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ATHEN - Epigraphisches Museum

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2020-06-29 2020-07-05 29.06.2020

Das Epigraphische Museum ist im selben Gebäude wie das Archäologische Nationalmuseum untergebracht, besitzt aber in der Tositsa-Straße einen eigenen Eingang. Die reiche Sammlung, die rund 14.000 Inschriften umfasst, die überwiegend aus Attika, aber auch aus dem übrigen Griechenland und aus Kleinasien stammen, ist die größte ihrer Art auf der Welt.
Die jüngst durchgeführte Renovierung der beiden großen hellen Säle, die sich an den an der Tositsa-Straße gelegenen Innenhof anschließen, wird sicher zur Steigerung der Besucherzahl dieses wichtigen archäologischen Museums beitragen, das lange Jahre im Schatten des großen Bruders, des Archäologischen Nationalmuseums, gestanden hat.
Für die Besucher ist nur ein kleiner Teil der gewaltigen Sammlung zugänglich. Die Inschriften, die im äußeren und im inneren Hof, in der Eingangshalle, in den beiden rechteckigen Übergangssälen und in den erwähnten Ausstellungssälen aufgestellt sind, stammen überwiegend aus Griechenland und decken die Zeit zwischen dem 8. Jh. v. Chr. und der frühchristlichen Zeit ab. Die meisten sind in Stein gemeißelt, in Grabstelen und Säulen, andere finden sich auf Amphorenhenkeln und Ziegeln. Neben der Vielzahl der griechischen Inschriften stehen einige in lateinischer und hebräischer Sprache.
In der Eingangshalle ist besonders hinzuweisen auf die Stele des Kriegers Hierokles aus der Zeit um 360 v. Chr., den Abacus von Salamis aus klassischer Zeit, der als Tafel für mathematische Berechnungen, von anderen als Spielbrett interpretiert wird, und auf die Ehrendekrete, darunter ein sehr schönes mit der Reliefdarstellung eines Viergespanns, das im Jahre 343 v. Chr. für Arybbas, den vertriebenen Königs des antiken Volks der Molosser im Epirus und Vorfahr des ehrgeizigen Pyrrhos, hergestellt worden ist.
In Saal 1 links des Eingangs sieht man das Fragment einer Stele aus dem Jahr 438 v. Chr. mit der Abrechnung der Kosten für die Herstellung der Goldelfenbeinstatue der Athena auf der Akropolis, die Phidias geschaffen hat. Die Inschriften auf den Wandregalen enthalten Ehrendekrete, Abrechnungen und Votivlisten. Am Ende des Saales sieht man drei große Abgabenverzeichnisse des Attischen Seebunds aus dem Jahr 454 v. Chr., von denen die größte 3,5 m misst.
Über einige Stufen betritt man einen der beiden renovierten Säle des Museums (Saal 11). Vor einem der Pfeiler steht eine kleine beleuchtete Vitrine mit der ältesten erhaltenen Steininschrift, die aus dem 8. Jh. v. Chr. stammt und auf der Akropolis gefunden worden ist.
Wenn es gerade nicht von einem Besucher benutzt wird, liegt auf einem der Sitze ein Verzeichnis, das die Besichtigung erleichtert. In ihm sind die Texte aller in diesem Saal befindlichen Inschriften wiedergegeben, ergänzt und mit den international festgelegten Symbolen versehen, wie den eckigen Klammern für fehlende und ergänzte Buchstaben und den runden, zwischen denen Buchstaben stehen, die im Originaltext unvollständig erhalten oder schwer zu entziffern sind. Außerdem enthält es einen Grundriss des Saals mit den Nummern der Exponate, der das Auffinden einer bestimmten Inschrift bzw. deren Lesung erleichtert. Mit der Hilfe dieses Verzeichnisses gelingt es schon nach kurzer Zeit, auch die von rechts nach links und umgekehrt geschriebenen Inschriften (boustrophedon, d. h. in der Art, wie der Ochse beim Pflügen geht) zu lesen, in dieser Art ist geschrieben worden, bis sich im 6. Jh. v. Chr. die Schreibweise von links nach rechts durchgesetzt hat.
Man liest Inschriften auf Grabstelen, Listen gefallener Krieger und Basen von Votivgaben aus archaischer Zeit von der Akropolis, die manchmal auch den Namen des ausführenden Künstlers nennen, wie den des Ägineten Onatas aus dem 5. Jh. v. Chr., den des Chioten Archermos aus dem späten 6. Jh. v. Chr. und den des Hegias, eines Schülers des Phidias.
Man kehrt zur Eingangshalle zurück und kommt auf dem Weg zum zweiten renovierten Saal 9 in den Vorraum 2. Hier ist u. a. eine beidseitig beschriebene Stele zu sehen, die Votivlisten des Asklepieions aus dem 3. Jh. v. Chr. enthält, ferner zahlreiche Fragmente von Perirrhanterien (Steinschalen ehemals mit Wasser, mit dem sich die Gläubigen reinigen konnten) aus archaischer Zeit und Fragmente von Votivmonumenten vor allem von der Akropolis.
Im großen hellen letzten Saal des Museums sind charakteristische Beispiele der unterschiedlichen Inschriftenkategorien aus verschiedenen Phasen der antiken Geschichte ausgestellt. Zu den wichtigsten Exponaten gehören der Votivaltar von Peisistratos d. J., der von Thukydides erwähnt wird, das Heilige Gesetz von 485 v. Chr. für die Akropolis und den Hekatompedon (den Vorgängertempel des Parthenon), der älteste erhaltene Volksbeschluss der Athener mit den Bestimmungen für die Ansiedlung von Kleruchen auf Salamis aus dem Jahr 500 v. Chr. und die Stele mit den technischen Vorschriften für den Bau der Skeuothek des Philon im Piräus. Weiter sind ausgestellt der Beschluss des Themistokles zur Räumung Athens vor den herannahenden Persern aus dem Jahr 480 v. Chr., eine Stele mit der Aufzeichnung des Besitzes des Nemesis-Tempels von Rhamnous in Attika, der wahrscheinlich als Grabstele verwendete Vulkanstein von Santorin mit männlichen Namen aus der Zeit um 600 v. Chr. und in der Mitte des Saales ein beschriftetes Kapitell aus dem Perseus-Heiligtum in Mykene aus der Zeit um 525 v. Chr.
In den beiden Höfen des Museums sind einfache Grabstelen, reliefierte Grablekyten aus Marmor, Gebälke mit Inschriften und Grabtische sowie Grabsäulen mit Reliefkränzen aufgestellt.
Das Museum bietet pädagogische Programme an.

Epigraphisches Museum
Tositsa-Straße 1, 10682 Athen

Copyright: Museen Griechenlands
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GR.OK.F.B.
M. Str.

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