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Interview mit MARIA LAFTSIDIS-KRÜGER, Schriftstellerin & Hobbyköchin

  1.711 Wörter 6 Minuten
2018-08-16 2018-08-16 16.08.2018 82 × gelesen

Radio Feta – Marias griechisch-kulinarischer Kosmos

Maria Laftsidis-Krüger ist im Ruhrgebiet geboren. Die Halbgriechin mit hellenischem Vater lebt in Herne, fährt aber regelmäßig nach Griechenland. Maria ist Radiomoderatorin, Buchautorin und Kochshow-Gewinnerin, arbeitet jedoch hauptberuflich bei einer Bank. Das Multitalent gibt außerdem seit einigen Jahren Kochkurse für griechische kreative Küche an der Volkshochschule in Bochum und Herne. Für Maria ist das Kochen der Ausgleich zum Berufsleben. Im Fernsehen kochte sie bei „Das perfekte Dinner“, gewann „Mein wunderbares Wohnlokal“ und trat schließlich bei der „Küchenschlacht“ an. In den Kochbüchern mit kulinarischen Entdeckungen und Traditionellem aus Griechenland präsentiert sie außerdem kleine Geschichten rund um Hellas. Ihre andere große Leidenschaft neben Feta und Tsatsiki ist die griechische Musik. Zweimal pro Woche moderiert sie im Internet ihre eigene Radiosendung: Marias Kosmos.

Andreas Deffner: Maria, wo fühlst du dich eigentlich heimisch?
Maria Laftsidis: Ich bin ja als Halbgriechin im Ruhrgebiet geboren. Die ersten zwanzig Jahre meines Lebens bin ich komplett Deutsch aufgewachsen. Mit deutscher Mutter, deutscher Sprache und dem deutschen System. Mit allem was dazu gehört: Pünktlichkeit, Genauigkeit, Ordnung. Durch meinen Vater ist die Liebe zu Griechenland dann im Laufe der Zeit gewachsen. Ich habe gemerkt, dass die Griechen das Leben leichter nehmen. Sie sind nicht so eingepresst. Daher denke ich, dass ich auch etwas von diesem Spagat in mir habe, dass ich beides unter einen Hut bekommen habe. Von daher sehe ich mich eher als Mischwesen.

Andreas Deffner: Wie schaffst du diesen Spagat und wie holst du dir ein bisschen Griechenland ins Ruhrgebiet?
Maria Laftsidis: Also erst einmal leben wir mit sehr viel Platz, und so haben wir die Möglichkeit regelmäßig kleine Events zu veranstalten. Am kommenden Wochenende auch wieder. Ich lade gerne Freunde ein, meistens so 20-30 Leute, die alle ein Griechenland-Faible haben und sich gerne in geselliger Runde austauschen. Zum Beispiel bringt jeder etwas zu essen mit oder ein Instrument. Das ist ein bisschen wie in meinen VHS-Kursen. Da geht es auch nicht nur ums Kochen, sondern um das Vermitteln der griechischen Idee. Dabei lernt man immer neue Leute kennen. Das gefällt mir. 

Andreas Deffner: Du redest gerne, die griechische Musik ist eines deiner Hobbys und zweimal in der Woche hast du sogar deine eigene Radiosendung. Wie bist du zur Moderation gekommen?
Maria Laftsidis: Ich habe ein ganzes Zimmer voller Musik. Seit über 30 Jahren sammle ich CDs mit griechischer Musik, es sind heute mindestens 3000 Platten. Vor einigen Jahren habe ich zufällig einen Mann kennengelernt, der einen Internetradiosender aufbauen wollte. Irgendwie hat mich das interessiert. Ich wollte auch gerne Radio machen und Christian, so hieß er, fand meine Stimme gut, und er hat mich in dieser Idee bestärkt. Er sagte: Du kannst das, du schaffst das! Und weil ich immer schon nur griechische Musik in meiner Sendung spielen wollte, bin ich letztlich bei Ero-Radio gelandet. Der Besitzer des Senders ist Grieche und hat ein Restaurant in der Nähe von Düsseldorf. Dort spielt er immer seinen Sender. Meine Sendung „Marias Kosmos“ läuft am Donnerstagabend um 20 Uhr und am Sonntagabend ab 18 Uhr, bis vor den „Tatort“. Ich spiele viel griechische Musik und wir reden über Themen aus Griechenland, über Tanz und Musik. Ich möchte in meiner Sendung auch ein bisschen Verständnis für Hellas schaffen, immerhin hören mich auch sehr viele Deutsche.

Andreas Deffner: Neben Musik und Radio ist Kochen deine andere große Leidenschaft ...
Maria Laftsidis: ... genau! Wir leben hier in einem Drei-Generationenhaus. Da waren immer viele Leute anwesend, und es wurde eigentlich auch immer gekocht. 2008 war ich im Fernsehen bei „Das perfekte Dinner“. Damit kam alles ins Rollen, und ich habe danach auch angefangen, Kochkurse zu geben. Als ich „Mein wunderbares Wohnlokal“ gewann, hatte ich 30 Leute hier bei mir zu Hause zu Gast.

Andreas Deffner: Was hast du damals gekocht?
Maria Laftsidis: Es gab ein griechisches 3-Gänge-Menü. Das war toll. Meine Kochkurse sind seitdem immer innerhalb von drei Stunden ausgebucht. Das muss man sich einmal vorstellen! Ich glaube, du musst den Leuten auch die Liebe zu dem Land vermitteln. Ich versuche, den Menschen beim Kochen und durch das Kochen mein Vaterland näherzubringen. Das kommt scheinbar ganz gut an. Und mir macht es riesigen Spaß.

Andreas Deffner: Was ist dein Lieblingsgericht?
Maria Laftsidis: Smyrneika-Tsoutsoukakia. Hackfleischbällchen nach Art der Griechen von Smyrna. Smyrna, das heutige Izmir, liegt in Kleinasien, und von dort stammt meine Familie ursprünglich. Diese Fleischbällchen sind für mich etwas ganz Besonderes.

Andreas Deffner: Aber du machst auch viel mit Feta, wie man deinen Kochbüchern entnehmen kann. Eines heißt „Fet(t)a kann auch anders“.
Maria Laftsidis: Ja! Früher habe ich Feta überhaupt nicht gegessen! Bis immer mehr Menschen hier im Ruhrgebiet zu mir gesagt haben: ‚Hömma, du bis Halbgriechin, du musst doch diesen Feta-Käse essen!‘ Und so habe ich mich langsam daran gewagt. Habe viele Rezepte ausprobiert und ihn lieben gelernt. Er ist ja so vielseitig. Kürzlich habe ich zum Beispiel Feta in Nordgriechenland, in Thrakien, mit Gouda überbacken gegessen. Ein Traum! Oder auch paniert ist er sehr lecker. Er kann eben auch anders als nur im Bauernsalat. Das finde ich super.

Andreas Deffner: Viele dieser Rezepte finden sich in deinen Kochbüchern. Wie ist die Idee fürs Kochbuchschreiben entstanden?
Maria Laftsidis: Der Ansporn dazu kam, als ich „Mein wunderbares Wohnlokal“ beim Fernsehsender VOX gewonnen hatte. Es gab da ein Startgeld und eine kleine Gewinnerprämie. Ich fuhr nach dem Dreh nachts um vier Uhr von Wuppertal nach Hause und habe mir überlegt: Komm, das Geld nimmst du jetzt und produzierst damit dein erstes Kochbuch. Als Neuling ist das ja nicht so einfach, ein Buch zu publizieren. Aber ich wollte das unbedingt tun. Und heute weiß ich, dass es funktioniert hat.

Andreas Deffner: VOX hat uns also deine Kochbücher geschenkt!
Maria Laftsidis: Ja genau, so kann man das sehen. (lacht)

Andreas Deffner: Du hast deine Kochkurse angesprochen. Wenn ihr da, typisch griechisch und in geselliger Runde – in parea – kocht, was schenkst du da ein?
Maria Laftsidis: Na ja, einen griechischen Wein haben wir schon da oder einen Ouzo. Es soll authentisch sein, daher gibt es Retsina mit Cola. Typisch nordgriechisch. Aber es steht nicht so sehr das Essen und Trinken, sondern das gesellige Kochen im Vordergrund. Meine Kurse bestehen aus 16 Teilnehmern, die ich in vier Gruppen aufteile. Jede Gruppe kocht etwas anderes. Meistens gebe ich Mesedes-Kurse, wir machen also viele verschiedene kleine Vorspeisen. Wie in Griechenland. Wunderbar! Oder wir machen einen Themenabend. Im nächsten Semester zum Beispiel auch mal die Küche aus Konstantinopel. Kochen wie die Griechen in Kleinasien.

Andreas Deffner: Radio, Musik, Kochen, du hast viele Hobbys, und dazu kommt dann noch das Schreiben.
Maria Laftsidis: Ja, ich selbst sage immer, dass ich Hobbyschreiberin bin. Ich würde mich selbst nie als Autorin bezeichnen, das klingt zu hochtrabend. Mein eigentlicher Job ist nun einmal Bankkauffrau. In meinen Kochbüchern gibt’s Kochrezepte, aber ich schreibe auch kleine Geschichten aus dem griechischen Leben auf. Ich habe mir gedacht, dass es schon genug griechische Kochbücher gibt, und da wollte ich mich etwas abheben.

Andreas Deffner: Aber neben den kleinen Geschichten gibt es auch die größeren.
Maria Laftsidis: Es haben mich immer mehr Menschen auf die Kurzgeschichten in den Kochbüchern angesprochen. „Schreib mehr davon!“ oder „Mein Mann liest immer nur deine Geschichten“. Da habe ich irgendwann gedacht, wage dich doch mal an etwas Größeres heran. Und so entstand mein Roman. Besser gesagt eine Trilogie.

Andreas Deffner: Es beginnt mit „... und Michalis tanzt wieder!“
Maria Laftsidis: Genau. Es spielt in Nordgriechenland. Da, wo ich mich auskenne. Es handelt von einer Halbgriechin wie mir, und es spielt in der Nähe von Keramoti bei Thassos. Was mit einer Liebesgeschichte beginnt, wird zu einem spannenden Krimi. Es liegt ein 30 Jahre altes Geheimnis zugrunde. Aber ich will nicht zu viel verraten. Jedenfalls tanzt Michalis wieder, nachdem er lange traurig war, weil seine Frau früh verstarb. Ein Leben voller Trauer, bis Konstantina kam ...

Andreas Deffner: Klingt jedenfalls auch nach tollen Einblicken in eine wirklich spannende Gegend Griechenlands. Du warst kürzlich wieder auf einer Rundtour dort unterwegs.
Maria Laftsidis: Genau, wir waren in Thrakien. Das ist wirklich noch das ursprüngliche Griechenland. Ein völlig unberührter Landstrich. Viele Wälder, hohe Berge und der spektakuläre Fluss Evros an der Grenze zur Türkei. Eine landwirtschaftlich geprägte Gegend bis hoch in das Rhodopengebirge, wo sogar Tabak angebaut wird. Dort leben Menschen, wie zum Beispiel die ethnische Minderheit der Pomaken, mit ganz unterschiedlichen Kulturen, Ansichten und Religionen, völlig friedlich nebeneinander. Man sieht dort zum Beispiel auch sehr viele Minarette. Der Islam ist hier verbreitet und existiert neben der Orthodoxie. Die Menschen haben aus der Geschichte gelernt und leben friedlich nebeneinander. Das hat mich sehr fasziniert.

Andreas Deffner: Maria, wir könnten jetzt noch ewig weitererzählen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf dein nächstes Buch, und bis dahin werde ich versuchen, einen Platz in einem deiner Kochkurse zu ergattern. Zum Schluss aber noch eine letzte Frage: Was kochst du heute?
Maria Laftsidis: Pantremeni sardelles. Übersetzt: verheiratete Sardellen. Diese werden ausgenommen, aufgeklappt und am Ende nicht getrennt, so sehen sie aus, als seien sie unzertrennbar, verheiratet eben. Ich werde sie mit einer Zwiebel-Tomaten-Füllung im Ofen in Tomatensoße überbacken.

Andreas Deffner: Das sind doch leckere Aussichten. Dann mal ran an den Herd und Danke für das Interview!

 

Marias spontaner Kosmos in 5 Fragen und Antworten:

1. Herne oder Hellas?
Als Lieblingsort? Irgendwie beides! Immer nur Hellas wäre für mich auf Dauer wahrscheinlich nicht so schön, wie wenn ich weiß, ich bin das ganze Jahr in Herne und kann zwei-, dreimal pro Jahr runterfahren. 

2. Mark Foster oder Michalis Chatzigiannis?
Auf jeden Fall Michalis Chatzigiannis! Mein Herz hängt an der griechischen Musik, weil sie vielseitiger ist als die deutsche. Die griechische Musik hat viel mehr Nischen und dadurch auch viel mehr Spektakuläres.

3. Frischkäse oder Feta?
Inzwischen auch lieber Feta, weil ich ihn im Laufe der Zeit lieben gelernt habe. Man kann unheimlich viel mit ihm machen. Mit dem Fetta, wie die Griechen sagen.

4. Riesling oder Retsina?
Ja, da kommt auch meine griechische Seele durch. Der Retsina, eiskalt. Aber nur mit Cola! Ich glaube das ist die makedonische Variante. Dort bei uns im Norden Griechenlands ist es normal. Cola mit Retsina oder auch Sprite mit Retsina.

5. Sebastian Fitzek oder Petros Markaris?
Dann lieber auch Markaris. Von ihm habe ich alle Bücher gelesen. Mein Lieblingsbuch von ihm ist Kinderfrau, weil es im Norden Griechenlands spielt und die Problematik um Konstantinopel beschreibt.

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