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PLOTINOPOLIS – Eine Stadt für eine Kaiserin

  825 Wörter 3 Minuten
2017-04-16 2017-04-16 16.04.2017 435 × gelesen

Der römische Kaiser Trajan (98-117 nach Christus) war ein erfolgreicher Feldherr, der, durch die Eroberung großer Territorien im Osten, Rom zu seiner größten Ausdehnung verhalf. An vielen Orten, die er dem römischen Reich einverleibte, ließ er großzügige und moderne Bauten errichten als Zeichen seiner Macht und seiner Verehrung Roms.

Im Osten Griechenlands, das damals als römische Provinz Thracia galt, ließ er für seine Frau, Kaiserin Plotina, eine Stadt errichten. Das wussten zumindest die antiken Quellen zu berichten. Allerdings gab es keine Hinweise auf die genaue Lage der Stadt, die den Namen einer Kaiserin trug. Man wusste nur aus den Quellen, dass die Stadt in der fruchtbaren Ebene des Flusses Evros gelegen war, unweit der Stelle an der der Fluss Ardas sich in den Evros ergießt. Ein Ort, der heute eine natürliche Grenze zur Türkei bildet.

Eher zufällig wurde, wie dies nun oft der Fall ist bei großen Entdeckungen, bei modernen Bauarbeiten in den frühen 60er Jahren ein kleiner und eher unscheinbarer Hügel als Rest einer Siedlung identifiziert. Wertvolle Marmorbüsten und Münzen gaben den entscheidenden Hinweis darauf, dass man hier Großes vermuten durfte.

Die systematischen Grabungen des Hügels Agia Petra wurden unverzüglich eingeleitet und seit dieser Zeit wird das gesamte Areal ausgegraben und untersucht. So unscheinbar dieser Siedlungshügel auch anmutete, umso imposanter und beeindruckender die Funde, die seitdem entdeckt werden konnten.

Anhand kostbarer Marmorbüsten und Inschriften wurde sehr schnell deutlich, dass man hier die Stadt entdeckt hatte, die man bisher nur aus den Quellen kannte. Es war die legendäre und so lange unentdeckte Stadt, die Kaiser Trajan zu Ehren seiner Frau Plotina hatte errichten lassen. Plotinopolis, die Polis (Stadt) Plotinas. Der Anlass der Stadtgründung wird wohl für immer verborgen bleiben, doch der Grund, an dieser Stelle eine Stadt zu bauen, erschließt sich dem heutigen Besucher genau so eindrucksvoll wie dem Kaiser damals.

Die Stadt liegt in einem milden Flussdelta, das damals wie heute reich an Fischen ist und sowohl zahlreichen fremden Zugvögeln als auch endemischen Vögeln eine Heimat und einen Zwischenhalt bietet. Ebenso so reich waren und sind die Erträge des fruchtbaren Landes, in dem das antike Plotinopolis liegt, unweit der heutigen kleinen Stadt Didimoteicho.

Die antike Stadtanlage legt auch Zeugnis ab über den Reichtum der Gegend und den Wohlstand der Bürger von Plotinopolis.
Die weit ins Tal reichende antike Stadt konnte, trotzdem jedes Jahr die Grabungen durchgeführt wurden, noch nicht vollständig ergraben werden. In etlichen Abschnitten ist die antike Stadtmauer entdeckt worden, die von der Zeit der Gründung bis ins 6. Jahrhundert nach Christus die Bewohner schützte. Innerhalb dieser und oft auch in direkter Nähe zur schützenden Mauer standen die Häuser dicht an dicht, was als sicherer Hinweis verstanden wird, dass die Stadt nicht nur lange bewohnt war sondern auch viele Bewohner anzog und beherbergte. Die Häuser waren kostbar ausgestattet, wie man kürzlich durch den Fund eines wertvollen Bodenmosaiks sehen konnte. Auch die Kleinfunde zeugen von großem Wohlstand und Reichtum. Es sind Tonwaren aus allen Teilen des römischen Imperiums entdeckt worden, so dass man den Schluss ziehen kann, das Plotinopolis Handel betrieb und die Reichtümer der fruchtbaren Ebene Thracias tauschen konnte gegen mannigfaltige Preziosen. Und während die Männer ihren erträglichen Handelsgeschäften nachgingen, kümmerten sich die Frauen um den Hausstand. Eine Vorstellung über die reichhaltigen Aufgaben einer Hausfrau in Plotinopolis sind die Spinnräder und Wirtel und Nadeln aus Knochen und Bronze, die in allen Hausanlagen entdeckt werden konnten.

Alles verweist darauf, dass es sich um eine wohlhabende Bevölkerung handelte, die auch nach dem Ableben von Trajan vom römischen Kaiser oder zumindest von seinen Magistraten aufgesucht wurde und die aus Anlass ihres Besuchs auch eine goldene Büste des Kaisers Septimius Severus stifteten, die bei den Grabungen glücklicherweise entdeckt werden konnte. All diese Funde aus dem regen Leben der Kaiserinnenstadt sind im Museum bei Didimoticho zu sehen, das sich unweit der Grabung befindet.

Wie modern und funktional die Stadt zur Zeit ihrer Gründung geplant war und welch hohen Komfort sie ihren Einwohnern bot, zeigt sich besonders in der imposanten Brunnenanlage, die im Zentrum der antiken Stadt entdeckt werden konnte. Bislang ist dies das einzige Zeugnis einer derartigen Schachtanlage aus Thracia.
Es handelt sich um einen tiefen, gebauten Brunnenschacht. Der mit Ecksteinblöcken ausgestattete Brunnen reichte mit über 12 m Tiefe bis an das natürliche Grundwasser. Die gesamte Anlage war begehbar, was aus mehreren Gründen notwendig war. Zum einen war es eine Möglichkeit sich mit Wasser zu versorgen, zum anderen wurde es zur Instandsetzung genutzt. Auf jeden Fall war garantierte es einen hohen Grad an Sauberkeit und zudem war es ein ökologischer Umgang mit den natürlichen Wasservorkommen. Die übliche Art der Laufbrunnen, die überirdisch angelegt wurden, war viel anfälliger für Verschmutzungen. Außerdem garantierte dieser Brunnenbau auch, dass in regenarmen Perioden ausreichend Wasser vorhanden war, da die Verdunstung auf ein Mindestmaß reduziert war.

Man kann sich vorstellen, welch technischen Raffinessen und welche Zeugnisse des Reichtums wir durch die fortlaufenden Grabungen noch zu erwarten haben, die jedes Jahr das Bild über das Leben in der Stadt zu Ehren der Kaiserin erweitern werden.

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