch, der kämpfende Mensch, der revolutionäre Mensch, der Mensch als Sieger und als entscheidender Akteur der Geschichte.

Er weiß allzu gut, dass der Fortschritt, auf den sich das Nachkriegseuropa bisweilen so viel eingebildet hat, weder glücklichere Gesellschaften hervorgebracht noch zur Realisierung einer gerechteren Verteilung des Reichtums und Wohlstands auf der einen und der menschlichen Würde auf der anderen Seite beigetragen hat.
Auch wenn sich Psilakis einmal als Romantiker, ein andermal als Revolutionär gibt, verliert er niemals seine Mission und Bestimmung aus den Augen. Er sieht in der Photographie kein hermetisch abgeriegeltes Gefilde, sondern einen offenen Raum, der sich in gegenseitiger Wechselwirkung mit dem Leben, der Gesellschaft, der Politik und der Religion befindet. In seinem Werk spiegelt sich unübersehbar sein tiefer Glaube an die Prinzipien und Ideen wider, denen er während seines gesamten Wirkens mit fast schon heiligem Respekt treu diente.
Jannis’ Welt ist Eine; eine Welt, die eher auf Gefühl und Instinkt beruht denn auf Logik und Intellekt. Auf diese Weise gelingt es ihr, sämtliche Sinne zu aktivieren und ein zutiefst aktueller Vorschlag zur Selbsterforschung zu sein, die dank seiner Unmittelbarkeit zu einer Neubestimmung unserer Präferenzen führt.
Sein ganzes Leben hindurch bewunderte Psilakis die Schönheit, die durch die kontinuierliche Pflege und Dekoration des Körpers in Form von den verschiedensten Mustern, Schmuckstücken und Bemalungen der Haut zum Zweck des Schutzes vor der heißen Wüstensonne zum Ausdruck kommt.
Er hörte die rhythmischen Töne der Tam-Tams und Trommeln der Stämme des afrikanischen Kontinents. Er lernte die Techniken und die geheimen Färbmethoden kennen, die bei der traditionellen Bekleidung zum Einsatz kommen, und schenkte uns machtvolle, vor Farben, Klängen und Düften überflutende Bilder, sich dabei ausschließlich auf das tiefe Gefühl stützen und nicht auf die Sperenzien einer starren Logik.

Beim Umblättern der Seiten dieser Monographie, werden wir von Jannis auf zeitlose Reisen mitgenommen, im Laufe derer in uns widerstreitende Gefühle hervorgerufen werden, die jedoch nebeneinander koexistieren und so die Intensität, den Widerspruch und den Zweifel nähren, insbesondere in Bezug auf die Verhaltensweisen der Menschen, die sich die Last aufgeladen haben, die persönliche Lebensangst des menschlichen Schicksals weiter zu tragen.

In einer äußerlich aufgelösten Welt, in der die Globalisierung mit Vereinsamung und die Wissenschaft mit einer zunehmenden Spiritualität einhergehen, rückt Jannis Psilakis in seinem vielfältigen Werk genau diese Werte ins Zentrum, die geradezu prophetisch als ein System der archetypischen Logik fungieren, die der „westliche“ Mensch des 21. Jahrhunderts aufgefordert ist zu erforschen.

6 Bilder für das Keyword JannisPsilakis gefunden.

Jannis Psilakis ((1967-2006), unter anderen Photograph und Reisender und einer der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit – Havanna, Kuba. Jannis Psilakis ((1967-2006), a photographer and traveller among other things, and one of the most versatile and charismatic people of our time – Havana, Cuba. Γιννης Ψιλκης - Αβνα, Κοβα Jannis Psilakis
Jannis Psilakis ((1967-2006), unter anderen Photograph und Reisender und einer der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit – Pakistan. Jannis Psilakis ((1967-2006), a photographer and traveller among other things, and one of the most versatile and charismatic people of our time – Pakistan. Γιννης Ψιλκης - Φυλ Καλς, Πακιστν Jannis Psilakis
Jannis Psilakis ((1967-2006), unter anderen Photograph und Reisender und einer der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit – Balankuru, Pakistan. Jannis Psilakis ((1967-2006), a photographer and traveller among other things, and one of the most versatile and charismatic people of our time – Balankuru, Pakistan. Γιννης Ψιλκης - Μπαλνγκουρο, Φυλ Καλς, Πακιστν Jannis Psilakis
Jannis Psilakis ((1967-2006), unter anderen Photograph und Reisender und einer der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit – La Paz, Bolivien. Jannis Psilakis ((1967-2006), a photographer and traveller among other things, and one of the most versatile and charismatic people of our time – La Paz, Bolivia. Γιννης Ψιλκης - Λαπζ, Βολιβα Jannis Psilakis
Jannis Psilakis ((1967-2006), unter anderen Photograph und Reisender und einer der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit – Balankuru, Pakistan. Jannis Psilakis ((1967-2006), a photographer and traveller among other things, and one of the most versatile and charismatic people of our time – Balankuru, Pakistan. Γιννης Ψιλκης - Μπαλνγκουρο, Πακιστν Jannis Psilakis
Jannis Psilakis ((1967-2006), unter anderen Photograph und Reisender und einer der vielseitigsten und charismatischsten Menschen unserer Zeit – Dodekanesinsel Karpathos, Griechenland. . Jannis Psilakis ((1967-2006), a photographer and traveller among other things, and one of the most versatile and charismatic people of our time – Dodecanese island of Karpathos, Greece. Γιννης Ψιλκης - Κρπαθος, Ελλδα Jannis Psilakis