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RETHYMNON - Archäologisches Museum Fortezza

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2020-07-13 2020-07-13 13.07.2020

Die Geschichte der Archäologischen Sammlung von Rethymnon beginnt mit einer Initiative des Bildungsvereins von Rethymnon im Jahre 1988. Bis 1990 war das Museum in der Loggia im Zentrum der Stadt untergebracht. In diesem Jahr wurde die Ausstellung in der fünfeckigen Festung neu aufgestellt, die von den Türken gegenüber dem Haupttor der Fortetsa, der venezianischen Festung, errichtet worden war. Vor einem Museumsbesuch sollte man die Fortetsa mit der geknickten Außenseite der Umfassungsmauer besichtigen. Bis 1960 war hier das Gefängnis der Stadt untergebracht.
In den Wandvitrinen sind in chronologischer Abfolge die Funde aus dem Verwaltungsbezirk Rethymnon ausgestellt, die von der neolithischen bis in die römische Zeit reichen; natürlich ist nur ein kleiner Teil der Bestände ausgestellt, und täglich kommen neue Fundstücke hinzu. Es ist geplant, die Ausstellungsfläche durch die Einbeziehung des Erdgeschosses zu vergrößern.
Die beiden ersten Vitrinen enthalten Funde aus der Geranios-Höhle, die in neolithischer Zeit bewohnt gewesen ist (688-3200 v. Chr.). Es handelt sich überwiegend um handgemachte Keramik mit einfachen Verzierungen, Terrakottafiguren und Werkzeuge aus Stein und Bein. Die Keramik aus der Ellenes-Höhle stammt aus frühminoischer Zeit (2800-2000 v. Chr.).
Zu Beginn des 2. Jts. v. Chr. werden auf Kreta die ersten Paläste errichtet, die bereits um 1700 v. Chr. durch ein schweres Erdbeben zerstört werden. An derselben Stelle entstehen die Neuen Paläste, die um 1450 v. Chr. aus unbekannten Gründen untergehen. Diese 500 Jahre bilden den Höhepunkt der sog. Minoischen Kultur. Im Bereich von Rethymnon ist zwar kein Palast gefunden worden, doch sind mehrere Megara oder Villen entdeckt worden, die lokalen Herrschern als Residenzen gedient haben. Die Funde in Vitrine 3 stammen aus dem Megaron von Monastiraki, diejenigen in Vitrine 4 aus dem Megaron von Apodoulou. Besonders beachtenswert sind das Modell eines zweistöckigen Hauses, das mit den heiligen Symbolen der minoischen Religion, den Doppelhörnern, geschmückt ist, und die tönernen Siegelabdrücke, die von Vorratsgefäßen stammen. In Vitrine 5 sind Funde aus dem Gipfelheiligtum von Vrysina ausgestellt, einem der auf zahlreichen Berggipfeln errichteten Heiligtümer, in denen die Pilger ihre Opfergaben an die Gottheit niederlegten. Der dort gefundene Opfertisch trägt Zeichen der Linear A-Schrift, der Schrift der Alten Paläste, die noch nicht entziffert werden konnte.
Die Vitrinen 6-13 enthalten Funde aus spätminoischer Zeit (1500-1100 v. Chr.). Nach der Zerstörung der Neuen Paläste um 1450 v. Chr. setzt der Niedergang der minoischen Kultur ein. Die Mykener kommen auf die Insel und beeinflussen das Leben der Kreter in jeder Hinsicht. Die Funde stammen überwiegend aus Gräbern, vor allem aus der Nekropole von Armeni. In Vitrine 8 sieht man Werkzeuge und Waffen aus Bronze, die vom kriegerischen Geist der Mykener zeugen, und einen Eberzahnhelm, wie er von Homer in der Ilias beschrieben wird. Die Bügelkanne in Vitrine 9 trägt Zeichen der Linear B-Schrift, die die Mykener nach Kreta gebracht haben und die um die Mitte des 20. Jhs. entziffert worden ist. Die zwischen den Vitrinen aufgestellten Sarkophage stammen aus Armeni. Die Themen der Bemalung sind dem Tier- und Pflanzenreich entnommen; eine der Larnakes zeigt eine interessante Jagdszene.
Der Schmuck und die Siegel in Vitrine 10 stammen ebenfalls aus Gräbern von Armeni; der Elfenbeingriff des Spiegels ist mit Darstellungen von Dämonen geschmückt. In Vitrine 11 sind menschen- und tiergestaltige Statuetten zu sehen. Charakteristisch für die spätminoische Zeit sind die Statuetten mit der Göttin mit den erhobenen Armen, wie diejenige aus Pangalochori, sowie die Statuetten in Form des griechischen Buchstabens Phi.
Vitrine 14 enthält Funde aus geometrischer Zeit 900-700 v. Chr.), der ersten Blütezeit der Stadt Eleutherna, die seit 1985 ausgegraben wird und bereits bedeutende Funde geliefert hat, darunter die in dieser Vitrine ausgestellten Statuetten.
In den Vitrinen 15-20 werden Objekte aus römischer Zeit präsentiert, die man am Ende der Besichtigung betrachten sollte.
Der chronologische Faden wird mit Vitrine 21 wieder aufgegriffen, in der man Statuetten aus archaischer Zeit sieht, darunter der für diese Zeit sehr seltene einer auf einem Bett ruhenden weiblichen Gestalt.
Vitrine 22 enthält sehr schöne Beispiele der klassischen rotfigurigen Keramik; aus derselben Zeit stammen die Statuetten in Vitrine 23.
Kehren wir nun zu den Vitrinen 15-20 mit den Funden aus römischer Zeit zurück, während der die antiken Städte des heutigen Verwaltungsbezirks Rethymnon eine große Blüte erlebt haben. Die Funde stammen überwiegend aus Lappa (dem heutigen Argyroupolis) und dem Bezirk Stavromenos: Gefäße aus Bronze, Ton und Glas, Goldschmuck und Nadeln aus Bein. Das eindrucksvollste Fundstück aus Lappa ist die Statue der Aphrodite, die auf eine Ente tritt, aus der 1. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr.
Vitrine 19 enthält Funde aus einem Schiffswrack in der Bucht von Agia Galini und Vitrine 20 eine Alabasterbüste des Gottes Sarapis.
Die reiche Münzsammlung des Museums ist in eigenen Vitrinen ausgestellt. Man sieht Bronzemünzen kretischer Städte, wie die aus dem antiken Rithymna mit Apollon oder Athena auf der einen und zwei Delphinen auf der anderen Seite, und aus dem antiken Lappa mit der Darstellung eines Dreizacks, aber auch aus anderen griechischen Städten, wie Silberstatere aus Ägina mit der charakteristischen Schildkrötendarstellung und Tetradrachmen aus Athen mit der Eule. Außerhalb der Vitrinen sieht man Inschriften aus Eleutherna aus dem 7.-3- Jh. v. Chr., ein klassisches Grabrelief und Bildwerke aus römischer Zeit.

Archäologisches Museum
Fortetsa (Fortezza)
74100 Rethymnon

Copyright: Museen Griechenlands
Erevnites Edition
GR.OK.F.B.
M. Str.

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