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STRYME - Eine Stadt der Thasier in Thrakien

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2017-04-16 2017-04-16 16.04.2017 421 × gelesen

Herodot, ein antiker Geschichtsschreiber (*490/480 v. Chr.; † um 424 v. Chr.) berichtet folgendes. „Xerxes zog von Doriskos aus gegen Griechenland. Alle Völker auf diesem Weg mussten sich dem Zug anschließen. Denn wie schon früher erzählt habe, war alles Land bis nach Thessalien unterworfen und dem König tributpflichtig. Auf seinem Marsch zog Xerxes von Doriksos aus zunächst an den Befestigungen von Samothrake vorbei. Von ihnen liegt Mesambria im Westen, darauf folgt Stryme, die Stadt der Thasier.“
Der persische König Xerxes, der in der griechischen Quelle erwähnt wird, führte sein großes und machtvolles Heer gegen die Griechen. Sein langer Marsch gegen die Athener und Spartaner und deren Verbündete, führte ihn auch durch das thrakische Hinterland. Die antiken Städte, die er dabei passierte, waren lange Zeit nicht identifizierbar; die Zeit hatte alle Spuren verwischt.
25 km südwestlich der modernen Stadt Komotini, zwischen Fanari und dem antiken Maroneia gelegen, bilden die natürlichen Gegebenheiten eine Landzunge, die unter dem Namen Molyvoti bekannt ist. Die beiden Salzseen Elos und Ptelea grenzen das Areal weiter ein.
Innerhalb dieses kleinen Areals waren antike Ruinen sichtbar, die durch aufmerksame Beobachtung als Überreste der genannten Stadt Stryme anzunehmen sind (Abb. 1). Stryme war nicht nur eine Stadt die der persische König passierte, sie war auch eine wichtige Handelsstation der Bewohner der Insel Thasos, wie Demosthenes zu berichten wusste und wurde gerne genutzt, um ihre Produkte anzubieten und zu verkaufen.
Die Ausgrabungen, die in 50er Jahren und dann erst wieder seit den 90er Jahren durchgeführt wurden, konnten ein recht detailliertes Bild dieser Stadt zeichnen.
Zu den zentralen Befunden gehört die Nekropole der Stadt. Grabstelen, die im 6. Jahrhundert vor Christus gefertigt wurden, (Abb. 2 und 3) zeugen von den aufwändigen Bestattungsriten, mit denen man die Verstorbenen ehrte. Dazu gehört auch die weißgrundige Lekythos und die Kylikx, die im Friedhof entdeckt werden konnte (Abb. 10. 11)
Innerhalb der Stadt, die in vielen Aspekten noch unentdeckt ist, konnte jedoch ein Teil der antiken Wassernetzes entdeckt werden, die ganz offensichtlich schon bei der Stadtgründung angelegt wurden.
Die Konstruktion besteht aus einem ausgeklügelten System an Zuflussrohren und Auffangbecken, die das Regenwasser in Zisternen sammelte und somit die Wasserversorgung der Bewohner sicherte (Abb. 4 und 5). Man griff bei der Konstruktion dieses Wassersystems auf zeitgenössische Anlagen zurück. So sind viele Übereinstimmungen zu den Wasserversorgungsanlagen auf Samos, Perachora in Korinthien und Ägina festzustellen. Es ist durchaus denkbar, dass man zu diesem Zweck führende Handwerker und Techniker aus Griechenland unter Vertrag nahm. Es zeigt auch, dass man im Norden Griechenland durchaus Kenntnis hatte von den aktuellen Ingenieursleistungen.
Diese ausgesprochen moderne Stadt, die die neusten Technologien für seine Bewohner nutzte, umgab sich mit einer schützenden Mauer, die an einigen wenigen Stellen erhalten ist. Die Mauer war stellenweise bis zu 2,5 m breit und in regelmäßigen Abständen waren Wehrtürme angebracht (Abb. 6), die auch die Hauptzufahrtstrassen beobachteten und schützten. Das Straßensystem und auch die gepflasterten Straßen sind zum Teil sogar noch erhalten (Abb. 7).
Innerhalb des Stadtgebietes sind an verschiedenen Stellen Häuser zu Tage gekommen, die ganz eindringlich davon zeugen, dass der Handel mit dem Hinterland die wichtigste Einnahmequelle war. So sind es vor allem große Hausanlagen, die mit Vorratsräumen und Lagern ausgestattet waren. Landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten in großen Mengen gelagert werden. Aber der Handel ist auch durch die Funde selbst belegt. Es sind Amphoren entdeckt worden, die aufgrund der Stempelungen auf den Henkeln als Töpferware aus Chios, Samos und Athen gelten müssen. Es war Tradition, dass jede Stadt ihre Waren durch die Stempel auf den Behältern, in denen die Produkte transportiert wurden, kennzeichnete.
Sehr viel mehr ist über das Leben der Stadt nicht bekannt. Man weiß, dass Apollon, Dionysos und auch Asklepios (Abb. 9) in Stryme kultisch verehrt wurden. Abgesehen davon hatten die antiken Geschichtsschreiber kein großes Interesse an den Geschicken einer kleinen, wenn auch wohlhabenden Stadt im thrakischen Land.
Es gibt Hinweise darauf, dass Stryme von Philipp II. in kriegerische Handlungen verwickelt worden war und von der starken makedonischen Armee zerstört wurde.
Von diesen Ereignissen konnte sich die Stadt kaum wieder erholen. Offensichtlich verließen etliche Bewohner die Stadt und wanderten aus. Wohin sie zogen ist nicht überliefert.
Die wenigen Einwohner, die zurückblieben, versuchten noch eine zeitlang an die alte Handelstradition anzuknüpfen, was ihnen offensichtlich nicht gelang.
Ende des 3 Jahrhunderts vor Christus verließen die letzten Bewohner die Stadt, die erst wieder durch die neueren Grabungen mit Leben erfüllt wird.

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