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Wenn Poesie auf Klassik trifft - Konstantinos Kavafis

  1.648 Wörter 6 Minuten
2018-07-16 2018-07-16 16.07.2018 84 × gelesen

„Eine zweite Chance zur Unendlichkeit“ gibt der Komponist Athanasios Simoglou der Lyrik von Konstantinos P. Kavafis
Konzerte in der Stuttgarter Liederhalle, am 5. März 2017 und im Gasteig München, am 30. März 2017

Mit dem Titel „Stimmen“ präsentierte der Stuttgarter Kulturverein Kalimera e.V. am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis (1863 - 1933).

Hervorragende Musiker des Orpheus Kammerorchesters Wien unter der Leitung von Konstantinos Diminakis und großartige Solisten – Alexandra Gravas, Mezzosopran, Maria Palaska, Sopran und Alex Tzovanis, Bariton, trugen zu einem überwältigenden Erfolg der Aufführung bei.
Die Teilnahme des Internationalen Chors des Staatstheaters Stuttgart unterstrich die Internationalität des Poeten, des Komponisten, der Musiker und der Sänger.
Die Gedichte in deutscher Sprache interpretierte Florian Esche gefühlvoll.

Die Schirmherrschaft hatte die Botschaft der Hellenischen Republik übernommen.
Als ihr Vertreter begrüßte der Generalkonsul Panagiotis Partsos das internationale Publikum.
Das griechische Fernsehen dokumentierte das Ereignis und strahlte es in der Sendung „Diaspora“ am 8. April aus. 

„Als Komponist fühle ich Stolz, aber gleichzeitig auch Ehrfurcht und große Verantwortung im Dienste von Konstantinos P. Kavafis“, sagt der Komponist Athanasios Simoglou, der seit 1982 in Stuttgart als niedergelassener Arzt arbeitet. Komposition ist seine Leidenschaft und liebste Beschäftigung, betont er. In Thessaloniki hatte er Musik studiert, später besuchte er parallel zum Studium der Medizin in Mailand das Nationale Konservatorium.

Bereits 2011 war die erste CD „Shades of Love“ erschienen, mit 12 Gedichten in griechischer Sprache, gefolgt von „Return“ 2012 und „Theissis“ 2015. Eine Auswahl aus dieser Trilogie von 36 Liedern ist das letzte Werk „Stimmen“ in deutscher Sprache, vom Komponisten selbst übersetzt. So das berühmteste Gedicht „Ithaka“, das den Titel gebende Gedicht „Stimmen“, „Warten auf die Barbaren“, „Der Gott verlasse Antonius“ und andere.

Dieses lyrisch-musikalische Werk wurde 2016 mit dem Orpheus Kammerorchester Wien unter Leitung von Konstantinos Diminakis aufgenommen: mit den Solisten Maria Kostraki, Sopran, Elsa Giannoulidou, Mezzosopran, Kyros Patsalides, Bariton und Arabella Fenyves, Sopran.

Die herausragenden Solistinnen Maria Kostraki und Elsa Giannoulidou konnten die Besucher des Konzertes in München genießen, am 30. März im Gasteig. Der Veranstalter „Club Griechischer Akademiker München“ präsentierte das musikalische Ereignis als „Jubiläums-Liederkonzert“ zu seinem 40-jährigen Bestehen „Eine Reise in die Poesie von Konstantinos Kavafis.

Als Bariton nahm dort Timos Sirlantzis teil, die Leitung des Orpheus Kammerorchesters Wien hatte der international bekannte Dirigent Michalis Economou.

Der Dichter Konstantinos Kavafis gilt als Wegbereiter der modernen griechischen Lyrik, von dem viele griechische Schriftsteller, wie Nikos Kazantzakis und die Nobelpreisträger Jorgos Seferis und Odysseas Elytis, beeinflusst wurden.

Seine Sprache besticht durch ihre Klarheit und ihre Ironie. Er verzichtet auf rhetorische Mittel und Ornamente und ist von historischen, philosophischen und erotischen Motiven durchdrungen.

Konstantinos P. Kavafis wurde 1863 in Alexandria als siebtes Kind eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Er lebte mit seiner Familie später in Liverpool und in Konstantinopel.
Seine Heimat war Alexandria, wo er als Beamter ein unauffälliges Leben lebte, stets auf der Suche nach Erfüllung.
Kavafis starb dort mit 70 Jahren, am Tag seines Geburtstages.
Die erste Ausgabe seiner Lyrik erschien erst zwei Jahre später.

 

ITHAKA (1911)
Brichst du auf gen Ithaka,

Wünsche dir eine lange Fahrt,
Voller Abenteuer und Erkenntnisse. 

Immer behalte Ithaka in deinem Sinn.
Dort anzukommen ist dein Reiseziel.
Doch beeile nur nicht auf deiner Reise.
Besser, dass sie lange Jahre dauert,
Und erst, wenn du alt geworden, lande
Auf der Insel, reich an allem,
Was du auf deiner Fahrt gewannst,
Ohne die Erwartung, dass Ithaka
Dir Reichtum schenkt. 

Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht aufgebrochen.
Nun hat es dir nichts mehr zu geben.
Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt. 

Ithaka betrog dich nicht.
So weise wie du wurdest, mit so viel Erfahrung
Wirst du ohnehin verstanden haben,
Was die Ithakas bedeuten.

 

„DER DICHTER AUS DER SICHT DES KOMPONISTEN
Als Komponist fühle ich Stolz aber gleichzeitig auch Ehrfurcht und große Verantwortung im Dienste von K.P. Kavafis.

Meine erste Bekanntschaft mit dem Dichter machte ich in meiner Gymnasialzeit, und seither besteht unser Kontakt weiterhin pausenlos bis heute. Meine erste Komposition war 1983 in Stuttgart, als ich „Ithaka“ vertonte und es folgten zügig: „Die Stadt“, „Thermopylen“, „Damit sie kommen“ und „Soweit wie möglich“. Seitdem und bis heute habe ich insgesamt 36 Gedichte von K. P. Kavafis vertont.

Ich bekenne mich als Verehrer des Dichters, und mein Hauptziel ist es, ihn für das breite Publikum bekannter zu machen. Damit das geschieht sollten die Vertonungen für die meisten zugänglich sein, und sie sollten auf die Lippen der Menschen gelangen können, damit sie gesungen werden. Weil jedoch von Zeit zu Zeit von vielen Experten gesagt wurde, dass Kavafis aufgrund seiner unorthodoxen Verse nicht zu vertonen sei, möchte ich mit dieser CD das Gegenteil beweisen.

So oft ich auch versucht habe, den Dichter zu charakterisieren, war mir das unmöglich, wie viele Adjektive ich auch benutzte. Die einzige Charakterisierung, die mich zufriedenstellt ist: „KAVAFIS – DAS PHÄNOMEN“. Unumstritten handelt sich hier um einen Dichter mit weltweiter Anerkennung. Einige seiner Haupteigenschaften sind folgende: ökumenisch (allmenschlich), immergrün (zeitlos, also immer aktuell), menschzentriert und irdisch (das Metaphysische interessiert ihn nicht), tief philosophisch (Philosoph-Dichter mit einem Blick auf die Geschichte), antirhetorisch, vielfältig und vor allem rätselhaft. Seine Symbolisierung ist ein Bestandteil seiner Ästhetik, der parallelen Ebenen (Sinne). Der Dichter stellt seine Problematik versteckt zwischen die Geschichte und die Umstände seiner Zeit, und er lädt Dich ein, selbst die Wahrheit herauszufinden. Also lädt Dich seine Poesie ein, sie zu erforschen und Teilhaber seiner Problematik zu werden. Mit anderen Worten handelt es sich um eine Methode entsprechend der „sokratischen Methode“.

K. P. Kavafis war subversiv in der Struktur der Verse und der Sprache und wird als einer der Begründer der zeitgenössischen griechischen Poesie angesehen, da von ihm viele große Schriftsteller und Dichter der nachfolgenden Generationen beeinflusst wurden, wie Xenopoulos, Kazantzakis, Ritsos und die zwei Nobelträger Seferis und Elytis.

Die KAVAFISCHE ARCHITEKTUR würde ich sagen, ist ein kunstvoller, archaischer Tempel, der sich auf vier Säulen stützt, vorne die Säulen des epikureischen Menschen (des Genusses) und die des platonischen Menschen (der Ideen), hinten die Säulen des altgriechischen Menschen der Würde und des Maßes und die des Griechen aus Alexandria des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Vorhof des Tempels ist das griechisch-römische Reich, und hinter dem Tempel befindet sich die unmittelbare Zukunft. In diesem Tempel zeltet die kavafische Poesie, die einen unbeschreiblichen Zauber ausstrahlt, die kavafische Atmosphäre. Ich würde sagen, eine bittersüße Atmosphäre als Osmoseprodukt zweier Welten: der altgriechischen (der Transparenz und Einfachheit) auf der einen und des angelsächsischen Skeptizismus (des Phlegmas) auf der anderen Seite.

Jeder, der diesen Tempel besucht, verlässt ihn nie wieder. Und das, aufgrund der Vielfältigkeit der kavafischen Poesie. Jedes Mal, wenn jemand ein bereits bekanntes Gedicht liest, entdeckt er immer etwas Neues. Außerdem liegt die Größe des K.P. Kavafis darin, dass er direkt unseren Verstand und unsere Seele anspricht, ungezwungen, ehrlich, wahr. Die Subjektivität des Dichters äußert den dramatischen Widerspruch zwischen seiner erotischen Unkonventionalität und der Verbote der Gesellschaft, die ihn umgab.

Für Kavafis entsprach die Inspiration dem schärfsten Bewusstsein des Reellen. Dennoch führt er uns an das volle und vollständige Gedicht, an das Kunstwerk: glänzend, autonom und nicht gealtert. Das ist die Gabe der Großen der Kunst.

Ein paar Worte zu den Produktionsfaktoren dieser CD:
Ich habe das verborgene Bedürfnis und ich hoffe, es ist mir erlaubt, kurz die anderen Faktoren dieser musikalischen Dichtung zu erwähnen.

Ich fühle mich stolz, das Glück gehabt zu haben, mit Frau Sonia Theodoridou, einer weltberühmten Sopranistin, zusammenzuarbeiten. Die gemeinsame Arbeit mit ihr ist für mich eine große Ehre, sie hat eine seltene und bezaubernde Stimme und ist eine hoch qualifizierte Künstlerin, und vor allem ist sie ein hervorragender Mensch mit großer Sensibilität. Unsere Zusammenarbeit war großartig und reich an neuen Erfahrungen für uns beide. Aus dieser Zusammenarbeit habe ich also eine teure Freundin und eine Kunstschwester gewonnen. Das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit werden Sie beurteilen.

Ebenfalls möchte ich mich für die Zusammenarbeit bei dem Bariton, Herrn Kostas Rafailidis, mit der prächtigen Stimme bedanken.

Es wäre jedoch ein Versäumnis, wenn ich nicht den Beitrag von Herrn Theodoros Orfanidis, dem Intendanten des Orchestra Mobile, einem klassischen Musikorchester, erwähnen würde, das sehr strukturiert und voller Leben ist und unter seiner Direktion meinem Werk bezaubernde Klangfarben schenkte. Herr Orfanidis ist ein besonderer Dirigent mit ebenfalls großer Sensibilität, und ich danke ihm von Herzen für seinen Eifer, mit dem er mein Werk behandelt hat. Ich wünsche ihm allen Erfolg.

Schließlich möchte ich mich bei Herrn Martin Öffik bedanken, dem Tontechniker bei Studio TRAUMTON in Berlin, für die Sorgfalt, mit der er an dieser CD gearbeitet hat, sowie bei Herrn Nikos Espialidis, dem Tontechniker im Konzerthaus Megaro Mousikis in Athen, der sich um das Mastering kümmerte.

Der Komponist
Athanasios Simoglou

 

BIOGRAFIE
Athanasios Simoglou wurde 1954 in Didymoteicho, Evros, in Griechenland geboren.
Im Alter von 10 Jahren begann er mit dem Musik- und Trompetenunterricht. Bis 1970 war er Mitglied des Philharmonischen Orchesters der Stadt Didymoteicho als Konzerttrompeter. Dirigent war der betrauerte Christos Mandallidis.
Die nächsten vier Jahre studierte Simoglou Klavier und Musiktheorie am Nationalen Konservatorium von Nordgriechenland. Sein Hauptdozent war Professor Grigorios Damianos.
Zwischen 1974 und 1981 studierte er Medizin und promovierte gleichzeitig an der Universität von Mailand in Italien. Parallel besuchte er Seminare zu den Themen Instrumentierung, Kompositionstechniken und Musikästhetik am Konservatorium «Giuseppe Verdi» in Mailand. Ein Jahr später zog er nach Deutschland, und zwar nach Stuttgart, wo er bis heute als Arzt praktiziert und parallel dazu Musik komponiert (Lieder und symphonische Werke).
2011 veröffentlichte er seine erste CD: Cavafy Shades of love, 2012 die zweite, Cavafy Return, die beide Lob von Kritikern und Publikum ernteten. Jetzt vervollständigt der Komponist mit Cavafy Theissis die Cavafy TRILOGIE.

8 Bilder für das Keyword Simoglou Kavafis gefunden.

Alexandra Gravas & Konstantinos Diminakis - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis statt. Dimitrios Pergialis
Alexandra Gravas - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis (1863 - 1933) statt. Dimitrios Pergialis
Alex Tzovanis - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis statt. Dimitrios Pergialis
Alexandra Gravas & Athanasios Simoglou - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis statt. Dimitrios Pergialis
K. Diminakis, Alex Tzovanis, M. Palaska & Alexandra Gravas - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des Dichters Konstantinos Kavafis statt. Dimitrios Pergialis
Maria Palaska - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis statt. Dimitrios Pergialis
Alexandra Gravas - Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis (1863 - 1933) statt. Dimitrios Pergialis
Mit dem Titel „Stimmen“ fand am 5. März 2017 in der Liederhalle Stuttgart ein großes Konzert des Komponisten Athanasios Simoglou mit vertonten Gedichten des alexandrinischen Dichters Konstantinos Kavafis (1863 - 1933) statt. Dimitrios Pergialis