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BRAURON - Das Heiligtum der Artemis in Vravronas

  1.145 Wörter 4 Minuten
2017-01-08 2017-01-17 08.01.2017 1.081 × gelesen

Wer den Touristenmassen auf der Akropolis in Athen entfliehen will und trotzdem antike Stätten besichtigen möchte, der kann ganz in der Nähe der Millionenstadt fündig werden. Nur 38 Kilometer entfernt von der Metropole und doch sehr weit weg von ihrer Hektik und ihrem Rummel sind einige interessante archäologische Plätze in idyllischer Lage zu finden. Einige davon wollen wir Ihnen vorstellen.

Wie an fast jedem Ort in Griechenland ist auch die Entstehung des Heiligtums in Vravronas mit einem eigenen Mythos verbunden, der in diesem Fall eng mit der Geschichte des mykenischen Herrschers Agamemnon verknüpft ist: Die antiken Schriftsteller berichten, wie Agamemnon auf dem Weg nach Troja mit der griechischen Flotte bei Aulis lag. Man war bereit zum Aufbruch, aber der notwendige Wind blieb aus, weil Agamemnon die Göttin Artemis erzürnt hatte. Nur durch die Opferung von Agamemnons eigener Tochter, Iphigenie, konnte der Zorn der Göttin besänftigt werden. Agamemnon entschloss sich schweren Herzens zu diesem Opfer, doch die Göttin erbarmte sich des jungen Mädchens und brachte es ohne Wissen des Vaters in das ferne Land der Taurer, wo sie lange Jahre als Priesterin der Artemis lebte.
Eines Tages erschien Iphigenies Bruder Orestes am Ufer der Taurer mit dem Auftrag, das heilige Kultbild der Göttin zu rauben und nach Attika zu bringen, um sich von der Blutschuld seines Muttermordes zu reinigen.
Iphigenie und ihr Bruder erkannten sich und flohen gemeinsam und führten das heilige Bildnis mit sich. In Vravronas erreichten sie das griechische Festland und Iphigenie blieb bis zu ihrem Tod dort als Priesterin der Artemis Vravronias. Iphigenies mythisches Grab, in einer Kultgrotte wenige Meter südöstlich des Artemistempels gelegen, wurde zum Zentrum des Heiligtums.

Eine weitere Sage berichtet, dass Jäger eines Tages zwei der Artemis heiligen Bären töteten. Aus Zorn über diesen Frevel sandte die Göttin die Pest nach Athen. Als Sühne, so lautete ein Orakel, hätten ihr die Athener alle Mädchen Attikas zwischen fünf und zehn Jahren als Tempeldienerinnen zu weihen. Die Athener gehorchten diesem Gebot und so verbrachten die Mädchen als „Arktoi” (Bärinnen) einen großen Teil ihrer Kindheit im Tempel.

Die Mythen zeigen uns, dass Vravronas über Jahrtausende ein heiliger Ort war, der auch heute noch eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. Die Forschungen bestätigen, dass der Ort tatsächlich seit dem Neolithikum ununterbrochen besiedelt war.
Auf dem niedrigen Felsrücken stand in mykenischer Zeit eine Burg. Im 6. Jh. v. Chr. zählte Vravronas zu den zwölf alten Städten Attikas und war in der ganzen antiken Welt bekannt, da von hier sowohl Miltiades und Kimon, die Sieger über die Perser bei Marathon (490 v. Chr.) stammten, als auch das berühmte Geschlecht der Peisistratiden, das von 561 bis 510 v. Chr. über Athen und ganz Attika herrschte - die Reste der unter Peisistratos in Athen verlegten Wasserleitung kann man heute in der Metro-Station am Syntagma-Platz bewundern. Aus der Zeit des Peisistratos und des Kimon stammt wohl auch das ansehnliche Heiligtum der Artemis Brauronia auf der Akropolis in Athen.

Der dorische Artemistempel (19,90 x 10,35 m) in Vravronas ist nur in seinen Fundamenten erhalten und stammt aus dem frühen 5. Jh. v. Chr., sein Vorgängerbau datiert auf das 6. Jh. v. Chr. Etwa Ende des 5. Jahrhunderts wurde das Heiligtum durch ein u-förmiges Peristyl erweitert, in dessen Räumen bis zu 11 Klinen (Schlafstellen) Platz fanden. Hier zeigt sich, dass in manchen Mythen doch ein Körnchen Wahrheit steckt, denn diese Klinen - die mit Blei ausgegossenen Dübel für die Füße der hölzernen Liegebetten sind noch heute gut zu sehen - waren die Schlafplätze der attischen Mädchen, die hier als „Bärinnen“ oder „Parthenoi“ (Mädchen) der Göttin dienten, wie es der Mythos erzählt.
Wie in einer Internats- oder Klosterschule wurden sie im Heiligtum durch die Priesterinnen in den Kult der Göttin eingeweiht. Mit ihrer Verheiratung endete der Dienst der Mädchen für die Göttin. Bei den alljährlich stattfindenden Spielen (Brauronia) zu Ehren der Artemis tanzten die Mädchen in langen, safranfarbenen Gewändern, die an Bärinnen erinnern sollten. Alle fünf Jahre fand das Hauptfest für Frauen statt, an dem selbst aus Athen festlich geschmückte Prozessionen teilnahmen. Denn Artemis, die Göttin der Jagd und Herrin der Tiere, wurde in Vravronas vor allem in ihrer Eigenschaft als Beschützerin der Gebärenden verehrt.

Die Säulen der Nordhalle des Peristyls sind bis heute erhalten und vermitteln einen guten Eindruck von der Größe des Heiligtums. Das dreiseitig geschlossene Peristyl scheint für Kultfeiern benutzt worden zu sein.
Hinter einer Ecke des Peristyls ist noch eine alte Brücke über den Bach Erasinos zu sehen, die belegt, dass sich das Heiligtum in der Antike bis zum anderen Ufer erstreckte. Das kleine Bächlein, das heute so idyllisch durch das Heiligtum plätschert, war damals noch ein reißender Fluss, dessen Fluten im 4. Jh. v. Chr. große Teile des Heiligtums überschwemmten. Mit dieser Naturkatastrophe endeten die Weihungen in Vravronas. Die Erde und der Schlamm, die nun das Heiligtum überdeckten, bewirkten aber auch, ähnlich wie in Olympia, dass es geschützt und konserviert wurde. Und so ist es dieser Naturkatastrophe zu verdanken, dass Vravronas zu einem der am besten erhaltenen antiken Heiligtümer Griechenlands zählt.

Davon zeugen auch die reichen Funde, die im ganz in der Nähe liegenden Archäologischen Museum zu bewundern sind. Ein hervorragendes Werk der Spätklassik ist zum Beispiel das ausgestellte Weiherelief, das den sitzenden Zeus mit Leto und ihren gemeinsamen Kindern Apollon und Artemis darstellt.
Sehr eindrucksvolle Beispiele aus der Zeit des Hellenismus sind die Skulpturen von den anmutigen „Bärinnen“, den Mädchen, die der Artemis dienten. Eines der Mädchen (2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr.) trägt ein Häschen in ihrer Schürze und lächelt, ein anderes hält eine Taube. Außer den beeindruckenden Funden von Vravronas sind in dem kleinen, aber interessanten Museum auch Funde aus Anavissos, Perati und anderen Ausgrabungen in Attika zu sehen.

Ganz in der Nähe der Grundmauern des Tempels, oberhalb des mystischen Grabes der Iphigenie, liegt eine kleine byzantinische Kapelle aus dem 12. Jh. n. Chr., die dem Heiligen Georg (Agios Georgios) geweiht ist. Die in der Nähe gefundenen Grundmauern einer dreischiffigen Basilika mit Atrium und Taufkirche aus dem 6. nachchristlichen Jahrhundert zeigen, dass Vravronas auch zur frühchristlichen Zeit noch ein bedeutender Ort war.

Heute ist es hier still geworden, und der Besucher kann in aller Ruhe und ohne jeden störenden Rummel die heilige Stätte besichtigen und ihre besondere Stimmung auf sich wirken lassen. Hohe Bäume spenden Schatten, am kleinen Erasinos-Bach kann man sich erfrischen. Und wer danach noch Abkühlung braucht, der muss nur zwei Kilometer fahren, um ein erfrischendes Bad im Meer nehmen zu können.

Anfahrt: Um nach Vravronas zu kommen, fährt man von Athen kommend nach dem Vorort Agia Paraskevi auf der Messogion-Avenue in Richtung Markopoulo und Flughafen, kurz nach Markopoulo zweigt eine Straße nach links ab Richtung Vravronas, wo das Heiligtum der Artemis in der Nähe des kleinen Ortes liegt. (Wer nach dem Weg fragen muss, sollte sich keinesfalls - wie die Verfasserin dieses Artikels - nach „Brauron“ erkundigen, denn diese im Deutschen übliche Ortsbezeichnung ist für den modernen Griechen in keinerlei Zusammenhang zu bringen mit dem neugriechischen „Vravronas“.)

9 Bilder für das Keyword Vravrona gefunden.

Vravrona Artemis Tempel Attika Christa Bauer
Vravrona Artemis Tempel Attika Christa Bauer
Vravrona Artemis Tempel Attika Christa Bauer
Das Archäologische Museum Vravrona in der Nähe von Brauron, der antiken Kultstätte der Artemis an der Ostküste Attikas, ist ein kleines, zweistöckiges Gebäude mit Funden aus den Gebieten Vravrona und Mesogeia von der prähistorischen bis zur römischen Zeit. The Archaeological Museum of Vravrona was built in the late 1960s and renovated in 2009, the small museum is located close to the Vravron archaeological site and exhibits findings from the region of Messogia and the sanctuary of Artemis at Vravrona. Στο Αρχαιολογικό Μουσείο Βραυρώνας προβάλλονται τα πλούσια και ποικίλα ευρήματα από την ανασκαφή του ιερού της Βραυρωνίας Αρτέμιδος καθώς και αρχαιότητες από την ευρύτερη περιοχή των Μεσογείων. Christa Bauer
Das Archäologische Museum Vravrona in der Nähe von Brauron, der antiken Kultstätte der Artemis an der Ostküste Attikas, ist ein kleines, zweistöckiges Gebäude mit Funden aus den Gebieten Vravrona und Mesogeia von der prähistorischen bis zur römischen Zeit. The Archaeological Museum of Vravrona was built in the late 1960s and renovated in 2009, the small museum is located close to the Vravron archaeological site and exhibits findings from the region of Messogia and the sanctuary of Artemis at Vravrona. Στο Αρχαιολογικό Μουσείο Βραυρώνας προβάλλονται τα πλούσια και ποικίλα ευρήματα από την ανασκαφή του ιερού της Βραυρωνίας Αρτέμιδος καθώς και αρχαιότητες από την ευρύτερη περιοχή των Μεσογείων. Christa Bauer
Das Archäologische Museum Vravrona in der Nähe von Brauron, der antiken Kultstätte der Artemis an der Ostküste Attikas, ist ein kleines, zweistöckiges Gebäude mit Funden aus den Gebieten Vravrona und Mesogeia von der prähistorischen bis zur römischen Zeit. The Archaeological Museum of Vravrona was built in the late 1960s and renovated in 2009, the small museum is located close to the Vravron archaeological site and exhibits findings from the region of Messogia and the sanctuary of Artemis at Vravrona. Στο Αρχαιολογικό Μουσείο Βραυρώνας προβάλλονται τα πλούσια και ποικίλα ευρήματα από την ανασκαφή του ιερού της Βραυρωνίας Αρτέμιδος καθώς και αρχαιότητες από την ευρύτερη περιοχή των Μεσογείων. Christa Bauer
Das Archäologische Museum Vravrona in der Nähe von Brauron, der antiken Kultstätte der Artemis an der Ostküste Attikas, ist ein kleines, zweistöckiges Gebäude mit Funden aus den Gebieten Vravrona und Mesogeia von der prähistorischen bis zur römischen Zeit. The Archaeological Museum of Vravrona was built in the late 1960s and renovated in 2009, the small museum is located close to the Vravron archaeological site and exhibits findings from the region of Messogia and the sanctuary of Artemis at Vravrona. Στο Αρχαιολογικό Μουσείο Βραυρώνας προβάλλονται τα πλούσια και ποικίλα ευρήματα από την ανασκαφή του ιερού της Βραυρωνίας Αρτέμιδος καθώς και αρχαιότητες από την ευρύτερη περιοχή των Μεσογείων. Christa Bauer
Das Archäologische Museum Vravrona in der Nähe von Brauron, der antiken Kultstätte der Artemis an der Ostküste Attikas, ist ein kleines, zweistöckiges Gebäude mit Funden aus den Gebieten Vravrona und Mesogeia von der prähistorischen bis zur römischen Zeit. The Archaeological Museum of Vravrona was built in the late 1960s and renovated in 2009, the small museum is located close to the Vravron archaeological site and exhibits findings from the region of Messogia and the sanctuary of Artemis at Vravrona. Στο Αρχαιολογικό Μουσείο Βραυρώνας προβάλλονται τα πλούσια και ποικίλα ευρήματα από την ανασκαφή του ιερού της Βραυρωνίας Αρτέμιδος καθώς και αρχαιότητες από την ευρύτερη περιοχή των Μεσογείων. Christa Bauer
Das Archäologische Museum Vravrona in der Nähe von Brauron, der antiken Kultstätte der Artemis an der Ostküste Attikas, ist ein kleines, zweistöckiges Gebäude mit Funden aus den Gebieten Vravrona und Mesogeia von der prähistorischen bis zur römischen Zeit. The Archaeological Museum of Vravrona was built in the late 1960s and renovated in 2009, the small museum is located close to the Vravron archaeological site and exhibits findings from the region of Messogia and the sanctuary of Artemis at Vravrona. Στο Αρχαιολογικό Μουσείο Βραυρώνας προβάλλονται τα πλούσια και ποικίλα ευρήματα από την ανασκαφή του ιερού της Βραυρωνίας Αρτέμιδος καθώς και αρχαιότητες από την ευρύτερη περιοχή των Μεσογείων. Christa Bauer