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Manolis Lambrakis & Antonis Giamalakis - Zwei Andarten aus Arkalochori (Kreta)

  449 Wörter 2 Minuten 217 × gelesen
2018-12-12 2018-12-12 12.12.2018

Im Herbst 2018 verbrachten wir einige Tage auf Kreta. Am letzten Tag in Iráklion besuchten wir vormittags das sehenswerte Historische Museum Kretas; am Nachmittag hatten wir vor, mit dem KTEL-Bus noch einen Ausflug in einen Ort in der Nähe Iráklions zu machen. Unser erster Plan,  nach Anógia zu fahren, scheiterte, da es keinen Abendbus von dort zurück nach Iráklion gab. So entschieden wir uns spontan, nach Arkalochóri zu fahren, einem Dorf, das 32 km südlich von Iráklion auf 400 m Höhe liegt. Im Jahr 2011 hatte Arkalochóri 4300 Einwohner; heute besitzt der Ort eine beachtliche Infrastruktur, die zwei Grundschulen, ein Gymnasium, ein Lyzeum, eine Polizeistation, eine Post, Banken und ein Gesundheitszentrum umfasst. Arkalochóri und die umliegende Gegend ist stark von der Landwirtschaft geprägt, die hauptsächlichen Erzeugnisse sind Öl, Rosinen und Getreide. Außerhalb des Dorfes, auf dem Weg nach Archontikó, befindet sich beim Friedhof eine dem Erzengel Michael gewidmete Kirche mit interessanten Wandmalereien.

An dem Platz bei der Metropolitankirche Agios Andréas entdeckten wir auch zwei Büsten der aus Arkalochóri stammenden Widerstandskämpfer Manólis Lambrákis (1918-1943) und Antónis Giamalákis (1920-1944). Die beiden Andarten bezahlten den Kampf gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg mit ihrem Leben. Trotz Folterungen in den berüchtigten Gefängnissen von Agiá weigerten sie sich, die Namen ihrer Mitkämpfer zu verraten.

Manólis Lambrákis kämpfte zuerst an der albanischen Front und anschließend gegen die deutschen Fallschirmjäger. Auch an der Schlacht von Viánnos war er beteiligt. Am 3.11.1943 wurde er auf dem Weg von Arkalochóri nach Iráklion wegen Verrats von den Deutschen verhaftet. In den Gefängnissen von Iráklion und Agiá wurde er schlimm gefoltert, dennoch weigerte er sich, auszusagen. Er wurde zum Tod verurteilt und mit vier weiteren Andarten in Agiá hingerichtet.

Drei Jahre später schrieb ein deutscher Oberleutnant darüber in einer Dresdener Zeitung: „Ich erinnere mich, dass die Gestapo von Iráklion im November 1943 einen Manóli Lambráki verhaftet hat mit der Anklage, dass er an der Schlacht von Viánnos teilgenommen hätte. Die Torturen, die dieser Mensch ungefähr einen Monat zu erleiden hatte, waren furchtbar. Ich begegnete ihm zufällig in irgendeinem Büro wenige Stunden vor seiner Hinrichtung. Er stand da mit erhobener Stirn und schaute uns direkt in die Augen, als ob er uns herausfordere. Und trotzdem wußte er, dass er bald nicht mehr leben würde. Sie richteten ihn in Agiá im Morgengrauen desselben Tages hin ...“

Antónis Giamalákis war Verbindungsmann von Andartengruppen und arbeitete als Dolmetscher der Deutschen. Er war auch auf dem Gebiet der Desertation deutscher Soldaten aktiv. Ab Juni 1942 übermittelte er über seine Schwester Stella Informationen an die griechischen Widerstandsgruppen, obwohl er zweimal verhaftet und eingesperrt wurde. Am 8. Oktober 1944 wurde er gefangengenommen und zwischen dem 20. und 25. Oktober – nur 24 Jahre alt – erschossen.